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Region
18.09.2021

Warum sich die Blaualgen so stark in der Region ausbreiten

Achtung giftige Blaualgen: Die Gemeinde Freienbach warnt beim Hurdner Durchstich vor einem Bad im See.
Achtung giftige Blaualgen: Die Gemeinde Freienbach warnt beim Hurdner Durchstich vor einem Bad im See. Bild: Franziska Kohler
Trotz des eher kühlen Sommers vermehren sich Cyanobakterien, sogenannte Blaualgen, in der Region stark. Einige Arten siedeln auf Steinen im Uferbereich und reagieren weniger empfindlich auf turbulentes Wetter. Die aktuelle Algenblüte ist darum nicht aussergewöhnlich.

Sie halten die Region seit Ende Juli in Atem: Cyanobakterien, auch «Blaualgen» genannt. Einige Arten produzieren Giftstoffe, die für Tiere gefährlich werden können. Auch Menschen können auf die Toxinereagieren. Darum ist es nicht ratsam, Seewasser zu trinken oder in Gewässern mit einem vermehrten Aufkommen von Cyanobakterien, der sogenannten Algenblüte, zu baden.

In Schmerikon sind mittlerweile acht Hunde gestorben. Sie haben sich vermutlich mit Wasser vergiftet, das mit Blaualgen-Toxinen belastet war. Die Problematik beschränkt sich derzeit nicht mehr nur auf den Obersee bei Schmerikon. Sie kommen mittlerweile auch auf der Zürichsee-Seite des Durchstichs und auf der St. Galler Seite entlang des gesamten Obersees vor. 

Blaualgen lieben warmes Wetter

Seit Ende vergangener Woche sind bei der kantonalen Fachstelle für Gewässerschutz keine Meldungen über neue Blaualgenteppiche auf der Schwyzer Seite des Zürichsees eingegangen, wie Sandro Betschart, Sachbearbeiter beim Schwyzer Amt für Gewässer, mitteilt. Der Kanton hatte dazu aufgerufen, vermehrte Blaualgenaufkommen zu melden. 

Cyanobakterien gedeihen gemäss einer Mitteilung der kantonalen Fachstelle für Gewässerschutz bei hohem Nährstoffgehalt und steigenden Wassertemperaturen besonders gut. Üblicherweise sind die Bedingungen im Spätsommer günstig, aber auch im September oder Oktober können bei warmem Wetter durchaus noch Algenblüten auftreten. 

  • Blaualgen sind nicht zwingend blau; hier das Cyanobakterium Microcystis aeruginosa unter dem Mikroskop. Bild: Eawag
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  • Ein dichter Teppich aus Microcystis aeruginosa, einer Blaualgenart. Bild: Bild R. Schittli
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Francesco Pomati weist darauf hin, dass sich auch bei eher kühlem Sommerwetter mit viel Regen Blaualgen stark vermehren können. Sichtbar wird dies an der Oberfläche der Seen, sobald der Regen aufhört und die Temperaturen wieder etwas ansteigen. Cyanobakterien treten seit rund 40 Jahren vermehrt in der Schweiz auf – eine Folge der kontinuierlich steigenden Durchschnittstemperaturen. 

Toxine gegen Fressfeinde

Andere Cyanobakterien-Arten siedeln allerdings auf Steinen in der Uferzone. «Sie benötigen für ihr Wachstum Licht und Nährstoffe», erläutert Pomati. «Wegen der starken Regenfälle sind viele Nährstoffe in die Seen geschwemmt worden.» Der Juni und bisher auch der September waren zudem eher warm. «Dies begünstigt eine Algenblüte», so der Fachmann. Die Folge: Die Blaualgen vermehren sich explosionsartig. Darum ist die aktuelle Blaualgen-Situation wegen des kühlen Sommers atypisch im Vergleich mit anderen Jahren, aber nicht aussergewöhnlich.

Einige dieser Cyanobakterienproduzieren auch Giftstoffe, das mache sie unter anderem resistent gegen Fressfeinde wie kleine Krebstiere.Vermehren sich diese Cyanobakterien-Arten stark, erhöht sich die Konzentration ihrer Toxine entsprechend.

Franziska Kohler, Redaktion March24 & Höfe24