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Siebnen
21.11.2020

Corona-Erkrankte erzählt: «Die Unsicherheit war gross»

Janine Büsser: «Nicht das Virus hat mir die Luft zum Atmen genommen, sondern das ganze Hin und Her.» (Bild: Franz Feldmann)
Janine Büsser wohnt mit ihrer Familie in Siebnen. Weil sie am Coronavirus erkrankte, mussten auch ihr Mann und ihre zweijährige Tochter in Quarantäne. Sie kritisiert die Behörden für die widersprüchlichen Informationen, die sie erhalten habe.

Janine Büsser erwachte am 18. Oktober mit Fieber, Gliederschmerzen und einem Kratzen im Hals. Bald hustete sie auch. Ihr Umfeld riet ihr, für einen Coronatest zum Arzt zu gehen. Einen Tag später zog sie – wie viele andere auch – eine Nummer vor dem Spital Lachen und wartete auf dem ungedeckten Platz, bis sie aufgerufen wurde. «Zum Glück regnete es nicht», sagt die Siebnerin, als sie an die 1,5-stündige Wartezeit zurückdenkt. Als Büsser an der Reihe war, teilte ihr die Ärztin mit, dass sie bis zum Testergebnis das Haus nicht verlassen dürfe. Die Frage, ob auch ihr Mann zu Hause bleiben müsse, verneinte die Ärztin.

Am Nachmittag rief die 36-Jährige die Hotline des Bundesamts für Gesundheit (BAG) an – denn sie wusste aus ihrem Bekanntenkreis, dass dies auch schon anders verordnet wurde. «Keinesfalls darf Ihr Mann zur Arbeit», betonte die Dame am anderen Ende der Leitung ausdrücklich. Er könnte sich ja bereits angesteckt haben. Die Siebnerin erklärte ihr, dass ihr Mann alleine und im Freien arbeite und niemanden gefährden könne. Daraufhin war die Dame besänftigt und stellte die Erlaubnis zum Arbeiten aus.

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Eine belastende Zeit für die ganze Familie

Am 21. Oktober, zwei Tage später, kam die telefonische Bestätigung: Ja, es ist Covid-19. Bis zum 28. Oktober musste die Familie Büsser also in Quarantäne bleiben. Man versprach der jungen Frau, dass sie der Kantonsarzt innert zwei Tagen benachrichtigen werde, um alle Details zu klären. Um ausfindig zu machen, ob eine Sonderbewilligung für ihren Mann möglich wäre, der weiter arbeiten wollte, wählte sie die Telefonnummer der kantonalen Corona- Hotline. Die Mitarbeitende liess nicht mit sich diskutieren: «Auf gar keinen Fall darf er zur Arbeit. Da gibt es für niemanden eine Ausnahme!» Nicht einmal ein negatives Testergebnis hätte dafür gereicht.

Noch am selben Tag bemerkte die Siebnerin, dass sie ihren Geruchssinn verloren hatte. Die meisten anderen Grippe-Symptome waren in der Zwischenzeit abgeklungen. Sie war vor allem noch müde, aber nicht nur wegen der Krankheit: «Das ganze Hin und Her und die Unsicherheit darüber, was ich jetzt darf und was nicht, hat sehr viel Energie gekostet.» Besonders schwierig für die 36-Jährige war, die Vorschrift zu akzeptieren, dass sie ihre Tochter nicht in den Arm nehmen durfte. «Ein kleines Kind versteht nicht, warum es von seinen Eltern nicht mehr so geherzt wird wie sonst, und warum beispielsweise das gemeinsame Nachtessen am Tisch nichtmehr stattfindet.»

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Befragung erst nach zehn Tagen

Nach einer Woche fühlte sich Büsser wieder gesund, die Quarantäne dauerte aber noch an. «Ich hatte das Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen – nicht wegen des Virus, sondern wegen der ganzen Situation. Der gewohnte Familienalltag wird durch die Quarantäne zunichtegemacht.» Am 26. Oktober rief ein Mitarbeiter des Amtes für Gesundheit und Soziales Janine Büsser an. Dies, nachdem sie den kantonsärztlichen Dienst am selben Morgen darauf hingewiesen hatte, dass sich der Kantonsarzt noch immer nicht bei ihr gemeldet hatte. Erst zehn Tage nach der Ansteckung wollte man von ihr wissen, ob sie mit anderen Personen Kontakt gehabt hatte…

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Am 29.Oktober – just an ihrem 36.Geburtstag – wurde die Quarantäne aufgehoben. «Die Familienmitglieder in den Arm zu nehmen, fühlte sich aber trotzdem komisch an», erinnert sich Büsser. Die Angst, ihnen zu schaden, und die Unsicherheit darüber, ob sie wirklich nicht mehr ansteckend war, hätten an diesem Tag die langersehnten Umarmungen überschattet.

Vollständiger Bericht in den Printzeitungen «March-Anzeiger» und «Höfner Volksblatt» zu lesen.

Anouk Arbenz, Redaktion March24 und Höfe24
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