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Sport
26.11.2021
26.11.2021 11:16 Uhr

Erster Weltcupstart steht bevor: Baserga will das Optimum herausholen

Amy Baserga hat in den Qualifikationsrennen in Schweden bereits beachtliche Resultate geliefert.
Amy Baserga hat in den Qualifikationsrennen in Schweden bereits beachtliche Resultate geliefert. Bild: Filippo Maddalin
Die Einsiedler Biathletin Amy Baserga steht am Schluss ihrer Vorbereitungen und kurz vor ihrem Start zum ersten Weltcuprennen. In einer kleinen Serie zeigen wir ihren beschwerlichen Weg dorthin. Teil 2: Rückblick und vor dem ersten Start.

Ein neues Gewehr war geplant. Das war der Stand Ende Sommer. Doch daraus wurde für Amy Baserga nichts. «Zu dieser Zeit wurde ich wieder krank und konnte nicht mit ins Trainingslager», bedauert die Einsiedlerin. «Der zusätzliche Zeitaufwand, dafür nach Deutschland zu fahren, hätte sich nicht gelohnt. So haben wir das Projekt auf den nächsten Frühling verschoben.» Nachdem es mit Oberhof für Baserga aus Gesundheitsgründen noch nicht geklappt hat, kam sie im Oktober im Trainingslager in Ramsau zu ihrem ersten Schneetraining auf dem Gletscher. «Es ist alles tipp-topp gegangen.»

Harziger Start auf der Loipe

Anfangs November reiste sie zusammen mit dem ganzen Schweizer Team nach Idre Fjäll in Schweden. Es standen Intervalltrainings und interne Testrennen an. «Die sind für mich nicht so gut gegangen, ich fühlte mich nicht so gut.» Eine Ohrenentzündung kurz vor der Abreise machte sie zu müde für diese Aufgaben. «Da habe ich eigentlich den Glauben verloren, an den Rennen am Wochenende teilnehmen zu können.» Sie fragte ihre Trainerin, ob es überhaupt Sinn mache, an den Qualifikationsrennen gegen starke internationale Konkurrenz an den Start zu gehen. Diese gab im Verlauf der Woche grünes Licht. Zum Erstaunen von Baserga holte sie gleich einen 12. und einen 13. Platz. «Ich habe mich auf dem Schnee immer wohler gefühlt und im Schiessstand zum Glück super Resultate erzielt.»

«Ich liess mir im Schiessstand viel Zeit und das hat sich ausbezahlt»
Amy Baserga, Biathletin aus Einsiedeln

Viel Zeit gelassen

Das wog die verminderte Laufleistung aufgrund der eingeschränkten Vorbereitungen mehr als auf. Baserga wusste, dass sie vor allem mit dem Schiessen eine Chance hatte, einen guten Wettkampf zu zeigen, denn in den internen Wettkämpfen hatte sie auf ihre Mannschaftskolleginnen auf der kurzen Strecke zwischen einer halben und einer ganzen Minute Zeit verloren. «Also liess ich mir im Schiessstand viel Zeit, das hat sich ausbezahlt.» So gabs in den zwei Rennen bei 30 Schüssen nur gerade zwei Fehlversuche. Das ist Biathlon-Top-Niveau. «Darum bin ich wirklich mega zufrieden.» Auch deshalb, weil sie sich im Verlauf der Rennen auch in der Loipe immer wohler fühlte und sich steigern konnte. Auch ein weiteres Missgeschick liess sie nicht auf ihrem Weg abbringen. «Im Rennen habe ich eine Stockspitze verloren. So musste ich eine Runde mit einem falschen und die restlichen drei Runden mit einem zu kleinen Stock laufen. Es war mühsam.»

