Walter Kistler erinnert sich: Früher hat man der Polizei oder den Eltern gebeichtet, was man gemacht hat, und hat die Konsequenzen getragen. «Das ist heute nicht mehr so», erklärt der 55-jährige Jugendfahnder der Kantonspolizei Schwyz. Viele Jugendliche seien heutzutage «von Netflix inspiriert». «Sie handeln und benehmen sich so, wie es ihnen in Filmen vorgezeigt wird.» Sie kämen auf den Polizeiposten, setzen sich und wollen sozusagen von ihrem Recht Gebrauch machen, nichts zu sagen. «Sie treten mir gegenüber mit grosser Selbstsicherheit auf, die sie eigentlich gar nicht haben. Sie fragen auch immer häufiger, ob ich befugt bin, etwas zu tun, etwa die Kontrolle, die Befragung und so weiter.
Jugendliche sind heute weder besser noch schlechter als früher
Dieses starke Auftreten gegenüber der Polizei haut mich aber nicht um. Stimmt der Umgangston jedoch nicht, weise ich sie zurecht.» Grundsätzlich gelte jedoch, dass Jugendliche heute weder besser noch schlechter sind als vor 10, 20 oder 100 Jahren. Ihr Verhalten verändert sich jedoch laufend – allein schon, weil sich auch ihre Freizeitgewohnheiten ändern. «Früher kam es in der Regel erst auf der Oberstufe zu Vorfällen. Heute erlebe ich Schlägereien und Mobbing bereits auf Primarstufe. Ob dies tatsächlich häufiger vorkommt oder im jetzigen Zeitalter einfach häufiger gemeldet wird, lässt sich allerdings schwer beurteilen», so der in Reichenburg wohnhafte Jugendfahnder.