Sport
20.05.2020
20.05.2020 11:41 Uhr

Kritik am Hockey-Hilfspaket

Ist überzeugt, dass die SCRJ Lakers die Corona-Krise überstehen werden: Geschäftsführer Markus Bütler. (Bild su)
Markus Bütler, Geschäftsführer der SC Rapperswil-Jona Lakers, findet die Lösung des Bundesrats suboptimal.

Um die wirtschaftlichen Folgen möglichst gut abfedern zu können, haben die Nationalliga-Klubs letzte Woche an einer ausserordentlichen Ligaversammlung diverse Änderungen beschlossen. Für Lakers-Geschäftsführer Markus Bütler gehen die Massnahmen in die richtige Richtung. Weitere, beispielsweise eine Art Salary Cap, sollten seiner Meinung nach aber folgen.

mit Markus Bütler sprach Silvano Umberg

Nach vielen Videokonferenzen trafen sich die Vertreter der Nationalliga kürzlich wieder einmal persönlich. Wie haben Sie die ausserordentliche Ligaversammlung erlebt?

Die Atmosphäre war ungewohnt. Nicht einmal nur, weil die Tische weit auseinanderstanden. Mehr war der Umgang ungewohnt. Ungeachtet dessen fiel die Entscheidungsfindung letztlich aber sicher dreimal einfacher aus als am Telefon.

Die Klub- und Ligavertreter schienen sich ziemlich einig zu sein.

Ja, die Klubs zeigten sich sehr solidarisch. Es war wirklich ein Miteinander. Im Vordergrund stand die Frage: Wie kommen wir alle gemeinsam am besten durch diese Krise?

(...)

Welches war aus Sicht der Lakers der wichtigste Beschluss?

Die Gewissheit zu haben, dass es kommende Saison keinen Absteiger gibt, ist sicher sehr wichtig, ja nötig – aber nicht nur für die Lakers. Denn so können unnötige Ausgaben verhindert werden. Auch die Einführung der Pre-Play-offs ist positiv zu werten. Für Klubs, die eher im hinteren Drittel der Tabelle angesiedelt sind, bringen sie neue Perspektiven und auch mehr Spannung. Die zusätzlichen zwei Solidaritätsrunden sind gut fürs Budget. Nicht zu vergessen der «Freeze», sprich die Vereinbarung der Klubs, sich zumindest bis zur ordentlichen Ligaversammlung am 17. Juni gegenseitig keine Spieler abzuwerben. Speziell da zeigt sich die Solidarität unter den Klubs. So wird verhindert, dass ein Klub die Notlage eines anderen ausnützt.

(...)

Neben den bereits beschlossenen stehen weitere Massnahmen im Raum, wie die Einführung eines Salary Cap. Wie stehen Sie dazu?

Zu versuchen, die Budgetbandbreite innerhalb der Liga zu limitieren, finde ich einen guten Ansatz. Aktuell gibt es nicht viele Klubs, die schwarze Zahlen schreiben. Und durch die Coronavirus-Krise wird es noch schwieriger.

Der Bund hat letzten Mittwoch ein weiteres Hilfspaket für den Spitzensport geschnürt. Fürs Eishockey stehen maximal 150 Millionen Franken bereit, verteilt auf zwei Tranchen und geknüpft an strenge Auflagen. Was halten Sie davon?

Ich finde es positiv, dass man an den Sport denkt und dessen Wert für die Gesellschaft anerkennt. Der Sport leistet in vielen Bereichen wertvolle Arbeit für die Allgemeinheit. Insgesamt halte ich das Paket aber für suboptimal. Dass es Bedingungen gibt, wenn man öffentliche Gelder will, ist nur logisch. Allerdings sind gewisse Forderungen meiner Meinung nach nicht umsetzbar.

Woran denken Sie konkret?

Das eine ist, dass die Nachwuchsabteilung genau auf dem gleichen Level weitergefahren werden soll. Die Idee dahinter ist verständlich – und ich bin auch der Meinung, dass eine gute Nachwuchsförderung wichtig ist. Aber wir können doch nicht den normalen Budgetprozess ausser Kraft setzen. Auch die Nachwuchsabteilung ist abhängig von Sponsoren. Hier ist die Solidarität zwar sehr gross, gewisse Einbussen sind aber möglich. Wenn ich dann nicht irgendwo sparen darf, geht die Rechnung nicht auf respektive müsste die Sport AG, die Trägergesellschaft unseres Profibetriebs, zusätzliche Mittel einschiessen. Es ist auf keinen Fall so, dass wir in einem solchen Fall Mannschaften zurückziehen wollen würden. Doch es könnte sein, dass mal ein Trainingslager oder eine Carfahrt gestrichen werden muss.

Haben Sie weitere Kritikpunkte am Rettungspaket?

Ja, die solidarische Haftung der Klubs. Weshalb sollen wir für den Konkurs eines anderen Klubs geradestehen? Dies könnte sogar zu einer Kettenreaktion führen. Statt einem gehen dann plötzlich zwei oder gar drei Klubs hops. Ich hoffe deshalb sehr, dass die Hockeyklubs andere Lösungen finden, um ihr Überleben zu sichern. Einen «normalen » Coronakredit aufzunehmen – wie jedes andere KMU – ist meiner Meinung nach die einfachere Lösung.

Eine weitere Bedingung ist eine Lohnreduktion um 20 Prozent, falls ein Klub ein Darlehen beansprucht. Das müsste doch im Interesse der Klubs sein, schliesslich wird seit Jahren über die zu hohen Lohnkosten gejammert.

Klar, die Lohnkosten müssen runter. Ich würde jedoch eine einheitliche, proaktivere Lösung bevorzugen. Bei der vorgeschlagenen Variante müssten ja nur jene Teams, die Geld beanspruchen, sprich die, die es eh schwer haben, mit den Löhnen runter. So würde das Gefälle zwischen den reichen und armen Klubs noch grösser. Ich glaube nicht, dass das für die Attraktivität der Liga gut wäre. Da halte ich das Modell des Salary Cap, sprich Grenzen setzen, für zukunftsträchtiger.

(...)

Vollständiger Artikel in den Print-Ausgaben vom «March-Anzeiger» und «Höfner Volksblatt» zu lesen.

Noch kein Abo?

Silvano Umberg