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Sport
12.07.2021
12.07.2021 16:18 Uhr

Tanja Hüberli: «Unsere Leistung zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind»

Nina Betschart (links) und Tanja Hüberli verlieren den Viertelfinal in Gstaad, dürfen aber dennoch zuversichtlich an die Olympischen Spiele in Tokio reisen.
Nina Betschart (links) und Tanja Hüberli verlieren den Viertelfinal in Gstaad, dürfen aber dennoch zuversichtlich an die Olympischen Spiele in Tokio reisen. Bild: KEYSTONE/PETER SCHNEIDER
Trotz eines starken Auftritts scheiden die Reichenburger Beachvolleyballerin Tanja Hüberli und ihre Zuger Partnerin Nina Betschart bei der Olympia-Hauptprobe in Gstaad im Viertelfinal aus. Tanja Hüberli blickt kurz vor der Abreise an die Olympischen Spiele in Tokio auf den sportlich erfolgreichen Auftritt in Gstaad zurück.

Eine Schwächephase im ersten Durchgang, als die Brasilianerinnen sieben Punkte in Folge erzielten, und eine kurze Baisse im Tiebreak kosteten dem letzten im Turnier verbliebenen Schweizer Team den Sieg und den zweiten Top-4-Platz in dieser Saison nach Rang 2 in Sotschi. 21:18, 18:21, 15:13 lautete das Resultat zugunsten von Agatha und Duda, die in Japan als Top-Favoritinnen auf die Goldmedaille gelten. Betschart und Hüberli zeigten nicht nur Emotionen, weil sie gegen die Weltnummern 1 Agatha/Duda aus Brasilien knapp in drei Sätzen unterlegen waren. Schon länger hatten sie nicht mehr vor so vielen Zuschauern gespielt – und erst recht nicht vor den eigenen Fans. Umso grösser war die Enttäuschung der beiden Zentralschweizerinnen, dass sie es nicht geschafft hatten, zum zweiten Mal in Folge nach 2019 in die Runde der letzten Vier in Gstaad vorzustossen.

Der neuerliche Halbfinal-Einzug und der dritte Podestplatz eines Schweizer Teams in Folge auf dieser Stufe wären durchaus möglich gewesen. Betschart/Hüberli zeigten gegen Agatha/Duda in einem hochstehenden Spiel bei windigen Bedingungen eine ausgezeichnete Leistung, die nicht zuletzt für das Olympia-Turnier in zwei Wochen hoffen lässt.

Selbstvertrauen für Tokio


Einen Tag danach findet die Reichenburgerin Tanja Hüberli Zeit, um auf die turbulenten Ereignisse zurückzublicken.

Was überwiegt nach einer Nacht schlafen: Die Enttäuschung oder das Wissen, mit den Weltbesten mithalten zu können?

Der Level des Spiels war unglaublich hoch. Deshalb überwogen schon bald nach dem Spiel die Freude und der Stolz darüber, was wir geleistet haben. Unsere Leistung zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Für mich ist klar, dass dieser Viertelfinal eines der coolsten Spiele gewesen ist, das ich je gespielt habe. Die Kombination unserer Leistung und der Stimmung der Zuschauer war unglaublich intensiv. Es war ein richtiger Krimi. Wir haben den weltbesten Spielerinnen alles abverlangt. Wenn ich sehe, dass sie im Final ihre Gegnerinnen dominiert haben, dann bin ich noch zufriedener.

Was hat schliesslich den Unterschied ausgemacht?

Ich würde sagen, dass wir gar nicht so viele Fehler gemacht haben. Die beiden Gegnerinnen haben sich oft aus schwierigen Situationen sehr gut gerettet und haben sehr viel richtig gemacht. Sie haben mit dem Wind sicher auch ein bisschen Wettkampfglück gehabt. Es sind Kleinigkeiten, die den Unterschied ausgemacht haben. Aber schliesslich darf ich sagen, dass wir nichts bereuen. Das ist wohl das Schönste, was man nach einem Spiel sagen kann.

Trotzdem, die Stimmung war grandios. Bereut man, dass man in diesem Hexenkessel nicht noch einmal ein Spiel austragen darf.

Ja klar, das war am Anfang einer meiner ersten Gedanken. Zudem hätte ich gerne meine erste Kuhglocke in Gstaad gewonnen, denn das Turnier ist für mich die schönste Woche. Ein solches Spiel spielen zu dürfen, das bedeutet uns alles.

Ihr habt gute Werbung für euch und das Schweizer Beachvolleyball gemacht. Nehmt ihr auch einen positiven Schwung mit?

Es macht einfach Freude, wenn du siehst, wie das Publikum mitgeht, wie du die Leute begeistern kannst. Das ist ein schönes Gefühl und gibt einem sehr viel zurück für die harte Arbeit, die wir das ganze Jahr hindurch machen. Das beflügelt uns auf jeden Fall.

Wie stellt ihr euch jetzt darauf ein, dass in Tokio keine Zuschauer und damit auch keine Stimmung sein werden?

Das kann ich im Moment noch nicht sagen. Aber direkt nach dem Spiel mit dieser grossartigen Stimmung habe ich mich das auch gefragt. Ich denke, ohne Zuschauer müssen wir einfach viel mehr von uns selber ins Spiel stecken.

Trotz Niederlage im Viertelfinal, wie sieht Ihre persönliche Bilanz aus?

Persönlich bin ich mit dem Turnier sehr zufrieden. Wir haben immer gesagt, Gstaad wird für uns so etwas wie die Hauptprobe für die Olympischen Spiele. Diese ist uns geglückt. Wir haben zwei russische und ein australisches Team relativ klar geschlagen. Mannschaften, die ich als Topteams eher höher als uns einstufe. Und wie gesagt, dem brasilianischen Team Agatha/Duda haben wir alles abverlangt.

Franz Feldmann, Sportredaktion March24 & Höfe24