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Kanton
05.12.2021

Viele Nebenschauplätze im Streit um Pferdeboxen

Die Märchlerin musste wegen des Streits sogar ihr eigenes Pferd verkaufen.
Die Märchlerin musste wegen des Streits sogar ihr eigenes Pferd verkaufen. Bild: unsplash
Das Verwaltungsgericht des Kantons Schwyz tagte am Montag in Siebnen. Der öffentlichen Verhandlung vorausgegangen war ein Augenschein auf einem Bauernhof, dem ein Nutzungsverbot für die Pferdeboxen auferlegt ist.

Eine junge Frau aus der March trat diese Woche zusammen mit ihrem Anwalt vor Gericht als Beschwerdeführerin gegen ein Gerichtsurteil an. Die Gegenparteien: Ihre Wohngemeinde, der Regierungsrat, das Amt für Raumentwicklung, das Amt für Landwirtschaft und ein Ehepaar aus der Nachbarschaft. In der Sache ging es ursprünglich um je eine erteilte und eine nachträglich eingereichte Baubewilligung, Pferdeboxen, einen Allwetterplatz, Fruchtfolgeflächen, Pachtverträge und schliesslich ein Nutzungsverbot der Pferdeboxen.

Von drei auf sechs Pferdeboxen aufgestockt

2003 war die Welt noch in Ordnung. Die junge Frau liebte Pferde, holte bei der Gemeinde eine Baubewilligung für drei Pferdeboxen ein und begann auf dem Bauernhof ihres Vaters, Fohlen aufzuziehen.

Drei Jahre später wurde von der Gemeinde eine Bauabnahme vorgenommen, worin sechs Pferdeboxen vermerkt wurden, und die Frau lebte fortan in der Annahme, der aktuelle Zustand des Betriebs sei legal. Ebenfalls 2006 übernahm sie den Hof als Betriebsleiterin. Die Milchkühe wurden von Pferden, Schafen, Ziegen, Schweinen und später Legehennen abgelöst.

Im Februar 2019 sprachen die Behörden ein Nutzungsverbot für die Pferdeboxen der Märchlerin als. Bild: pixabay

2015 entschloss sich die Frau, den Betrieb zu verpachten. Sie wandte sich für den Vertrag an die Landwirtschaftliche Beratung in Pfäffikon, und das Amt für Landwirtschaft befand diesen für in Ordnung. Doch davon will man heute nichts mehr hören.

Nachbarn wollen keine Pferde

Im Jahr 2017 erfolgte eine nachträgliche Baueingabe für zusätzliche Pferdeboxen, einen Zwischenboden und ein Büro. Dagegen erhob ein Ehepaar aus der Nachbarschaft Einsprache. Nun wurden nebst anderem auch die Belastung der Zufahrtsstrasse und der Allwetterplatz für die Pferde zum Thema.

Im November des gleichen Jahres gab es einen Augenschein mit dem Amt für Raumentwicklung. Vor Ort einigte man sich mündlich darauf, dass 748 Quadratmeter befestigter Allwetterplatz für sechs Pferde bewilligungsfähig sein sollten. Heute will man von dieser mündlichen Abmachung nichts mehr wissen. Derzeit droht die Reduzierung auf 108 Quadratmeter.

Nutzungsverbot, so lange der Streit dauert

Obschon die Haltung von Pensionspferden in der Landwirtschaftszone seit 2014 erlaubt ist, wurde im Februar 2019 ein Nutzungsverbot für die Pferdeboxen als vorsorgliche Massnahme wegen der Bewilligungsfrage ausgesprochen. Eine unhaltbare Situation für die junge Frau. Sie musste sogar ihr eigenes Pferd weggeben und bereits haben zwei Pächter das Handtuch geworfen. Inzwischen hat ein junger Landwirt mit Hauptbetrieb im nahen Kanton St. Gallen den Hof in der March als Pächter übernommen. Weil er wegen des Nutzungsverbots keine Pensionspferde halten darf, muss die Vermieterin auf einen Teil des Pachtzinses verzichten.

Im Juni 2020 verweigerte der Kanton die nachträgliche Baubewilligung, im August auch die Gemeinde. Dagegen rekurierte die junge Frau, was im Juni dieses Jahres vom Regierungsrat teilweise gutgeheissen und in einem Punkt an die Vorinstanz zurückgewiesen wurde. Hängen geblieben sind Rückbau-Forderungen für Allwetterplatz, Boxentrennwände und Büro.

Der Entscheid des Verwaltungsgerichts steht noch aus.

Frieda Suter, freie Mitarbeiterin March24 & Höfe24