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Geld & Energie
28.11.2021

Covid-Neuvariante: Schock und Nervosität an Börsen

Christopher Chandiramani: «Nach siebenwöchiger Hausse haben die Märkte korrigiert.»
Christopher Chandiramani: «Nach siebenwöchiger Hausse haben die Märkte korrigiert.» Bild: Linth24
Die Woche begann mit einer Erholung bis unter dem Indexrekord. Bis Donnerstag wurden die Aktien durch die Pandemie kaum beeinflusst. Am Freitag korrigierten die Börsen wegen Corona stark nach unten.

Die Corona-Fallzahlen stiegen stark an – viele Länder verschärfen die Massnahmen. Nach Österreichs Lockdown folgt offenbar auch in Deutschland eine Impfpflicht. Das Schweizer Volk stimmt am Sonntag über ein verschärftes Covid-Gesetz ab.

Das liess aufhorchen: In Südafrika verbreitet sich eine neue Corona-Variante mit der Bezeichnung B.1.1.529. Sie soll ansteckender sein. Man befürchtet auch, dass die Impfungen weniger wirken. Israel, Grossbritannien und andere haben bereits den Reiseverkehr eingeschränkt.

Die Schweizer Wirtschaft hat sich im dritten Quartal 2021 weiter erholt. Das BIP stieg von Juli bis September um 1.7 Prozent, im Vergleich zum Vorjahr sogar um 4.4 Prozent. Dazu beigetragen hat auch die Erholung in der Gastronomie.

Der Chef der US-Notenbank, Jerome Powell, dürfte weitere vier Jahre an der Spitze der US-Notenbank bleiben. US-Präsident Joe Biden nominierte ihn für eine zweite Amtszeit, was noch vom Senat bestätigt werden muss. Powells vierjährige Amtszeit läuft im Februar 2022 aus. Somit bleibt die expansive Geldpolitik grundsätzlich erhalten.

Am Donnerstag feierte die USA ihren Thanksgiving, eine Form des Erntedanks, das wichtigste Fest des Jahres für Familien und Freunde. Die New Yorker Börse war geschlossen und viele Leute verlängern ihr Wochenende.

Die neu vorgestellte Ampel-Koalition in Deutschland (Rot, Gelb, Grün) ist politisch eher links, grün, weiblich und international ausgerichtet. Der Euro fiel gegenüber dem Franken auf ein Mehrmonatstief von 1.044. Der Bitcoin war am Freitag um zeitweise neun Prozent tiefer, fiel auf 54'000 USD. Gold stabilisierte sich knapp um 1'800 USD pro Unze. Der Ölpreis gab ebenfalls nach, dies in Folge der Öffnung der strategischen Reserven für den Mark.

Sieger und Verlierer

Die Luftfahrt- und Reisebranche leidet am stärksten unter der neuen Situation. Stark getroffen waren die Aktien von Dufry und des Flughafens Zürich, aber auch Luxusgüterhersteller wie Richemont und Swatch, alle mit Verlusten um 5-9 Prozent.

Auch die Finanzbranche litt. UBS fiel um 5 Prozent. Swiss Re, CS, Julius Bär, Zurich, Swiss Life und Partners Group ebenfalls kräftig.

Profitiert hat der Gesundheitsbereich. Lonza stellt den Wirkstoff für den Moderna-Impfstoff her. Weitere Gewinner sind der Laborausrüster Tecan und die Papiere der Online-Apotheke Zur Rose und der Pharmazulieferer Bachem.

Unternehmensnachrichten

Der Lebensversicherer Swiss Life erhöht die Ziele für die nächsten drei Jahre. Davon sollen die Aktionäre profitieren.

Logitech erwartet in Zukunft bedeutende Geschäftschancen. Gemeint ist eine Kooperation mit Facebook und anderen sozialen Medien in Bezug auf Hardware (Mäuse, interaktive Tastaturen, Kameras usw.).

Dottikon ES hat im ersten Semester des laufenden Geschäftsjahres 2021/22 Umsatz und Gewinn erhöht. In Zukunft rechnet das Chemieunternehmen mit weiterem Wachstum. Der Umsatz per Ende September 2021 stieg um 10.9 Prozent auf 101.8 CHF. Der Gewinn im ersten Halbjahr betrug  23.9 Mio. CHF, nach 21.1 Mio. Vorjahr.

Auch der Wäschehersteller Calida erwartet für 2021 höheren Umsatz und verbesserte Margen. Die Gruppe rechnet für das Gesamtjahr 2021 mit einem Umsatz von rund 285 Mio. CHF. Dies bedeutet ein Plus von 15 Prozent. Die EBIT-Marge soll etwa 8 Prozent betragen, gemäss Präsentation an einer Investorentagung.

Aussichten

Die Pandemieentwicklung kann zurzeit nicht abschliessend beurteilt werden. Nach siebenwöchiger Hausse haben die Märkte korrigiert. Auch die Charttechnik bereitet Sorgen. Viele Aktien und Indizes haben Doppeltop oder Kopf-Schulterformationen, pessimistische Signale. Aber Qualitätstitel sollte man halten, im Frühjahr die Dividenden kassieren.

Anlagenotstand und tiefe Zinsen setzen sich fort, das sind die positiven Faktoren für eine rasche Erholung. Weitere Probleme bleiben der schwache Euro und die Inflation.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Linth24