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07.11.2022

Rappi-Jonas Eisnot wird national bekannt

TV-Kommentator Jan Billeter beklagt sich über den Eis-Mangel in Rapperswil.
TV-Kommentator Jan Billeter beklagt sich über den Eis-Mangel in Rapperswil. Bild: MySports / Blick (Screenshot)
Schon an zwei Spielen der SCRJ Lakers, insbesondere gegen den SC Bern, war das Eis im Lido eine weiche Tomate. Das Debakel mit der Trainingshalle wird immer tragischer. Kommentar von Bruno Hug

Nach dem Spiel gegen den SC Bern wurde die Rapperswiler Trainingshallen-Fiasko selbst im Fernsehen beklagt. Sportkommentator Jan Billeter und Eishockey-Spezialist Thomas Walser führten auf dem TV-Kanal MySports aus, warum das Spitzenspiel im Lido zu spät anfing und immer wieder unterbrochen werden musste: Weil die Eisfläche wegen fehlendem Trainings-Eis für Jugendliche und Eisläufer auch kurz vor den Spielen noch genutzt werden muss. Und die Eisfläche deshalb zu einem halben See wird.

Video National League: Billeter erklärt das Eis-Problem von Rapperswil-Jona (blick.ch)

Trainingshallen-Fiasko wird Legende

Dabei ist das Trainingshallen-Fiasko von Rapperswil-Jona schon bald Legende: Zuerst wollte die Stadtregierung quer über die baufällige Bootshalle eine Trainingshalle bauen, was einem logistischen Blödsinn gleichkam – und sich nicht finanzieren liess.

Ab 2017 wollte Stadtpräsident Martin Stöckling die Eis-Trainingshalle ins Grünfeld bauen. Das verstand niemand und war der nächste Leerlauf. Im Lido und im Grünfeld, ein Kilometer auseinander, zwei Eishallen zu betreiben, macht keinen Sinn. Doch der Stadtrat beharrte jahrelang auf dieser abstrusen Idee und zog dafür gegen die Grünfeld-Einsprecher sogar durch die Gerichte.

Falschaussage zum Eisstadion

Dann kam es wieder anders. Die Mitte Juni 2022 vom Stadtrat vorgelegte Sportstättenplanung hielt klar fest, Trainingshalle und Eisstadion gehörten zusammen, und zwar im Lido. Was nicht mehr als logisch ist.
Zugleich aber teilte der Stadtrat mit, das Eisstadion müsse gemäss einer Ingenieurs-Untersuchung in 15 Jahren abgebrochen werden, was nachweislich eine Falschaussage ist. Womit die Trainingshalle wieder in der Luft hängt. Momentan wird daran gewerkelt, das offene Eisfeld zwischen Eishalle und See zu überdecken. Das wiederum gäbe eine teures, unbefriedigendes Provisorium.

Vier Planer sind am Üben

Nun üben vier Planungsbüros bis im Juni 2023 für rund 300’000-Franken auf der Basis des mehr als fragwürdigen Stadion-Abbruchs an einer Studie, wie das gesamte Areal Lido mit Sportanlagen bebaut werden soll. Und wo die Trainingshalle zu stehen kommen könnte. Wobei seit dem Sportstättenplan niemand weiss, wo das Eisstadion in 15 Jahren steht. Denn ein Neubau für alle Eisanlagen auf der anderen Strassenseite würde wohl rund 100 Millionen kosten. Wer das finanzieren würde, ist unbekannt. Der Stadtrat teilte zwar mit, das Geld komme von Privat. Nur glaubt das niemand.

Kids morgens um 6 auf dem Eis

Die Not der Eissportler ist gross. Sie alle leiden unter dem Missmanagement, weil zu wenig Eisfläche vorhanden ist. Der Vater eines Eishockey-Buben schrieb nach dem TV-Bericht zum Rapperswil-Joner Tomaten-Eis an Linth24, sein 9-jähriger Junge habe jeweils um sechs Uhr in der Frühe Training gehabt. Andere Mannschaften, darunter auch das Lakers Frauenteam, können erst um 22 Uhr aufs Eis. Und manche Rappi-Jungs müssten nach Bäretswil ins Training.
Der Vater schrieb Linth24 noch, es sei zu befürchten, dass die «Planungsmisere» rund um die dringend benötigte Eis-Trainingshalle dank dem neuen Sportstättenplan noch jahrelang daure.

Bruno Hug