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Sport
29.04.2020
29.04.2020 11:34 Uhr

Eishockey im Überlebensmodus

Noch dauert es mehr als viereinhalb Monate, bis die neue Eishockeysaison in der National League beginnen soll. Doch die Klubs sind mit Fragen beschäftigt, die sie sich noch im Februar nicht hätten vorstellen können. Die SC Rapperswil-Jona Lakers bilden da keine Ausnahme. (Bild: Archiv)
Ungleiche Anzahl Ausländer, eine Aufhebung der Ausländerbeschränkung, kein Absteiger – die Schweizer Eishockey-Liga schmiedet Pläne, um die Coronavirus-Krise zu überstehen. Es steht viel auf dem Spiel.

Denis Vaucher, der Ligadirektor, fühlt fast täglich den Puls der Klubs. Er hofft, dass sich der Bundesrat am Mittwoch in die Karten blicken lässt, wie es mit Grossveranstaltungen im Verlauf des Jahres weitergehen soll. «Im Moment ist alles ungewiss. Wir brauchen einen politischen Fahrplan. Ich hoffe, dass wir spätestens ab dem 1. Oktober wieder vor Zuschauern spielen können. Sonst wird die Situation extrem prekär.»

Die 50 Millionen Franken Bundeshilfe helfen den Profiklubs kurzfristig. Aber was folgt danach? Wenn nach der Krise wegen der Hilfsgelder mehr AHV bezahlt werden muss oder mehr Steuern erhoben werden, wird dies die Klubs von Neuem hart treffen. Kein Fan kauft derzeit ein Saisonabonnement. Kein Sponsor investiert. Die Klubs wie auch die Liga, so Vaucher, «befinden sich im Überlebensmodus». Vor diesem Hintergrund sind die Änderungen zu sehen, die diskutiert werden.

Primär geht es um drei Punkte:

● Die Ausländerbeschränkung soll aufgehoben werden. Der Entscheid kann nur an einer Ligaversammlung gefällt werden, also frühestens Mitte Juni. Die neue Regelung träte wohl erst auf 2021/22 in Kraft, denn für die nächste Saison stehen die Kader der Klubs. Es gibt aber Leute, die ab sofort die Beschränkung lockern wollen.

● Ein neues Transferabkommen mit der National Hockey League sorgt für Diskussionen. Spieler mit Vertrag bei einem National-League-Verein, die nach Nordamerika wechseln, dürfen durch einen zusätzlichen Ausländer ersetzt werden, der das Ausländerkontingent nicht belastet.

● Weil der Kampf gegen den Abstieg als schlimmer Kostentreiber angesehen wird, soll es nächste Saison keinen Absteiger geben. Die Klubs sollen sich ganz aufs wirtschaftliche Überleben konzentrieren können. Der Meister der Swiss League darf aufsteigen, wenn er die Auflagen erfüllt. Zumindest für die Saison 2021/22 würden der National League 13 Teams angehören.

Immer mehr Grenzgänger

Insbesondere die Ausländerbeschränkung sorgt für Diskussionen. Die Lohntreiberei in der Schweiz muss bekämpft werden. Die Fans aber sind zufrieden mit dem Produkt Schweizer Eishockey, wie es sich diese Saison bis zum Lockdown präsentierte. Medien unterstellten der Liga wegen der geplanten Änderungen «Schildbürgertum » oder «Dummheit». Dabei ist der Traum von vier Ausländern pro Team längst zur Mär geworden. In der National League gab es letzte Saison 34 Ausnahmen – mehrheitlich Grenzgänger oder Akteure, die ihre erste Lizenz in der Schweiz gelöst haben.

Vor anderthalb Jahren stimmte die Ligaversammlung letztmals über die Ausländerbeschränkung ab. Das Abstimmungsergebnis lautete 3:9 gegen eine Erhöhung der Söldner. Nur Bern, Davos und Lausanne sprachen sich für mehr Ausländer aus. Servette, das den Antrag eingereicht hatte, stimmte gegen den eigenen Antrag. Mittlerweile könnte die Forderung, das Monopol der Schweizer Spieler zu brechen, mehrheitsfähig geworden sein. Auch Biel, Langnau, Lugano oder die ZSC Lions wollen mehr Ausländer zulassen, Zürich sogar per sofort.

Salär bis eine Million pro Jahr

Das Hauptargument der Gegner lautet seit Jahren: Ausländer sind teurer als Schweizer Spieler, deshalb koste eine Lockerung der Ausländerbeschränkung nur noch mehr Geld. Aber: «Derzeit kann es sich kein Schweizer Klub leisten, sechs oder sieben teure Ausländer zu verpflichten», sagt Ligadirektor Vaucher dazu.

Aber stimmt es überhaupt, dass Ausländer teurer sind? Die EBEL-Liga mit elf Teams aus Österreich, Italien, Tschechien und Ungarn legte im Zug der Coronavirus-Krise die Spielerlöhne offen. Das höchste Gehalt liegt gemäss Vaucher bei 130 000 Euro. Für 60 000 bis 70000 Euro gibt es Spieler, die nicht schlechter sind als Dritt- oder Viertlinienspieler hierzulande. Auch die Eishockeyaner in Schweden und Finnland verdienen viel weniger gut als die Schweizer. In der National League liegt der Durchschnittslohn zwischen 250 000 und 300000 Franken. Die Spitzenverdiener können inklusive Prämien fast eine Million Franken im Jahr verdienen.

An derartigen Luxusverträgen haben die Klubs jetzt im Krisenmodus zu beissen. Löhne müssen bezahlt werden; Einnahmen sind keine in Sicht. Es geht im Moment primär um drei Dinge, so Vaucher: «Risiken minimieren, Kosten senken, Chancen erkennen und dann nutzen.» (sda)

Redaktion March24/Höfe24