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12.10.2021

Coronaspeck, Rückenprobleme und richtig miese Umsätze

Nach dem Lockdown und später durch die Einschränkungen mussten viele auf das Fitnesstraining verzichten. Das rächt sich jetzt.
Nach dem Lockdown und später durch die Einschränkungen mussten viele auf das Fitnesstraining verzichten. Das rächt sich jetzt. Bild: Pixabay.com
Wie ist es Herr und Frau Schweizer ohne Fitness eigentlich ergangen? Eine Umfrage des SFGV und Gespräche mit einer Physiotherapeutin und einem Fitnessbetreiber liefern erschreckende Antworten.

Vom 22. Dezember bis zum 19. April waren Fitnesscenter in der Schweiz zwangsgeschlossen. Seit dem 13. September kann nur noch rein, wer ein Zertifikat vorweisen kann. Anfangs half man sich mit Home-Equipment aus, doch für Kunden, die auf die Geräte der Fitnesscenter angewiesen sind, war dies keine Lösung. Neben der fehlenden Infrastruktur habe es auch an der Motivation gemangelt, wie viele der 1151 Befragten in der Umfrage des Schweizerischen Fitness- und Gesundheitscenter-Verbands (SFGV), dem 400 Mitglieder angehören, zugeben.

Unter den Befragten finden sich auch Kunden der sechs Fitnesscenter in Ausserschwyz: die Sihlpark Fitness und Wellness Freetime AG in Feusisberg, Physio + Training Niederer in Freienbach, Med Action in Pfäffikon, die Polygon Fitness AG in Reichenburg sowie das Sport Center Lachen und das TC Training Center in Lachen.

Schlechter Gesundheitszustand

1141 Personen, also 99 Prozent der Befragten, gaben in der repräsentativen Umfrage an, dass sich ihre Gesundheit aufgrund der Zwangsschliessung der Fitnesscenter verschlechtert hat. Nur zehn Personen sagen, dass sie keine Verschlechterung erfahren haben, da sie sich durch anderes Training fit hielten. Auf die Frage, ob wegen Beschwerden in der Zeit wieder ein Arzt oder Therapeut habe aufgesucht werden müssen, antworteten 45 Prozent der Befragten mit Ja. 31 Prozent gaben an, dass sie wieder Medikamente einnehmen müssen. Die am häufigsten genannten Beschwerden sind wiederkehrende Rückenschmerzen (342) und Gewichtszunahme (187). Bei den Herzkreislaufbeschwerden wurde der wieder erhöhte Blutdruck am häufigsten genannt. Mentale Beschwerden wie Antriebslosigkeit, Müdigkeit oder Aggressivität sind auch Faktoren, die erwähnt wurden. Nun: Ist es wirklich so schlimm?

Studien zeigen, dass es wegen des Verlusts von Muskelmasse zu einer Verschlechterung des Zucker- und Fettstoffwechsels sowie einer Reduktion der Leistungsfähigkeit des Herz-Kreislauf-Systems kommen kann. «Ab dem 30. Altersjahr baut der Körper ohne Training Muskulatur ab», erklärt Armin Spörri, Inhaber des TC Lachen. «Bis 80 fehlen dann mindestens 35 Prozent des für die Gesundheit sehr wichtigen Muskelmotors, der unter anderem für das Immunsystem und den Stoffwechsel wichtig ist. Der wird verlangsamt. » Der «subjektiv und objektiv klar verschlechterte Zustand» sei jetzt bei vielen seiner Kunden zu sehen, sagt Spörri. Nicht zu vergessen sei auch der psychische Aspekt. Viele hätten auf die Physio ausweichen müssen

Wenig Bewegung und schlechte Haltung im Homeoffice

Das kann die Altendörfler Physiotherapeutin Marie Beau der Clinica Medicus Naturalis in Altendorf bestätigen. «Die körperlichen Beschwerden aufgrund der Pandemie und des Lockdowns haben zugenommen.» Wer nicht ins Fitnessstudio geht, baut Muskelkraft ab, das Kardiopulmonalsystem (Herz und Lunge) funktioniert weniger gut. Besonders viele Patienten kämen aufgrund eines Mangels an Sport und Bewegung mit Rückenschmerzen zu ihr. «Der Rücken braucht viel Bewegung, lange statische Haltungen sind Gift für ihn.» Auch das Home-Office habe zu mehr körperlichen Beschwerden geführt. «Viele mussten kurzfristig ins Homeoffice wechseln und arbeiteten in einer nicht ergonomischen Sitzposition lange am Laptop. Das verursacht Probleme mit der Halswirbelsäule», so Beau.

50 Prozent weniger Umsatz

Den Fitnessunternehmen selbst geht es auch nicht besser. Medial waren vor allem die Gastrounternehmen präsent, doch natürlich litt auch die Fitnessbranche stark. Denn aufgrund der Zertifikatspflicht wurden Abos teilweise eingefroren. «Etwa 20 Prozent unserer Mitglieder haben das Abo gestoppt», berichtet Armin Spörri. Es gebe aber auch welche, die sich nun sicherer fühlten und deshalb wieder zurückkämen. Doch der Verlust aufgrund des Lockdowns ist immens. «Wir haben mindestens 50 Prozent unseres Jahresumsatzes verloren», so der TC-Leiter. Während eines halben Jahrs konnten keine Neukunden gewonnen werden. Vor und nach dem Lockdown waren die Betriebe durch Schutzkonzepte stark eingeschränkt, was weitere Einnahmeausfälle bedeutete. Das TC Training Center in Pfäffikon musste deshalb geschlossen werden. Dies alles sei umso frustrierender, da Armin Spörri selber «keinen einzigen Fall einer Ansteckung im Fitnesscenter» kennt.

Anouk Arbenz, Redaktion March24 & Höfe24