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Galgenen
14.10.2020
14.10.2020 08:47 Uhr

Kerngesund, und dann Covid-19

Roger Weber über seine Corona-Krankheit: «Auf dem Tiefpunkt ass ich einen Drittel einer Orange, mehr ging nicht.» (Bild: Stefan Grüter)
Covid-19 und die entsprechenden Massnahmen polarisieren. Die einen halten es für übertrieben, die anderen sind verängstigt. Einer, der weiss, was es bedeutet, an Covid-19 zu erkranken, ist der 55-jährige Galgener Roger Weber.

Als einer der ersten wurde Roger Weber schon Mitte März mit dem Coronavirus konfrontiert. Er glaubte zuerst, sich eine Grippe geholt zu haben. Mangels vorhandener Tests wurde der 55-Jährige erst im zweiten Anlauf getestet. Schliesslich folgte die Spitaleinweisung und danach gar die Verlegung auf die Intensivstation. Roger Weber erzählt seine Covid-19-Krankheitsgeschichte.

Sie waren einer der ersten an Covid- 19 erkrankten Ausserschwyzer. Wann und wo steckten Sie sich an?

Es war am Freitag, 13. März, als der Bundesrat den Lockdown verordnet hatte. Wir feierten eine Aufrichte mit rund 65 teilnehmenden Personen. Tags darauf, gegen Abend, fühlte ich mich unwohl. Ich dachte, dass ich mir eine Grippe geholt hatte und versuchte diese mit frühem Schlafengehen und NeoCitran zu bekämpfen. In den folgenden Tagen ging es auf und ab, aber es wurde nicht besser.

Fieber?

Ja, Fieber, frieren, schwitzen, Schüttelfrost und extreme Müdigkeit, das kam dann dazu. Und Kopfweh, aber nicht das bisher Gekannte. Vielmehr so eine Oberflächenspannung. Wenn ich mir mit der Hand über die Haare gestrichen habe, so fühlte es sich an wie eine Entzündung, ein eigenartiger Reiz.

Nichts mit Arbeit?

Ich war immer zu Hause. Es ging mir wirklich schlecht, ich konnte gar nicht arbeiten, und ich ging noch immer davon aus, dass mich nun einfach eine heftige Grippe ausser Gefecht gesetzt hatte. Eine Woche lang habe ich die Anzeichen nicht als typisch Covid-19 wahrgenommen. Schliesslich, nach drei Wochen Covid-19, war ich sechs Kilogramm leichter. Da kam für mich der Zeitpunkt, den Hausarzt zu konsultieren, denn ich war auch zunehmend entkräftet. Zudem bekam ich einen trockenen Rachen, was ich bisher auch nicht gekannt habe. Ich hatte das Gefühl, als ob ich die Zunge mit den Fingern lösen müsse. Ich war richtig ausgetrocknet, obwohl ich immer viel getrunken habe. Hinzu kam der Geschmacksverlust, aber davon hat damals auch noch niemand gesprochen.

Was sagte dann der Hausarzt?

Er verwies mich ans Test-Zelt beim Spital Lachen. Dort war man mit dem Aufbau der entsprechenden Strukturen auch erst am Anfang. Es fühlte sich in diesem Provisorium wie in einem Provinz-Nest an. Es folgte ein Untersuch, ein bisschen Husten, Abhören. Fieber hatte ich nicht wirklich, vermutlich wegen den fiebersenkenden Medikamenten, die Lungenfunktion war normal. Es deutete nichts auf Covid-19 hin, so dass ich wieder nach Hause geschickt wurde. Ich war schwach auf den Beinen, und nach zwei Tagen wandte ich mich erneut an meinen Hausarzt. Ich brauchte Stärkung, denn ich konnte nichts essen. Beim Hausarzt erhielt ich dann eine Infusion. Covid- Test gab es noch keinen, weil zu wenig Tests vorhanden waren. Ein paar Tage später erhielt ich eine weitere Infusion. Und dann folgte ein Test, nicht zuletzt, weil meine Frau, die mich zum Arzt fahren musste, darauf bestanden hatte. Dieser Test war dann positiv.

«Für die meisten bin ich jetzt halt der Beweis, dass nicht nur die Alten und die Kranken an Covid-19 erkranken können. Das gab eine andere Sicht auf die Situation.»
Roger Weber

Hat Sie das Testergebnis beunruhigt?

Der Bescheid an und für sich hat mich nicht beunruhigt. Aber als ich wieder zu Hause war, war ich noch schlapper und hatte Atemschwierigkeiten. Ansonsten fühlte ich mich wieder besser. Ich las wieder Zeitung, schaute Fernsehen und bediente mein Handy, was ich vorher nicht tat. Einerseits ein besseres Wohlbefinden, andererseits Atemprobleme. Da intervenierte meine Frau. Es wurde ihr unheimlich, so dass in Absprache mit dem Hausarzt die Spitaleinweisung erfolgte.

Im Spital waren Sie in Isolation?

Ja, man isolierte mich. Die Spitaleinweisung war ein Einschnitt. Man sprach von Vorerkrankungen, das hatte ich alles nicht. 55 Jahre alt und bisher kerngesund, da kam ich schon ein bisschen ins Grübeln. Tags darauf kam für mich dann der schlimmste Augenblick, nicht vom Krankheitsverlauf her, sondern psychisch: Am Freitagabend kamen Arzt und Oberärztin und teilten mir mit, dass ich auf die Intensivstation verlegt würde. Da brach für mich eine Welt zusammen. 

Warum die Verlegung?

Meine Werte waren instabil. Man wollte mich besser überwachen können. Ich hatte das allererste Mal in meinem Leben Todesangst. Ich hatte auch Zeit zum Grübeln, es durfte mich ja auch niemand besuchen. Und da lag ich nun auf der Intensivstation, mit Maske und Sauerstoff.

Am Beatmungsgerät?

Nein, ich war nie am Beatmungsgerät angeschlossen. Aber permanent überwacht. Wenn ich etwas benötigte, so mussten sich die Spital-Mitarbeitenden in die Schutzkleidung stürzen, was logischerweise etwa zehn Minuten dauerte. Das tat mir jeweils richtig leid, denn die Mitarbeitenden begaben sich ja meinetwegen in Gefahr. Das kann man gar nicht genug schätzen. Es folgten drei Tage Intensivstation und danach wieder drei Tage normale Station. Genau drei Wochen nach der denkwürdigen Aufrichte konnte ich das Spital wieder verlassen und war gesund. 

Sind Sie nun immun?

Laut kantonsärztlichem Dienst bin ich nicht immun, ich kann Covid-19 wieder bekommen. Der kantonsärztliche Dienst glaubte jedoch, dass ich niemanden anstecken kann.

Vollständiges Interview in den Printzeitungen «March-Anzeiger» und «Höfner Volksblatt» zu lesen.

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Stefan Grüter, Redaktion March24/Höfe24