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Wollerau
06.04.2020

Restaurant Sihlegg bleibt geschlossen

Das «Sihlegg» schliesst für immer. (Bild: Silvia Gisler)
Die Ära von Wirt Stefan «Geni» Zollinger in der Sihlegg ob Wollerau endete Corona-bedingt einige Tage früher als geplant. Öffnen wird er die Beiz nicht mehr, die öffentlich gesammelten Darlehen aber will er zurückzahlen.

von Andreas Knobel

Sämtliche Restaurants sind geschlossen – aber werden sie alle auch wieder öffnen? Es könnte durchaus sein, dass der eine oder andere Gastrobetrieb den Wiedereinstieg nach dem Lockout nicht mehr schafft, Unterstützung hin oder her.

Ganz bestimmt keinen Neuanfang gibts vorerst im Restaurant Sihlegg oberhalb Wollerau. Nur hat dies nichts mit dem Coronavirus zu tun, der Entscheid stand schon zuvor fest. Der Abschied kam einfach ein paar Tage früher als geplant.

Nie um Ideen verlegen

Achteinhalb Jahre wirtete Stefan «Geni» Zollinger in der «Sihlegg» und entwickelte dabei allerhand unkonventionelle Ideen. So überbot er zum Beispiel mit 25,8 Metern den Weltrekord im längsten Cordon-bleu.

Dennoch lief Zollinger wirtschaftlich stets «auf dem Zahnfleisch». Für Aufsehen sorgte eine öffentliche Hilfsaktion, als er seine Gäste und Freunde per Crowdfunding um zinslose Darlehen bat – und prompt 250 000 Franken generierte. Die Rückzahlungen seien danach mehr oder weniger pünktlich eingegangen, erzählen einige seiner Unterstützer.

Jetzt ist definitiv Schluss

Nun aber hat Zollinger endgültig ausgewirtschaftet: «Ich streiche die Segel und beende ein Kapitel, das ich sehr gerne anders geschrieben hätte», teilte er seinen Gläubigern mit. Er habe viele Jahre gekämpft und den Betrieb mit viel Unterstützung und Schweiss stets am Laufen gehalten. Er habe auch Fehler gemacht und zu lange an eine Wende geglaubt, räumt er ein.

Das Fass zum Überlaufen gebracht habe aber nicht der fehlende Zuspruch der Kundschaft, sondern ein Versicherungsfall. Eine Angestellte habe einen Hirnschlag erlitten, wobei er den Lohn tragen musste, weil die Krankentaggeldversicherung diese Leistung nicht erbringen wollte.

Rückzahlungen als Ziel

Dieses Risiko zusätzlicher Kosten wollte Stefan Zollinger nicht eingehen, zumal er zur Überbrückung ein weiteres Darlehen benötigt hätte. Das wäre nicht zu verantworten gewesen, ist er überzeugt.

Im Vordergrund stehe nun, die alten Darlehen komplett auflösen zu können, «denn es ist mir weiterhin ein grosses Anliegen, dieses Geld an die Leute zurückzuzahlen, die einst an mich glaubten und mich selbstlos unterstützten».

Dabei ruft er seine Darlehensgeber auf, ihm die Überweisungsdaten nochmals zuzusenden, damit keine Daten verloren gehen. Wobei sich bestimmt der eine oder andere «erbarmt» und sein Darlehen nicht mehr einfordert.

Kein Zurück in die Gastronomie

Einen geregelten Abschied konnte Geni Zollinger auf der «Sihlegg» wegen der Coronaschliessungen zu seinem Leidwesen nicht mehr erleben. Umso mehr bedankt er sich schriftlich bei all jenen, die ihn «finanziell, moralisch oder in irgendeiner anderen Art unterstützten».

Ausführlicher Bericht in der Zeitungsausgabe vom Freitag, 3. April.

Andreas Knobel, March24 / Höfe24