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Sport
15.11.2021
16.11.2021 14:53 Uhr

«Es beginnt definitiv zu kribbeln»

Thomas Pfyl macht sich bereit für seine fünfte Teilnahme an den Paralympics in Peking.
Thomas Pfyl macht sich bereit für seine fünfte Teilnahme an den Paralympics in Peking. Bild: Franz Feldmann
Der Steiner Behindertensportler Thomas Pfyl steht vor seinen fünften Paralympischen Spielen in Peking. Kürzlich stellte sich das Schweizer Team beim Kickoff in Luzern den Medien vor.

Der Moment scheint vom Schweizer Paralympischen Komitee gut gewählt. Draussen vor dem Eiszentrum in Luzern kündigt sich der Winter mit nasskalten Temperaturen an, der Duft von Schnee liegt in der Luft. Drinnen, im Curlingstübli , präsentieren sich die Athletinnen und Athleten, die die Schweiz an den Paralympischen Spielen in Peking 2022 voraussichtlich vertreten werden. Einer davon ist der Steiner Thomas Pfyl.

Pfyl nimmt bereits zum fünften Mal teil

Er ist einer der «alten Hasen». Er darf sich bereits zum fünften Mal auf eine Teilnahme an den Paralympics freuen – und tut dies auch. «Ja, mit dem heutigen Tag fängt es bei mir definitiv zu kribbeln an», bestätigt der alpine Skifahrer. Die Freude über einen möglichen Einsatz in Peking ist ihm anzusehen. Bislang hat er an vier Teilnahmen «nur» bei seiner ersten Teilnahme in Turin zwei Medaillen geholt, an den anderen drei Wettkämpfen ist Edelmetall ausgeblieben, das eine oder andere Olympische Diplom dazugekommen. Dies, obwohl er im Weltcup viele Siege erringen konnte und an Weltmeisterschaften auch schon mehrfach Silber geholt hat. «Ich weiss auch nicht, warum es am Tag X an Olympischen Spielen nicht mehr mit einer Medaille geklappt hat», so der 35-Jährige. «Dass es an den Nerven liegt, glaube ich kaum, denn ich konnte ja an Weltmeisterschaften beweisen, dass ichs kann.»

Der Ski-Athlet wird in Peking auf die Abfahrtsdisziplin verzichten. Bild: Paralympic

Neue Motivation

Auf seine fünfte Teilnahme angesprochen, funkeln seine Augen. «Ich glaube fest daran, dass ich eine Medaille gewinnen kann, denn ich habe in diesem Sommer sehr gut und intensiv trainiert.» Um seine Kräfte zu bündeln, wird er an den Paralympics auf die Abfahrt verzichten und sich auf die technischen Disziplinen konzentrieren. «Die Abfahrt kostet mich für einen so langen Anlass zu viel Kraft. Dazu habe ich in dieser Disziplin die kleinsten Medaillenchancen», schätzt Pfyl die Situation ein. Zudem kann er so auch seinen Rücken besser schonen. Er hat sich für diesen «wichtigen Winter» einen neuen Input und damit auch eine Extraportion Motivation geholt. Wie andere Spitzensportler auch trainiert er nun am OYM in Cham. Mit der wissenschaftlich fundierten und individuellen Betreuung hofft er, einen weiteren Schritt zu machen. «Diesen habe ich im Sommer und nun im Herbst auch gemacht, das beweisen die Analysen», so Pfyl. Ihm macht sein Rücken zu schaffen. Auch da verspricht er sich in der Trainingsgestaltung und der Prävention eine Verbesserung.

Alles ist professioneller geworden

Einen Schritt vorwärts zu machen, ist auch nötig, will Pfyl in Peking mit einer Medaille um den Hals vom Podest grüssen. «Der Behindertensport hat in den letzten Jahren eine grosse Entwicklung durchgemacht», weiss der Steiner. «Alles ist viel professioneller geworden.» Mit den professionelleren Anlässen und der Vermarktung kommt auch eine grössere Publizität dazu, das Medieninteresse steigt auch. «Mich freut natürlich, wenn ich auch ausserhalb des Talkessels von Personen erkannt werde», gibt Pfyl zu.

Behindertensport ist Spitzensport

Ein grosser Aufwand, professionellere Strukturen bedingen aber auch, dass man als Behindertensportler, so wie alle anderen Spitzensportler auch, sich den Rücken freihalten kann. Das braucht Unterstützung. Ist es schwierig, als Behindertensportler an Sponsoren zu kommen? «Ich habe das Glück und bin sehr dankbar, dass ich mit der Reha Rheinfelden und der Stiftung Schweizer Sporthilfe langjährige Partner habe. So muss ich nicht jedes Jahr einen neuen Sponsor suchen, das gibt mir enorme Sicherheit.» Auch wird Pfyl vom Verband Plusport unterstützt. Bis der Flieger in Richtung Peking abhebt, stehen im Winter Weltcupeinsätze auf dem Programm. Im Januar gibts mit den Weltmeisterschaften in Lillehammer einen ersten Höhepunkt sowie einen echten Gradmesser. Dann wird sich zeigen, ob Thomas Pfyl anderthalb Monate vor Peking 2022 auf dem richtigen Weg ist. Und bis dahin wird sich der Schnee vor dem Eiszentrum in Luzern nicht nur ankünden, er wird sicher auch fallen.

Franz Feldmann, Redaktion March 24 und Höfe 24