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Region
03.05.2021
03.05.2021 12:03 Uhr

Herdenschutzberatungen nehmen zu

Bild: Heidi Peruzzo
Seit in der Region Schübelbach-Siebnen-Wägital ein Wolf nachgewiesen wurde, ist die Unsicherheit bei Tierhaltern grösser geworden. Dies zeigt auch die Zunahme an Herdenschutzberatungen im Kanton.

Treibt sich in der Region noch ein Wolf herum oder nicht? Stimmen die Gerüchte über ein Wolfspaar? Eine offiziell bestätigte Antwort darauf gibt es nicht. Die Wahrscheinlichkeit, dass der im letzten Herbst nachgewiesene Wolf M107 noch in der Region ist, ist jedoch gegeben. Entsprechend rechnen Tierhalter diesen Sommer erneut mit gerissenen Tieren und prophezeien diesbezüglich «keinen schönen Sommer».

Auch Bruno Zähner, zuständiger Herdenschutzberater, spürt die Angst und den Respekt der Tierhalter. Er ist denn auch deutlich gefragter als in den Jahren zuvor. Die Tierhalter sind bestrebt ihr Vieh zu schützen. «Mein Zaun muss besser sein als der des Nachbarn», hat Zähner von den Landwirten schon gehört. Und die wohl am häufigsten gestellte Frage der letzten paar Wochen ist: «Reicht der Zaun aus, den ich aufstelle?»

Dass sich die Landwirte diese Fragen stellen, ist für Zähner selbstverständlich. «Jeder Tierhalter investiert sehr viel Zeit und Geld für den Herdenschutz. Da möchte er auch sicher sein, dass es nicht für die Katz’ – oder den Wolf ist.» Das Problem ist nur: «Eine 100-prozentige Garantie haben wir nie», relativiert der Fachmann.  

Schutzhunde sehr begehrt

Doch welche Schutzmassnahmen erachtet denn Zähner als am sinnvollsten in unserer Region? «Das ist von Betrieb zu Betrieb sehr unterschiedlich», erklärt er. Am häufigsten seien Zaunmassnahmen – aber auch Herdenschutztiere sind gefragter denn je. Die Nachfrage nach Herdenschutzhunden sei schweizweit so massiv gestiegen, dass zeitweise nicht sicher war, ob alle Interessenten auch einen offiziellen Herdenschutzhund erhalten könnten. Dies habe nun aber geklappt, weiss Zähner. 

Die grosse Nachfrage wundert den Herdenschutzberater nicht: «Gemäss einer Studie des Bafu ist der Schutzhund ganz klar die effektivste Methode, um den Wolf von der Herde fern zu halten.» Zudem werde die Haltung eines Schutzhundes aus dem offiziellen System mit 100 Franken im Monat finanziell abgegolten. Trotzdem sei im Kanton Schwyz zu den bisherigen zwei Betrieben, die offizielle Herdenschutzhunde haben, kein weiterer dazugekommen. Stattdessen setzen ein paar wenige Tierhalter auf Lamas (wir berichteten) oder Esel. 

Ganze Gebiete neu einzäunen 

In Vorderthal lebt der 68-jährige Fritz Reber mit seiner Familie. In zweiter Generation züchtet er Braunköpfige Fleischschafe. «Wir haben im letzten Sommer zwei Tiere aufgrund eines Wolfsangriffs verloren», blickt Reber zurück. Und ganz in der Nähe seiner Weiden im Gebiet Rempen wurden ebenfalls Tiere gerissen. Solche Fälle möchte er in diesem Jahr bestmöglich verhindern und hat kurzerhand 40 neue, höhere Flexinetze gekauft. Sie bieten nicht nur besseren Schutz als seine bisherigen 90 cm hohen Netze, sondern werden auch geringfügig finanziell entschädigt. «Der Aufwand, sämtliche Weideflächen neu einzuzäunen ist aber enorm», erklärt er. Selbst dort, wo bereits ein Zaun war, muss Hand angelegt, aufgerüstet und täglich kontrolliert werden. 

 

Nachts in den Stall

Viele Landwirte und Tierhalter trauen dem Wolf so wenig über den Weg, dass sie sich entschieden haben, ihre Tiere vorerst abends einzustallen. Einer davon ist Ruedi Krauer von der Alp Oberschwändi. Letzterer hat bereits im vergangenen Sommer mehrfach Erfahrungen mit dem Wolf gesammelt. Deshalb geht er auf Nummer sicher: «Ich werde meine Ziegen auf der Alp nicht mehr freilaufen lassen, sondern nur noch in eingezäunten Weiden», sagt er. Abends werde er sie einstallen.
Weiter sorgt er sich um die jüngeren Kälber. «Ich werde sie nur noch in der Nähe der Alpgebäude weiden lassen.» Denn ein Wolf, komme er nicht alleine, mache auch vor kleinen Kälbern keinen Halt.

 

Silvia Gisler, Redaktion March24 & Höfe24