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Pfäffikon
15.09.2021
15.09.2021 08:54 Uhr

«Der Informationsgrad der Patienten hat sich geändert»

Dr. Ruth Mathes hat in Pfäffikon eine Praxis eröffnet.
Dr. Ruth Mathes hat in Pfäffikon eine Praxis eröffnet. Bild: Franz Feldmann
Dr. Ruth Mathes hat den Schritt zur Selbstständigkeit gewagt und führt seit einem halben Jahr eine eigene Hausarztpraxis in Pfäffikon. Sie sieht eine Veränderung in ihrem Berufsbild aber auch in den Ansprüchen der Patienten.

In der ganzen Schweiz geht die Zahl der Neueröffnungen von Hausarztpraxen zurück. In der Region March und Höfe ist es genau umgekehrt. In den vergangenen Jahren haben verschiedene, vor allem Hausärztinnen, den Schritt in die Unabhängigkeit gewagt. Eine davon ist Ruth Mathes in Pfäffikon.

Sie praktizieren ja schon länger in der Region. Wie schauen Sie auf ihre Zeit in Gemeinschaftspraxen in Reichenburg und Pfäffikon zurück? Sehr positiv. Ich habe viel über das Schweizer Gesundheitssystem gelernt. Das war für mich eine wichtige Zeit, um hier Fuss zu fassen und ein Netzwerk aufzubauen. Es war mir auch wichtig, Patienten teils über Jahre betreuen zu können.

Seit einem halben Jahr haben Sie Ihre eigene Praxis in Pfäffikon. Was hat Sie dazu bewogen, diesen Schritt zu wagen? Ich bin schon seit Jahren in der Region tätig, war aber immer in einem Angestellten- Verhältnis. Mir macht der Beruf sehr viel Spass. Ich wollte mir mit meiner eigenen Praxis etwas aufbauen, das ich die nächsten 20 Jahre so führen kann, wie es für meine Patienten aber auch für das Praxisteam optimal ist. Ich habe einfach irgendwann gemerkt, dass als angestellte Ärztin die Möglichkeiten, etwas zu gestalten, eingeschränkt sind. Das war für mich letztlich der springende Punkt, weshalb ich eine eigene Praxis eröffnen wollte.

Was war die grösste Schwierigkeit in diesem Zusammenhang? Ich musste mich auf einmal um alles kümmern: um die IT, um die Geräte, die ich brauche, um das Personal und so weiter. Das alles macht mir unheimlich viel Spass. Was wirklich neu für mich ist, ist die Buchhaltung. «Learning by Doing» ist die Devise.

Für mich als Privatperson ist es extrem schwierig, die Übersicht zu behalten. Als Patient erwarte ich aber von meiner Hausärztin, dass sie àjour ist. Neben der Behandlung der Patienten haben Sie ja auch noch ein Privatleben. Ihr Tag hat ebenfalls nur 24 Stunden. Wie bringen Sie das unter einen Hut? Ich habe während der Woche meine Zeiten, während denen ich mich weiterbilde. Das hatte ich schon immer, das macht mir auch Spass und finde ich wichtig. Momentan ist das praktisch ein Tag in der Woche, wo ich mich zum Beispiel beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) informiere und regelmässig Fachzeitschriften lese. Aber wie gesagt, das gehört zu meinen Pflichten, auch wenn es jetzt halt ein bisschen coronalastig ist.

Was hat sich für eine Hausärztin in den letzten Jahren geändert? Der Informationsgrad der Patienten hat sich geändert und auch der Anspruch. Ich habe Patienten, die haben sich vorgängig im Internet informiert und bringen eine lange Liste mit Fragen mit. Was ich auch noch sehr spannend finde, ist, dass viele Patienten, auch junge, lieber zu demselben Arzt gehen und sich persönlich beraten lassen wollen. Es ändert sich also in die Richtung zurück, wo es früher eigentlich einmal war. Eine Änderung ist auch der Anspruch an die Öffnungszeiten. Patienten erwarten, dass der Arzt länger erreichbar ist. So muss ich meine Öffnungszeiten anpassen und biete eine Morgen- und Abendsprechstunde an.

Das ganze Interview ist am 14. September 2021 in den Printzeitungen «March Anzeiger» und «Höfner Volksblatt» erschienen.

 

Franz Feldmann, Redaktion March 24 und Höfe 24