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Lifestyle
10.05.2020

Wie geht es Kindern mit Corona?

Karin Zink: «Das Kind kann man nicht gegen Angst schützen. Aber wir können es lernen, damit umzugehen.»
Karin Zink aus Benken begleitet Kinder und Eltern, die mit Ängsten leben. Lesen Sie über ihre Erfahrungen und Tipps im Umgang mit Corona.

Wie reagieren Kinder auf die Corona-Krise?

Karin Zink: Unterschiedlich. Je nachdem, wie der Charakter des Kindes ist, reagiert es auf Situationen. Es sieht darin eine Herausforderung, die es meistern kann. Oder auch eine Bedrohung. Jugendliche tauschen sich unter Freunden digital aus, holen sich selbständig die Informationen. Hier kann man die Bereitschaft zu einem Gespräch signalisieren. Bei einem jüngeren Kind sind die Eltern gefordert, das Kind altersentsprechend zum Corona- Virus zu informieren. Die Angst muss eingeordnet werden, sie muss fassbar sein.

Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Es kommt stark darauf an, wie die Eltern selber damit umgehen. Ob Eltern Hamsterkäufe machen, die Angst haben, selber krank zu werden. Die Situationen in den Familien sind unterschiedlich. Für alle gleich ist, dass wir so etwas noch nie erlebt haben. Innert ein paar Wochen wurde unser Alltag auf den Kopf gestellt. Wie hat die Krise die Eltern getroffen. War sie destabilisierend? Haben die Eltern partnerschaftliche Probleme? Haben sie Existenzängste? Solche Krisen können Ängste hervorrufen, nicht nur bei Kindern und Jugedlichen.

«Das Kind kann man nicht gegen Angst schützen. Aber wir können es lernen, damit umzugehen»
Karin Zink, psychologische Beraterin

Sind viele Kinder verängstigt?

Allgemein ist es für Kinder in dieser Situation nicht einfach, sondern eine Herausforderung. Sie können nicht auf gemachte Erfahrungen zurückgreifen. Die Tatsache, dass alle Schulen geschlossen wurden, haben wir noch nie erlebt. Für Kinder in schwierigen Familienverhältnisse kann eine Lehrperson oder ein Schulgspändli ein wichtiger Beziehungspunkt sein, dieser fehlt.

Wovor haben die Kinder Angst?

Ob die Grosseltern nun sterben oder die liebe ältere Nachbarin. Oder ob das Haustier auch krank werden kann. Aber auch die Angst, selber an diesem Virus zu erkranken, und das Kind daher nicht mehr aus dem Haus geht. Wie muss ich mich verhalten? Die Angst, den schulischen Ansprüchen nicht mehr zu genügen. Was darf ich in der Schule, was nicht? Darf ich wieder abmachen? Darf ich mit der Hand Grüezi sagen? Schule ist nicht so, wie sie sie gekannt haben. Mit wem darf ich auf dem Pausenplatz spielen?

Wie hilft man Kindern gegen die Angst?

Das Kind kann man nicht gegen die Angst schützen. Aber wir können das Kind lernen, wie es mit seiner Angst umgehen kann. Angst gehört zu unserem Leben und hat durchaus auch wichtige Funktion. Moderater Umgang mit der Angst sollte das Ziel sein. Die Angst soll in unserem Leben nicht führend sein.

Ihre Tipps für die Praxis?

Eine Kuschelrunde setzt beruhigende Körpergefühle aus, die Beziehung wird gestärkt. Das Kind bekommt das Zeichen: Du bist nicht alleine. Die Angst kann man mit einem Namen benennen, so bekommt man Distanz zur Angst. Das Kind fragen, wie seine Angst aussieht? Wo sich die Angst im Körper zeigt. Eltern sollten den Kindern „Anker“ sein. Sie sollen Ruhe und Geborgenheit vermitteln.

Infos zu Karin Zink

www.karin-zink.ch

Individualpsychologische Beraterin:
Familienberatung, Angst und Trauerbegleitung
8717 Benken

Linth24