Erster Weltcupstart

Mit welchem Gefühl reist Amy Baserga nun nach Östersund an die Weltcuprennen? «Das ist noch schwer zu sagen.» Nach einem kurzen Moment überlegen sagt sie: «Eigentlich mit einem guten. Klar, das Laufen muss besser werden, dafür klappts im Schiessen.» Sie hat sich vorgenommen, morgen Samstag auch in der Loipe Vollgas zu geben. Sollte sie eine andere Athletin in der Spur überholen, so will sie «möglichst lange dran bleiben». Das Ziel ist für sie ab morgen in Östersund ganz klar: «Ich will den Abstand auf die anderen Läuferinnen in der Loipe immer kleiner werden lassen und mich im Schiessstand voll konzentrieren.» Rangmässig ist es eh schwierig, vor Beginn der Saison, also ohne einen direkten Vergleich zur Konkurrenz, eine Prognose abzugeben. Es macht keinen Sinn, sich auf eine Zahl festzulegen. «Viele junge Athletinnen werden am Start sein», weiss Baserga. «Da werde ich sehen, wo ich stehe.» So bleibt für sie das Wichtigste, sich im Weltcup durch gute Resultate zu behaupten und vielleicht sogar «vorne mitzumischen». Jede Saison sei wieder anders.

«Die Olympischen Spiele sind sicher ein Thema für mich»
Amy Baserga, Biathletin aus Einsiedeln

Junioren WM und Olympia nah beieinander

Auf jeden Fall macht sich Amy Baserga in den ersten Rennen noch nicht zu viel Druck. «Die wichtigsten Rennen für mich sind erst im Februar und März», erklärt sie. Das sind die Junioren-Weltmeisterschaften vom 21. Februar bis 3. März in Soldier Hollow (USA). Nur gerade eine Woche zuvor finden andere wichtige Wettkämpfe statt: die Olympischen Spiele in Peking. «Wahrscheinlich würde beides gehen», sagt Baserga, auch wenn die ganze Reiserei wohl streng werden würde. «Die Olympischen Spiele sind sicher ein Thema für mich. Ich denke, dass der weitere Saisonverlauf Klarheit bringen wird, wo ich meine Prioritäten setzen werde, ob für die Olympischen Spiele oder die Junioren-WM.» Anders als bei den Männern sind alle fünf Schweizer Athletinnen in Östersund startberechtigt. Das heisst, dass Baserga an allen Weltcup-Rennen an diesem Wochenende am Start sein wird. Eine neue Erfahrung, auf die sie sich freut. Nach diesen Rennen wir im Schweizer Team eine erste Bilanz gezogen, denn weitere Schweizer Athletinnen kämpfen um die begehrten Weltcup- Plätze. Eine neue Erfahrung auch hier, denn bei den Juniorinnen war bis anhin ziemlich klar, dass Baserga einen Startplatz auf sicher hatte. «Es ist doch cool, wenn das Team ab und zu durchmischt wird und es auch intern spannend wird», so Baserga.

Baserga steht ein anstrengender Wettkampf bevor

Sie erwartet, dass es stark darauf ankomme, wie die ersten Rennen laufen. Mit Lea Meier, Irene Cadurisch und Flurina Volken wird Amy Baserga um einen Platz im Team kämpfen müssen. «Da die Vorbereitung nicht optimal gelaufen ist, bin ich nur schon einmal froh, im Weltcup starten zu können.» Einen grossen Vorteil hat die 21-jährige Einsiedlerin: «Ich kann im Wettkampf das Optimum aus mir herausholen.» So freut sie sich riesig darauf, die ersten Weltcup-Erfahrungen an diesem Wochenende machen zu können. Sie erwartet einen strengen Wettkampf. «Egal auf welcher Stufe, Biathlon-Wettkämpfe sind immer streng. Aber im Weltcup ist die psychische Belastung mit all dem Drum-Herum und der Aufmerksamkeit viel grösser.» Auch ist sie froh, dass sie zu Beginn der Saison eingesetzt wird, denn das sei viel einfacher, als wenn sie mitten in der Saison ins kalte Wasser geworfen werde.

Franz Feldmann, Redaktion March24 & Höfe24