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Feusisberg
30.04.2022
06.05.2022 15:56 Uhr

Tanz in den Mai – die Hexennacht in Schindellegi

Die Hexen hielten ein grosses Fest vom 30. April auf den 1. Mai auf dem Blocksberg ab. (Symbolbild)
Die Hexen hielten ein grosses Fest vom 30. April auf den 1. Mai auf dem Blocksberg ab. (Symbolbild) Bild: Pixabay
Die Walpurgisnacht mit Feuerbrauch hat sich trotz Christianisierung bis heute gehalten. Der Name kommt von der heiligen Walburga. Heute Abend findet in der Alten Sagi in Schindellegi die Walpurgisnacht statt. Organisatoren der heutigen Hexennacht in der Alten Sagi in Schindellegi sind die Fasnachtsgesellschaft Schindellegi und die Böindler.
  • Eine etwas andere Beschreibung der Walpurgisnacht

Der Ursprung des Wortes Beltane ist nicht ganz klar. Es ist auch Feuer des Sonnengottes Belenus. Ursprünglich begrüssten die alten Germanenvölker in der Hexennacht den Frühling. Die Walpurgisnacht, Beltane oder Hexenbrennen, ist ein europäisches Volksfest, dessen Namen sich von der englischen Äbtissin Walburga (710 - 779) ableitet. Der eigentliche Gedenktag von Walpurga ist ihr Todesdatum am 25. Februar.

Neues Leben und Vielfalt

Doch es ist deutlich, dass es sich um ein Fest des wiederkehrenden Lichts, des wiedererwachten Frühlings handelt, an dem Sonne und Erde eine innige Verbindung eingehen, also die heilige Hochzeit des Männlichen und Weiblichen.

Der Sonnengott als geschlechtsreifer Jüngling übernimmt nun wieder die Herrschaft über die Zeit, und die Mondgöttin ist zur fruchtbaren Jungfrau herangewachsen. Mann und Frau, männlich und weiblich, sind nun herangereift, um Neues zu schaffen. Es beginnt die Zeit, wo die Menschen wieder direkt von der Natur versorgt werden. Die Zeit des Mangels und des Sparens ist vorbei.

Beltane wird als Fest der Vereinigung von weiblicher und männlicher Kraft gefeiert, es geht im weitesten Sinn um neues Leben, neue Vielfalt. Es ist aber auch ein Fest der Farben nach dem tristen grauen Winter. Der Maibaum mit seinen farbigen Bänder drückt Fruchtbarkeit und Farbenvielfältigkeit aus.

Zeit des Mangels vorbei

Früher war der Winter eine Zeit mangelnden Lichts, der Kälte, kurzer Tage und auch eine Zeit der Entbehrungen, in der von angesammelten Vorräten gelebt werden musste, denn frische Nahrung gab es nicht. Oft war es auch eine Zeit von Hunger. Die Menschen verbrachten viel Zeit um ein kleines Feuer in den Häusern, um nicht einer Erkältung zu erliegen.

Zu Beltane war die Erde wieder grün, und die letzten Reste des Winters sollten nun mit magischen Ritualen ausgetrieben und verbannt werden, um dem Sommer den Platz zu geben.

Wenn alle Herdfeuer gelöscht sind, brennt das Beltanefeuer weiter. Die Asche des Beltane-Feuers wird auf den Feldern verstreut. Das Feuer spielt eine reinigende Rolle und soll auch die Fruchtbarkeit anregen. Zu dieser einen Zeit im Jahr wurde auch das Ehegelöbnis aufgehoben, so dass die Frauen frei den Partner wählen konnten.

Beltane oder auch Walpurgis wird traditionell in der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai gefeiert. Beltane wird auch als Hexensabbat bezeichnet. Die Hexen ritten laut der Sage mit ihrem Besen in dieser Nacht um den Blocksberg.Das erste organisierte Walpurgisfest auf dem Blocksberg fand 1896 statt.

Hexen sind Abkömmlinge der grossen Muttergöttin. Sie sind wild und kraftvoll, also Urfrauen, die ihre Kraft und Gefühle leben und ihren Mann auswählen.

