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Lifestyle
14.09.2021

Die Veloabenteurer im Zwist mit der US-Polizei

Schnurgerade bis zum Horizont gehts in South Dakota.
Schnurgerade bis zum Horizont gehts in South Dakota. Bild: zVg
Im achten Teil der Serie erzählt der Rapperswiler Velofahrer Dani Koller von den Schattenseiten Amerikas – und wie gespalten er das Land erlebt.

In den letzten Wochen haben die beiden Veloabenteurer Dani Koller und Silvan Bissegger wunderschöne Landschaften erlebt und berührende Begegnungen in den USA erfahren. Doch in dieser Folge geht es um die unglaubliche Konsumwut und die gesellschaftlichen Probleme der Amerikaner. 

«Manchmal ist mir fast schlecht geworden, wenn ich gesehen habe, wie die Leute jedem Trend hinterherrennen», erzählt Dani Koller beim telefonischen Interview. Eine amerikanische Familie, die in die Ferien fahre, habe nicht nur einen grossen Truck, sondern auch einen riesigen Wohnwagen dabei. «Dazu kommen noch fünf verschiedene Velos. Und wenn sie am Campingplatz ankommen, packen sie noch 50 andere Dinge und ihr halbes Wohnzimmer aus.»

Die Landwirtschaftsbetriebe in South Dakota sind riesig. Bild: zVg

Endlose Konsumwut und Weiten

Dani Koller nimmt beim Thema Konsum keine Blatt vor den Mund. So schildert er, was er in amerikanischen Vorgärten an brauchbaren und weniger brauchbaren Gerätschaften alles antraf: «Da stehen dann drei Wohnwagen, fünf Grill und zahllose andere Dinge herum.» Er räumt ein, dass diese Schilderung ein wenig plakativ sei, und dass es sicher nicht überall so aussehe. «Aber in den Bundesstaaten Utah, Colorado und Kalifornien – also dort, wo unsere Route hindurchführte – war es wirklich so. 

Derzeit fahren die beiden Biker durch South Dakota. Und es sei echt langweilig, sagt Koller. «Manchmal geht es einfach drei Tage, 700 Kilometer, einfach nur geradeaus.» Die Landwirtschaftsbetriebe dort seien unvorstellbar gross. Man könne das Ende eines Maisfeldes gar nicht erkennen. 

In den endlosen Weiten von South Dakota begegnen einem auch Bisons. Bild: zVg

Mundartsongs helfen gegen Langeweile

Bei der Fahrt durch South Dakota lernten sie ein ganz neue Herausforderung kennen. Hier ging es nämlich darum, auf den endlosen Geraden inmitten einer eintönigen Landschaft nicht auf dem Sattel einzuschlafen. «Es passiert einfach nichts auf der Strecke. Nur links und rechts Maisfelder. Das war der Moment, als ich Musik im Ohr brauchte. Und das war seit vier Monaten das erste Mal.»

Wenn es langweilig werde, müsse man Musik hören, die man sehr gut kenne, fand Koller heraus. «Bei mir war es Mundartmusik wie Hecht oder Patent Ochsner. Dann weisst du, ein Lied dauert zwei Kilometer lang.» 

Eine Erfahrung, die sie im Umgang mit neuen Bekanntschaften gemacht haben: Man kann dem Thema Politik, sprich Donald Trump, nicht ausweichen. «Und die Meisten, die darüber reden wollen, sind halt Trump-Anhänger. Die Anderen sind weniger erpicht darauf.» Wie reagierte Koller auf diese Ansinnen? Es sei ganz einfach, er gebe diesen Leuten recht. Dieses Thema habe übrigens nicht wenige Familien zerrissen. Das habe er habe von mehreren Leuten gehört. Sogar Morddrohungen zwischen Freunden und Familien seien deswegen vorgekommen. 

Die Polizei weckt sie auf

Für die beiden Veloabenteurer ist's nicht immer einfach, rechtzeitig ein gutes – und legales Nachtlager – zu finden. So erreichten sie eines abends müde den Badlands-Nationalpark. Obwohl der Park schon geschlossen war, wagten sie es, ihr Zelt dort aufzuschlagen. «Prompt klopfte es eine habe Stunde später ans Zelt. Es war die Polizei. Sie wollten wissen, woher wir kommen und was wir in den USA machen», erzählt Koller.» Nach fünf Minuten fanden die Ordnungshüter, sie seien ja gute Jungs. Damit konnten Koller und Bissegger bleiben. 

Einen anderen Polizeieinsatz erleben sie in einem Garten eines ihrer Hosts. «Spätabends, ihr Gastgeber war noch nicht zuhause, kam ein völlig betrunkener Mann und randalierte.» Ihnen blieb nichts anderes übrig, als die Polizei zu alarmieren, die den Betrunkenen schliesslich mitnahm. 

Jérôme Stern, Linth24