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Wollerau
05.05.2020
08.06.2020 08:41 Uhr

Plötzlich ist Martin Ebner der Held

Die achtköpifge Crew hatte sich für den Einsatz freiwillig gemeldet.
Die Schweizer Fluglinien Swiss und Edelweiss erhalten Bürgschaften des Bundes über 1,275 Milliarden Franken. Helvetic Airways verzichtet, Eigentümer Martin Ebner sichert die Liquidität selber – und wird dafür gefeiert.

von Andreas Knobel

Er verkörpert die Figur des Financiers geradezu und lässt damit niemanden kalt: Milliardär Martin Ebner aus Wilen. Seit er allerdings vor 14 Jahren die Helvetic Airways übernommen hat und weniger als kaltherziger Investor denn als warmherziger Patron auftritt, hat die öffentliche Meinung ins Positive gedreht.

Zusätzlichen Schub erhält diese Imageänderung nun durch Ebners Verhalten rund um die Bundesunterstützung der Schweizer Luftfahrt.

Ebner hat genug «Flüssiges»

Der Bundesrat hat nämlich beschlossen, die wegen der Corona-Krise zurzeit gegroundeten Schweizer Fluglinien mit Bürgschaften über fast 1,275 Milliarden Franken zu unterstützen. Damit können sie Kredite bei den Banken aufnehmen, wenn das Geld knapp wird.

Diese sind jedoch an klare Bedingungen geknüpft, damit das Geld nicht ins Ausland oder an die Aktionäre fliesst. Profiteurin davon ist in erster Linie die Swiss, die zur deutschen Lufthansa-Gruppe gehört. Auch Edelweiss ist Nutzniesserin, nicht aber jene Fluglinien, die reine Ableger ausländischer Mutterkonzerne sind, wie etwa Easyjet Switzerland.

Und was ist mit der Helvetic Airways, die Martin Ebner gehört, ihren Sitz in Wilen/Freienbach hat und damit rein schweizerisch ist? «Die Liquidität von Helvetic Airways wird durch unseren Eigentümer Martin Ebner gewährleistet », lässt CEO Tobias Pogorevc den verdutzten Medien ausrichten.

Das heisst, Martin Ebner hat genug «Flüssiges», um seine Airline durch die Krise zu bringen. In den Kommentaren auf diese Meldung wird Ebner denn auch plötzlich überschwänglich als Held gefeiert. Nur wenige erinnern daran, dass es auch schon andere Zeiten gab, als der Höfner der Buhmann der Nation war.

Stark an die Swiss gebunden

Ob diese Rechnung aufgeht, wird sich weisen, wenn die Helvetic-Flugzeuge der brasilianischen Marke Embraer wieder in der Luft sind. Fakt ist nämlich, dass die Helvetic Airways zu einem wesentlichen Teil von der Swiss abhängig ist. Dank sogenannten Wetlease-Verträgen fliegt die Helvetic oft im Auftrag der Swiss. Insofern profitiert die Helvetic indirekt von der Bundeshilfe für die Swiss.

Sollte sich das Verkehrsvolumen aber nicht bald wieder auf das Niveau vor der Krise steigern, könnte es durchaus sein, dass die Swiss in erster Linie ihre eigenen Maschinen und nicht jene von Zweitanbietern abheben lässt.

Doch das alles bleibt vorläufig Spekulation. Sicher ist, dass die Helvetic Airways und ihr Besitzer Martin Ebner imagemässig schon mal das Beste aus der Corona-Krise gemacht haben.

Redaktion March24/Höfe24