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19.10.2021
19.10.2021 17:38 Uhr

Wutbürger David Beeler eckt in Rappi mit seiner Brandrede an

Die Rede von David Beeler an der Coronademo in Rapperswil sorgte für Aufruhr.
Die Rede von David Beeler an der Coronademo in Rapperswil sorgte für Aufruhr. Bild: Screenshot Youtube
SVP-Kantonsrat David Beeler schoss mit seiner Rede an der Demo von Massnahmen-Gegnern übers Ziel hinaus. Er erweist seinen Gesinnungsgenossen einen Bärendienst. Selbst Staatsanwaltschaft und Fedpol horchen auf.

Mit SVP-Kantonsrat David Beeler aus Steinen erschien vermeintlich ein neuer Stern am Himmel der Corona-Massnahmen-Gegner. Dies, weil er im Schwyzer Kantonsrat für einen Eklat sorgte, als er am Rednerpult so lange über die Coronapolitik sprach – obwohl diese gar nicht zur Diskussion stand – bis ihm Ratspräsident und Parteikollege Thomas Hänggi das Mikrofon abstellte. So war es absehbar, dass Beeler an der Kundgebung vom Samstag in Rapperswil- Jona als exklusiver Redner aufgeboten wurde.

Voller abstruser Vergleiche

Doch da wurde wohl der Bock zum Gärtner gemacht. Denn so friedfertig die ganze Demo vonstatten ging, so kriegerisch war das Vokabular Beelers. Man solle die Verantwortlichen vor ein Kriegsgericht stellen; die Schweiz sei eine Diktatur, das Volk geknechtet; die Polizisten würden auf Demonstranten schiessen, auf Frauen und alte Leute prügeln; der Bundesrat habe das Land verraten und ans Grosskapital verkauft – ereiferte sich Beeler. Und: Er verglich das Covid-Zertifikat gar mit dem Judenstern. Zwar erntete Beeler für die martialischen Ausdrücke Applaus, manch Teilnehmenden blieb aber der Atem stocken ob der abstrusen Vergleiche. Auch für die meisten SVP-Politiker sind die Aussagen grenzwertig. Kantonalpräsident Roman Bürgi bezeichnete sie gegenüber «20 Minuten» als «sehr unglücklich».

Genau hingehört hat auch die Kantonspolizei St. Gallen. Man werde in Absprache mit der Staatsanwaltschaft allenfalls weitere Schritte einleiten, auch das Fedpol habe Kenntnis von den Aussagen. Dennoch: Strafrechtliche Konsequenzen dürfte die Brandrede David Beelers wohl kaum haben.

Immerhin kein Aufruf zur Gewalt

Ob jedoch ein Wutbürger wie Beeler der Kritiker-Community dienlich ist, darf bezweifelt werden. Immerhin hat sich die über ein Online-Portal verbreitete Meldung, der Redner habe dazu aufgefordert, auf den Bundesrat zu schiessen, als Fake News herausgestellt. Denn Beeler stellte lediglich fest, dass der Bundesrat auf die Verfassung «scheisst». Unappetitlich bleibt es aber so oder so …

Kriegsrhetorik missfällt der Parteileitung

«Es gibt sicher noch einmal eine Aussprache zwischen dem SVP-Partei-präsidium und David Beeler», sagt -Roman Bürgi, Präsident der Schwyzer SVP-Kantonalpartei, Goldau. Bereits nach dem Auftritt im Kantonsrat wurde Beeler in einem Gespräch gerügt. Nun soll ein zweites in den nächsten Tagen folgen. Bürgi hält fest: «Es gilt auch für David Beeler die Meinungsfreiheit, aber seine Aussagen am letzten Samstag waren wiederum sehr unglücklich. Solche Auftritte wollen wir nicht.» SVP-Fraktionschef Thomas Haas, Lachen stellt weiter klar: «Mit dieser Kriegsrhetorik kann ich nichts anfangen.» Stil und Wortwahl seien so nicht akzeptabel. Dass dadurch die ganze Partei in ein schlechtes Licht gerückt werde, glaubt Haas allerdings nicht. «Das darf nicht überbewertet werden.»

 

Andreas Knobel, Redaktion March 24 und Höfe 24