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Tuggen
16.10.2021

Am Buechberg prallen diverse Interessen aufeinander

Der Buechberg ist ein beliebtes Freizeitziel mit steigendem Besucherdruck. Längst nicht alle halten sich an die gängigen Regeln. Das fordern die Waldbesitzer.

Vom Spaziergänger über Biker, Reiter, Jogger bis zum Pilzsammler – sie alle nutzen Auszeiten am Buechberg. Nah am Puls des Siedlungsgebietes und gut erschlossen, ist dieser hervorragend gelegen. Auf einem der zahlreichen Gratisparkplätze das Auto abgestellt, lässt es sich innert Minuten in den Wald eintauchen und den Alltag vergessen. Würden sich alle an die Regeln halten, wäre das optimal. Doch die Waldeigentümer, wie die zuständigen Förster, sehen mit wachsenden Sorgen, was unachtsame Besucher anrichten.

«Es beginnt schon auf dem Parkplatz. Abfall wird liegen gelassen, kreuz und quer parkiert», erklärt Förster Marcel Sax. Er ist im Kanton Schwyz tätig und für den grössten Teil des Waldes am Buechberg verantwortlich. Die restliche Fläche obliegt Andreas Briker, Förster im St. Galler Revier Eschenbach- Schmerikon-Ernetschwil. Beide haben zu einem Rundgang geladen, um auf das Problem aufmerksam zu machen.

Wilde Trails richten Schäden an

Kreuz und quer durch den Wald werden Bikerpisten ersichtlich. Mancherorts sind sie breit wie ein Bachbett, an anderen Stellen gleichen sie eher einem Wildwechsel. «Wird nichts dagegen unternommen, sehen auch die schmalen Pfade in einem halben Jahr einem Bachbett ähnlich», ist sich Sax sicher. Was die Verursacher nicht bedenken: Sie queren auf ihren Trails die Wohnstube der Wildtiere, beschädigen Wurzeln von Sträuchern und Bäumen.

Doch dem sei nicht genug. Es ist ausserdem gefährlich. Steht ein Holzschlag an, wird nur auf den offiziellen und klar ersichtlichen Wegen davor gewarnt. Benützerinnen und Benützer von illegalen Bikepisten und Trampelpfaden können so unwissentlich auf eine Parzelle gelangen, auf der Bäume gefällt werden. Dies ist lebensgefährlich.

Gegenseitige Rücksichtnahme

Es sind die Genossame Wangen, die Genossame Holeneich, die Genossame Tuggen und die Ortsgemeinde Schmerikon, welche den Wald am Buechberg unter sich aufteilen. Von Josef Schönbächler, Geschäftsleiter der Genossame Tuggen, ist zu erfahren: «Selbst im Internet sind illegale Trails hochgeladen worden, in deutscher und in englischer Sprache.» Was ihn und die Zuständigen der anderen Körperschaften besonders ärgert: Diese Filme wurden hochgeladen, ohne die Waldeigentümer darüber zu informieren. Auch holte niemand eine Erlaubnis zum Erstellen eines Trails ein.

«Der Wald ist ein fragiler Lebensraum, den es zu schützen gilt», erklärt Egon Bamert, Präsident der Genossame Holeneich, auf Nachfrage. Was keinesfalls heissen solle, dass der Buechberg künftig nicht mehr zum Erholen genutzt werden dürfe. Er stellt aber klar: «Es muss sich etwas ändern. Denn die eigentliche Funktion des Waldes, nämlich der Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten, sowie der Holznutzen dürfen nicht unter den Freizeitaktivitäten leiden.»

Gemeinsame Lösung

Bereits heute investieren sämtliche beteiligte Körperschaften in Angebote, welche eine geregelte Erholungsnutzung des Waldes unterstützen. So laden Vitaparcours, Waldhütten und Feuerstellen zu Auszeiten im Wald. Die eigens für die Holznutzung erstellten Erschliessungswege und Holzlagerplätze werden den Erholungssuchenden kostenlos zur Verfügung gestellt. «Der Wald hat einen Eigentümer und gehört nicht der Allgemeinheit. Deshalb sollten sich die Erholungssuchenden an die Regeln halten», mahnt Paul Vogt, Waldchef der Genossame Wangen. «Wir möchten Verbote und Bussen möglichst umgehen. Dazu muss aber schnell eine Trendwende stattfinden.» Ziel seien Lösungen, die möglichst alle Interessen vereinen.

Die Körperschaften haben beschlossen, diese Aufgabe gemeinsam und kantonsübergreifend anzugehen. Als erste Massnahme wird versucht, Biker an Ort und Stelle zu sensibilisieren und auf die Problematik hinzuweisen. Auch bieten alle beteiligten Körperschaften Hand, neue Ideen auszuarbeiten und umzusetzen. Damit der Buechberg Freizeitparadies, Lebensraum und Holzlieferant bleibt.

Barbara Schirmer