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Lachen
25.11.2021

Bald verschwindet auch die letzte Bäckerei aus dem Dorf

Ein abruptes Ende: Markus Habermacher steht nur noch bis Ende Januar in seiner Backstube am Kirchplatz in Lachen.
Ein abruptes Ende: Markus Habermacher steht nur noch bis Ende Januar in seiner Backstube am Kirchplatz in Lachen. Bild: Silvia Gisler
Knapp 16 Jahre lang hat Bäcker Markus Habermacher in Lachen die Nacht zum Tag gemacht, um seinen Kunden frühmorgens frische Brötchen bereitzuhalten. Jetzt blickt er der Schliessung entgegen.

Abends um 23.30 Uhr im Dorfkern: Langsam wird es dunkel in den Wohnräumen der Lachner. Die Bewohner gehen schlafen. Nicht so der 55-jährige Markus Habermacher. Er ist gerade aufgestanden und macht sich bereit für einen weiteren Arbeitstag in der Backstube vis à vis der Pfarrkirche. Habermacher ist Bäcker mit Leib und Seele – und schon seit Längerem der Einzige seines Handwerks im Dorf. Zwar sind in den letzten Jahren mehrere Bäckereien ins Dorf gezogen, doch geknetet und gebacken haben sie nicht vor Ort. Jetzt hat auch Markus Habermacher entschieden, die Öfen in der Backstube für immerauszumachen.

Genug von 80-Stunden-Wochen

Am 24. Dezember wird er in Lachen und am 31. Januar in Wangen das letzte Mal geöffnet haben. Dann ist nach 16, respektive fünf Jahren endgültig Schluss. Beim Gedanken daran kommt beim Lachner spürbar Wehmut auf. «Ich habe hier viele gute Leute kennengelernt», erzählt er und denkt an viele tolle Begegnungen, hitzige Diskussionen und amüsante Storys zurück. Trotzdem überwiege die Freude auf die Zeit danach. «Ich habe lange genug 70 bis 80 Stunden pro Woche gearbeitet», sagt er. «Ich möchte wieder mehr Zeit für mich und meine Hobbys haben, sie nicht immer unter Zeitdruck ausüben müssen.» Wie wichtig das ist, ist ihm erst mit seiner Corona-Erkrankung im letzten Jahr bewusst geworden. «Ich habe mich schon lange nicht mehr so erholt gefühlt, wie nach der Zeit auf der Intensivstation und dem anschliessenden Genesungsprozess», so Habermacher. Da sei ihm bewusst geworden, dass der ganze Stress der letzten Jahre nicht unbedingt gesund gewesen sei.

Markus Habermacher schliesst seine Läden und Cafés in Lachen (24. Dezember) und Wangen (31. Januar). Trotz ein bisschen Wehmut überwiegt die Freude. Bild: Silvia Gisler

Die wiederkehrenden finanziellen Einbussen durch die Bautätigkeit in Lachen und die Auswirkungen der Pandemie hätten ihn zum Nachdenken bewogen. Er habe doch noch ein paar Jahre Arbeit vor sich und wurde zunehmend unsicherer, diese so verbringen zuwollen. «Mit der Zertifikatspflicht ist unser Umsatz dann von heute auf morgen um zwei Drittel geschrumpft», bilanziert Habermacher. Und dass der Pachtvertrag für das Café Hafechran in Wangen nicht verlängert worden wäre, hat alles in allem das Fass zum Überlaufen gebracht.

«Ich möchte wieder mehr Zeit für mich und meine Hobbys haben.»
Markus Habermacher, Inhaber Bäckerei Habermacher

Gutes Personal ist gesucht

Mittlerweile hat er den Angestellten die Kündigung ausgesprochen. «Um sie mache ich mir keine Sorgen. Sie werden ganz bestimmt schnell wieder eine Stelle finden», so der Bäcker. In ihrer Branche sei gutes Personal mit der Bereitschaft zu Wochenendeinsätzen sehr gefragt. Er selbst werde zuerst ein paar Wochen Urlaub machen und anschliessend auf Stellensuche gehen. Mit seinen 40 Jahren Berufserfahrung zähle auch er zu den gefragteren Arbeitskräften der Branche.

Ob und wie es im «Hafechran» in Wangen und im «Habermacher» in Lachen nach der Schliessung weiter gehen wird, weiss der 55-Jährige zum jetzigen Zeitpunkt nicht. Er glaubt, dass es in der aktuellen Zeit sehr schwierig ist, allein mit dem Tagesgeschäft die Kundenfrequenzen zu erreichen, die man benötigen würde, um rentabel zu wirtschaften.

Silvia Gisler, Redaktion March24 & Höfe24