Die Kirche verdammt die Hexe

Wie schon erwähnt, wurden solche heidnischen Bräuche von der Christianisierung verdammt. Sie waren heidnisches Hokuspokus. Die Treffen waren Treffen von finsteren Mächten und die Hagazussen wurden als Hexen, als weibliche Verkörperung des Bösen, verbündet mit dem Teufel, diffamiert. Die Walpurgisnacht gilt im Satanismus als einer der höchsten Feiertage.

Die Menschen tanzten weiter in der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai, doch nicht mehr um den Frühling zu begrüssen, sondern um das Böse – die Geisterwesen zu verscheuchen. Zum Schutz vor den bösen Hexen wurden weisse Kreuze an die Türen gemalt oder geweihtes Salz gestreut. Auch wurden der Hof mit Peitschenknallen geschützt, die Reisigbesen mit dem Reisig nach oben gerichtet, hingestellt.

Der Maibaum, meist eine Birke, steht noch immer als Fruchtbarkeitssymbol, der der Liebsten aus dem nahen Wald geholt und hingestellt wird. Doch die Begrüssung des Lichtes, des Frühling und des Sommers und somit des neuen Lebens ist etwas verblasst, wahrscheinlich, weil das Christentum das Böse in diesen Riten beschrieb. Walpurgis galt aber weiterhin als Schutzheilige gegen Pest, Husten und Tollwut. Auch sollte das Walpurgisfeuer vor Seuchen schützen und reinigen. In vielen Schriften geht man davon aus, dass die heutigen Hexenfeuer auf diese Tradition zurückgeht.

Die Hexen einerseits als starke Frauen, andererseits als zum Satan gehörend bezeichnet. Bild: Pixabay

Walpurgisnacht in Goethes Faust

Aus den Literaturbeschreibungen des Hexensabbat im 15. und 16. Jahrhundert geht hervor, dass sich die Hexen auf dem Harzer Brocken und an anderen erhöhten Orten in der Walpurgisnacht zum Tanz in den Mai versammelten. 

Der Name Walpurgisnacht wurde durch Goethes Faust 1808 popularisiert. Im 17. Jahrhundert erscheint bei Johannes Praetorius ein ausführlicher Bericht des alt- und berühmten Blocksberges.

Der Maibaum mit den farbigen Bänder als Zeichen der Fruchtbarkeit – das Feuer als Reinigung. Bild: Pixabay

Einst verbotene Tanzplätze

Die sogenannten Tanzbödeli haben sich in den Schweizer Alpen erhalten. Trotz des 150-jährigen Musik- und Tanzverbots infolge der Calvinierung traf sich auf den Tanzbödli die Jugend, um heimlich zu feiern.

Ursprünglich geheime Tanzplätze?

 

Zusätzliche Quellen: Energievoll, P. A. M. Guggenheim, Walpurgisnacht: Mystisches Hexenfest

Um 18.30 Uhr startet die Walpurgisnacht in der Alten Sagi in Schindellegi der FG Schindellegi und der Böindler Feusisberg. Obwohl der Anlass ausnahmsweise auf einen Freitag geschoben wurde, findet sie im gewohnten Rahmen zusammen mit den Böindler statt. 

Mit der Live-Musik von Dyke, der vereinseigenen Hauskapelle, werden die Böindler in der Bar die Nacht zum Tag machen und das bis in die frühen Morgenstunden. Aber auch für die ­urchigen Besucherinnen und Besucher ist gesorgt: In der Kaffistube kümmert sich die Fasnachtsgesellschaft Schindellegi ums leibliche Wohl aller Gäste. Für eine lüpfige Stimmung sorgt dort das Duo Hess-Hegner.

Traditionelle Hexentaufe

Das grosse Highlight des Anlasses wird die traditionelle Hexentaufe der beiden neuen Mitglieder. Anschliessend werden ab ca. 22 Uhr alle Gäste mit einem herrlichen, selbstgemachten Risotto verpflegt. Daneben gibt es aber auch leckere Würste und Schnitzelbrote frisch vom Grill, mit denen sich die festfreudigen Gäste verköstigen können.

Redaktion March24 und Höfe24