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Kultur
11.04.2020
09.04.2020 16:18 Uhr

«Ostern kann auch während der Corona-Krise stattfinden»

«Nun werden wir Mönche hinter verschlossenen Türen mit und für die Menschen beten», sagt Abt Urban.
Ostern ohne Gottesdienste und gemeinsame Gebete ist für viele Gläubige unvorstellbar. Wie dieses trotzdem gefeiert werden kann, man mit der Einsamkeit umgeht und inwiefern die aktuelle Situation auch eine Chance ist, sagt uns Abt Urban Federer im persönlichen Gespräch.

mit Abt Urban Federer
sprach Yasmin Jöhl

Wie erleben Sie die ganze Situation rund um das Coronavirus?
Einiges hätten wir uns vor ein paar Wochen nicht vorstellen können: die Einschränkung unserer Bewegungsfreiheit etwa oder die Kosten für ein gutes Gesundheitssystem, die plötzlich nicht mehr in Frage gestellt werden. Und dann auch die Frage nach Werten: Wörter wie «Verzicht» oder «Wesentliches » werden jetzt verwendet, wie ich sie sonst in der Fastenzeit nur im religiösen Gebrauch kenne.

Als Mönch sind Sie es gewohnt, sich einschränken zu müssen. Wie hat sich das Virus trotzdem auf Ihren Alltag ausgewirkt?
Viele Menschen beginnen, sich zu interessieren, wie wir das im Alltag des Klosters leben, was sie jetzt in ihren Wohnungen tun müssen: das Leben auf engem Raum, ohne die Möglichkeit, sich davon zu machen. Wir schränken uns aber nicht ein, weil wir müssen, sondern weil wir innere Freiheit suchen. Diese Suche spielt sich nun auch bei uns anders ab: Social Distancing beispielsweise gibt es jetzt auch im Kloster.

Hat sich Ihre Aufgabe als Seelsorger verändert?
Äusserlich ja, weil viele Probleme an der Corona-Krise festgemacht werden. Aber die Seelsorge trifft auch in anderen Zeiten auf Ängste und Grenzerfahrungen. Seelsorge sucht mit Menschen zusammen in deren spezifischen Situation nach Antworten auf das, was der Augenblick fordert.

Wo beziehungsweise wie finden Sie persönlich Zuspruch?
Wie auch in anderen Zeiten im Gebet, in der Musik, im Wort, in der Kunst.

Das Coronavirus legt ganze Bereiche der Schweizer Gesellschaft lahm. Auch die Kirche muss sich den Anordnungen unterordnen. Sehen Sie dies als Eingriff in die Religionsfreiheit?
Viren kümmern sich nicht um unsere Freiheiten. Auch für eine Religionsgemeinschaft ist es wichtig, mitzuhelfen, dass gefährdete Menschen vor Erkrankung geschützt werden und dass unsere Gottesdienste nicht zu Orten der Ansteckung werden. Das ist für mich sogar ein Gebot der christlichen Nächstenliebe. Allerdings kann mir der Aufruf zu Social Distancing nicht verbieten, innere Nähe zu anderen aufzubauen. Auch das ist für mich ein christliches Gebot.

Was bedeutet das Virus für das Kloster, für Einsiedeln als Wallfahrtsort?
Äusserlich gesehen legt es alles lahm, auch den Pilgerbetrieb. Von den finanziellen Folgen der ausbleibenden Pilger nicht zu sprechen. Ansonsten wirft es Fragen auf, die uns hier schon immer wichtig waren: Was zählt im Leben? Was ist dessen Sinn? Wir merken im Moment sicher, dass vieles nicht planbar ist und dass wir Menschen das Leben gar nicht so im Griff haben, wie wir das oft meinen.

Das vollständige Interview ist in der Zeitungsausgabe vom Dienstag, 7. April, zu lesen.

Yasmin Jöhl