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11.09.2022

Trockenheit für Millionenschäden verantwortlich

Besonders die Westschweiz war dieses Jahr von historischer Hitze betroffen.
Besonders die Westschweiz war dieses Jahr von historischer Hitze betroffen. Bild: Landwirtschaftlicher Informationsdienst
Extreme Niederschläge letztes Jahr, grosse Trockenheit in diesem Jahr. Der Klimawandel beschäftigt auch die Schweizerische Hagel-Versicherungs-Gesellschaft. Sie reagiert mit neuen Angeboten.

Extreme Wetterereignisse sind für die Schweizerische Hagel-Versicherungs-Gesellschaft (Schweizer Hagel) kein Einzelfall mehr. Zwischen den Jahren 1970 und 1995 gab es fünf Überschadenjahre, d.h. eine Schadenbelastung von über 100% der Prämieneinnahmen. Auf 10 Millionen Franken per Ende August schätzt die Schweizer Hagel die bei ihr versicherten Trockenheitsschäden. 

Langfristige Auswirkungen

«Durch die Hitze wird die Verdunstung massiv vorangetrieben. Zusammen mit dem fehlenden Niederschlag führt das dazu, dass die Pflanzen zu wenig Wasser haben», erklärt Lusti. Nur überdurchschnittliche Regenmengen könnten das Wasserdefizit ausgleichen.

«Die letzten Niederschläge entlasteten nur die obersten Bodenschichten», so Lusti. Beim Mais gab es bereits irreversible Schäden, Kulturen wie Zuckerrüben könnten sich noch erholen. «Wir hoffen, dass noch Wasser kommt, damit die Schäden nicht weiter steigen», so Direktor Adrian Aebi.

Mehr Ackerflächen werden versichert

Die Jahre 2015 und 2018 haben es gezeigt: Nach einem Trockenheitsjahr lassen deutlich mehr Landwirtinnen und Landwirte ihre Ackerflächen gegen Trockenheit versichern. 

Aktuell sind rund 40'000 Hektaren Ackerfläche gegen Trockenheit versichert. Eine Vervierfachung seit 2015. In Bezug zur offenen Ackerfläche (ohne Kunstwiesenfläche) sind rund 15% versichert.

Neue Versicherung mittels Parameter 

Die Schweizer Hagel hat nun eine neue Versicherung unter dem Namen Acker Basis (Link) lanciert. Sie soll eine preiswerte und einfache Versicherungslösung bieten, die Hagelschäden und übermässigen oder fehlenden Niederschlag entschädigt.

Interessant daran: Bei übermässigem oder fehlendem Niederschlag findet keine Begutachtung durch Expertinnen und Experten statt, beurteilt wird nach einem Index. Massgeblich für die Auszahlung ist die Abweichung eines Parameters vom langjährigen Mittelwert. Es muss keinen Schaden gemeldet werden, die Auszahlung erfolgt bei Über- oder Unterschreitung des Schwellenwertes automatisch. Das hat zur Folge, dass auch Landwirtinnen und Landwirte entschädigt werden, die etwa aufgrund von Bewässerung gar keine Schäden erlitten haben.

Lösungsansatz der Agrarpolitik 22+ sei kritisch

Angesprochen auf Prämienverbilligungen durch den Bund für landwirtschaftliche Versicherungen, zeigte sich Adrian Aebi skeptisch. «Wir begrüssen, dass der Bundesrat sieht, dass wir vor einem grösseren Problem stehen», so Aebi. Den Lösungsansatz aus der Agrarpolitik 22+ sehe er aber kritisch. So seien die maximal 30% Verbilligung im Vergleich zu ausländischen Märkten, wo bis 70% Verbilligungen gelten, tief und es sei fraglich, ob das was bewirke. «Es braucht weitere Massnahmen, etwa neue Bewässerungssysteme oder trockenheitsresistentere Sorten oder Kulturen. Spätestens jetzt muss die Schweiz aktiv werden.».

 

Jonas Ingold/Landwirtschaftlicher Informationsdienst
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