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Digital
18.10.2021
18.10.2021 15:18 Uhr

Von der virtuellen in die reale Welt: Social Media verstärken Bodyshaming

Nicht nur die Mädchen sind vom Druck, der von Social Media ausgeht, betroffen. Auch Jungs vergleichen sich mit ihren Vorbildern auf TikTok, Instagram und Co.
Nicht nur die Mädchen sind vom Druck, der von Social Media ausgeht, betroffen. Auch Jungs vergleichen sich mit ihren Vorbildern auf TikTok, Instagram und Co. Bild: pexels.com
Interne Untersuchungen bei Facebook kamen zum Schluss, dass Social-Media-Plattformen wie Instagram Jugendlichen schaden. Inwiefern dies so ist und wie die Schule auf die neuen Medien sensibilisiert, verraten ein Psychologe und ein Schulleiter aus der Region.

Diese Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer: Die Social-Media-Plattform Instagram verstärkt bei zahlreichen Jugendlichen – insbesondere Mädchen – die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper. Dies haben interne Facebook Untersuchungen ergeben.

Jugendliche auf Identitätssuche

Warum Instagram vor allem Menschen im Teenager-Alter beeinflusst, weiss Walter Schoch. Er ist der leitende Psychologe der Kinder- und Jugendpsychiatrie Triaplus in Lachen. Er erklärt: «Im Jugendalter ist die Suche nach der eigenen Identität ein grosses Thema. Viele Jugendliche setzen sich mit ihrem Selbstbild auseinander und vergleichen es mit ihrem Idealbild.»

«Auch Buben vergleichen sich ständig mit ihren Vorbildern – das geht vom Körperkult bis hin zu Luxusprodukten.»
Francestg Cott, Schulleiter

Und ebendieses Idealbild fänden junge Menschen vermehrt auf Social-Media-Plattformen wie Instagram. Das Problem: «Jugendliche können oft nicht zwischen der realen und der virtuellen Welt unterscheiden, da hochauflösende Bilder und Videos einen sehr realen Effekt vermitteln.» 

Schule leistet Sensibilisierungsarbeit

Dieser Problematik ist sich auch die Schule bewusst, und leistet deshalb im Unterricht Sensibilisierungsarbeit. Auskunft dazu gibt Francestg Cott, Schulleiter der Sekundarschule I Lachen: «Wir haben drei verschiedene Angebote – das reguläre Schulfach Medien und Informatik, ein mehrstündiger Präventionskurs der Kantonspolizei und das dritte geht vom Schülerparlament aus und thematisiert die Gamesucht. In einem Elternbildungstag haben wir letztes Jahr auch die Eltern aufgeklärt.» 

Betroffen vom Druck, der von Social Media ausgeht, seien aber nicht nur die Mädchen, erklärt Schulleiter Cott: «Auch die Buben vergleichen sich ständig mit ihren Vorbildern – das geht vom Körperkult bis hin zu Luxusprodukten.»

«Jugendliche können oft nicht zwischen der realen und der virtuellen Welt unterscheiden, da hochauflösende Bilder und Videos einen sehr realen Effekt vermitteln.»
Walter Schoch, Psychologe

Früher die Clique, heute die Community 

Jugendliche haben sich schon immer mit anderen Menschen verglichen, nur anders: «Bevor es Instagram und Facebook gab, haben sich Jugendliche ihre Ideale in ihrer Umgebung abgeguckt», erklärt der Psychologe Walter Schoch. Junge Menschen hätten ihre Vorbilder zum Beispiel in der Schule gefunden: «Dadurch haben die Teenager auch hin und wieder mitbekommen, was sich hinter der Fassade ihres Vorbilds abspielt.» 

Neben den «Glanz & Glamour» Influencern tummeln sich im Internet auch Communities, welche ihre Probleme bis hin zum selbstverletzenden Verhalten öffentlich zur Schau stellen. «Sehen Jugendliche mit Problemen andere junge Menschen, denen es gleich oder schlimmer geht, fühlen sie sich mit ihnen verbunden.» Gefährlich wird es, wenn junge Menschen ihr Vorbild in diesen Gruppen finden.

Smartphone-Verbot kommt nicht in Frage

Ein Smartphone-Verbot käme für die Schule nicht in Frage, letztendlich soll Social Media nicht verteufelt werden – schliesslich hat und wird Digitalisierung dazu beitragen, das Leben zu vereinfachen und den Fortschritt auf vielen Ebenen des gesellschaftlichen Lebens voranzutreiben.

Hilfe für Betroffene 

Schulen verfügen über einen Schulpsychologischen Dienst, an den sich Betroffene wenden können. Diverse Angebote bietet auch die Kinder- und Jugendpsychiatrie Triaplus, an der neben psychiatrischen Fachärztinnen und -ärzten auch Psychologinnen und Psychologen arbeiten. Des Weiteren gibt es Selbsthilfegruppen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene sowie private Peercoachings, das kostenlose Sorgentelefon für Kinder und die Dargebotene Hand.

Mehr Infos gibts unter: 
triaplus.ch
selbsthilfeschwyz.ch
143.ch (Dargebotene Hand) 
sorgentelefon.ch

Erika Unternährer, Redaktion March24 und Höfe24