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Vorderthal
12.10.2021
13.10.2021 11:20 Uhr

«Tschüss Sepp!» – oder dort, wo Innerthal beginnt

Pawel Streits Bachelorarbeit «Tschüss Sepp!»
Pawel Streits Bachelorarbeit «Tschüss Sepp!» Bild: Pawel Streit
In seiner Bachelorarbeit setzt sich der Ausserschwyzer Kunststudent Pawel Streit mit dem Innerthal auseinander. Mit Text und Bild erkundet er das Dorf im Hier und Jetzt.

Ich bin hier, um eine Distanz zu überwinden. Nicht bloss die räumliche, auch die geistige. Ich bin hier, um herauszufinden, was für eine angeblich andere Welt das ist, was sie bewegt und wer sie bewohnt.» Diese drei Sätze stehen auf dem Einband von Pawel Streits Bachelorarbeit – eine persönliche Reportage in Wort und Bild, präsentiert auf rund 80 selbst gebundenen Buchseiten. Der Titel: «Tschüss Sepp!»

Für sein Abschlussprojekt zog es den Galgener, der seit neun Jahren in Luzern wohnt, zurück in die March – nach Innerthal. Was ihn interessiert, ist das Leben im 180-Seelen-Dorf. Um etwas darüber zu erfahren, sucht er mit den Menschen dort das Gespräch. Alte Dokumente begegnen ihm zwar auch auf seiner Recherche, doch dieVergangenheit soll ruhen: «Ich wollte das Hier und Jetzt des Innerthals erkunden.»

Pawel Streits Bachelorarbeit «Tschüss Sepp!» Bild: Pawel Streit

Ein Bruch in der Idylle

Immer mit dabei ist auch der Fotoapparat des Camera Arts Studenten. In den kalten Wintermonaten, in denen sich Pawel Streit im Dorf am Rande der March aufhält, entstehen unzählige Bilder. Es sind keine Fotos eines idyllischen Ausflugortes. Viel mehr sind es Aufnahmen, die den Alltag eines abgelegenen Dorfes in einer ästhetischen Bildsprache erzählen.

«Es ging mir darum, mich einem fremden Dorf anzunähern, mich mit seiner Identität auseinanderzusetzen und zu versuchen, angetroffene Ansichten zu verstehen.»
Pawel Streit

Auf fast 60 Seiten sieht man Bilder einer ländlichen Ortschaft: Bauernhäuser am Hang, den Innenraum einer Scheune, Dorfbewohnerinnen und -bewohner, ihr Zuhause, ihre Arbeit, die Natur. In der Mitte des Buches werden die visuellen Eindrücke durch teils leere, teils mit Text gefüllte Seiten unterbrochen. Auf diesen Seiten schildert er, wie er die Landschaft und das Dorfleben wahrnimmt. Zwischendurch baut er im Text Zitate aus den Gesprächen mit den Frauen und Männern des Innerthals ein.

Auszug aus «Tschüss Sepp!» Bild: Pawel Streit

Dass seine Arbeit nicht ausschliesslich aus Fotos bestehen soll, war Pawel Streit von Anfang an klar: «Meine Arbeit sollte nicht nur schöne, jedoch belanglose Fotografien enthalten. Mit einem Textteil wollte ich auch einen persönlichen und informativen Inhalt vermitteln, der allein durch die Bilder nicht gewährleistet wird.» Während die Bilder vor allem einen intimen Einblick in die Gegenwart der Dorfgemeinde gewähren, vermittelt das Geschriebene den Kontext.

Pawel Streit hat im Sommer den Bachelor in Camera Arts abgeschlossen. Bild: zvg

Brücke zwischen Stadt und Land

«Tschüss Sepp!» soll kein Werbekatalog fürs Innerthal sein. «Es ging mir darum, mich einem fremden Dorf anzunähern, mich mit seiner Identität auseinanderzusetzen und zu versuchen, angetroffene Ansichten zu verstehen », sagt der Student, der sich im urbanen Luzern zu Hause fühlt.

Indem er mit den Menschen in den Dialog trat, habe er versucht, eine Brücke zwischen Stadt und Land zu schaffen, und stellt fest: «Es gibt eine übergeordnete Zukunft, die Stadt und Land betrifft und uns alle näher zusammenbringt – sei das beispielsweise die Einordnung unseres Landes in das politische Weltgeschehen oder die Konfrontation mit dem Klimawandel.» Der Zukunft und der damit einhergehenden Veränderung müssten sich alle gemeinsam stellen – ob Bewohner eines ländlichen oder urbanen Gebietes.

Auszug aus «Tschüss Sepp!» Bild: Pawel Streit

Ausstellung im Gasthaus Stausee

«Tschüss Sepp!» kann im Gasthaus Stausee im Innerthal genauer unter die Lupe genommen werden. Ausgestellt sind neben dem Buch auch Postkarten und Fotografien im Grossformat. Abgeschlossen ist die Arbeit mit dem Buch allerdings noch nicht: «Ich habe das Projekt so ausgelegt, dass es als Langzeitprojekt funktionieren kann. Es ist gut möglich, dass ich mich in fünf Jahren nochmals mit dem Innerthal auseinandersetze respektive mit den Veränderungen, welche diese Ortschaft dann durchgemacht haben wird.»

Auszug aus «Tschüss Sepp!» Bild: Pawel Streit

Pawel Streit

Pawel Streit hat im Sommer an der Hochschule für Kunst und Design in Luzern den Bachelor in Camera Arts abgeschlossen. Der 30-Jährige arbeitet als freischaffender Fotograf, unter anderem auch für den Anzeiger Luzern. Für sein Buch «Tschüss Sepp!» ist er derzeit noch auf der Suche nach einem Verlag.

Mehr Infos auf: streitmachtfotografie.ch

Erika Unternährer, Redaktion March24 & Höfe24