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Lachen
04.04.2020
02.04.2020 10:20 Uhr

Soldaten entlasten Spitäler

Benjamin Bähler in der Kaserne Frauenfeld vor dem Einsatz im Kantonsspital Schaffhausen. (Bild: zvg)
Der Lachner Benjamin Bähler ist voraussichtlich bis Ende Juni im Spitalbataillon 75 tätig. Der gelernte Maler ist aktuell täglich im Kantonsspital Schaffhausen als Pfleger im Einsatz.

von Patrizia Baumgartner

Wachtmeister Benjamin Bähler stammt aus Lachen und wohnt in Rüti – eigentlich. Der gelernte Maler ist dieser Tage aber als Gruppenführer im Spitalbataillon 75 tätig und in Frauenfeld in der Kaserne stationiert. «Derzeit bin im Kantonsspital Schaffhausen im Einsatz.»

Bähler und die 15 Soldaten seiner Gruppe unterstützen das Spital personell, mit Hauptfokus auf die Nachtschichten, sie sind aber ebenfalls im Notfall und für die Unterstützung der Pflege zuständig. Ein Fahrer ihres Bataillons bringt sie jeweils auf direktem Weg von der Kaserne ins Spital und wieder zurück.

Auf der Station sind die Spitalsoldaten nicht auf den ersten Blick als solche zu erkennen, sie tragen die gleiche Kleidung wie die Pflege, der Badge weist sie jedoch als Armeeangehörige aus.

Gegen den unsichtbaren Feind

Aktuell sei es im Spital ziemlich ruhig. «Die Weisung des Bundes, dass nur medizinische Notfälle angenommen und alles andere heruntergefahren werden müsse, um Platz für Corona-Patienten zu schaffen, wurde umgesetzt.» Es habe aktuell lediglich zwei bestätigte Corona-Fälle im Kantonsspital.

Zeit also, um die Soldaten zu schulen, sodass sie später als vollwertiges Pflegepersonal eingesetzt werden können. Bähler sieht seinen Einsatz als Chance, der Schweizer Bevölkerung und dem Gesundheitssystem zu helfen. «Es braucht uns alle», ist der 25-Jährige überzeugt. Darauf, dass er das, was er im WK gelernt habe, nun anwenden könne, sei er stolz. Doch es sei nicht einfach: «Wir aus dem zivilen Leben gerissen. Ich musste alles stehen und liegen lassen», erzählt er.

Benjamin Bähler wurde am 16. März per SMS aufgeboten und musste schon am Tag darauf nach Gossau einrücken. Der gelernte Maler würde eigentlich per 13. April eine neue Stelle in seinem angestammten Beruf antreten. «Ich habe den neuen Arbeitgeber informiert, dass ich auf unbestimmte Zeit eingezogen werde.» Sein zukünftiger Chef habe verständnisvoll reagiert. Der Marschbefehl gilt grundsätzlich bis am 30. Juni.

Immer mindestens zwei Meter Abstand

An drei Abenden pro Woche wird Bier ausgeschenkt, der Kiosk ist nur zu fixen Zeiten offen. Dies jedoch immer unter Einhaltung der Social Distancing-Massnahmen. «Wir sind sehr stark darauf sensibilisiert», betont er: Es gebe überall immer zwei Meter Abstand, egal ob in der Esshalle oder im Schlafsaal. Vor allen Eingängen sind Handwasch-Stationen oder Desinfektionsmittelspender positioniert. «Bis jetzt sind wir Corona-frei», so der PIO stolz, «später wird das Risiko grösser.» Züge, die gemeinsam im Einsatz stehen, sind darum auch alle im gleichen Zimmer einquartiert – falls sie in Quarantäne gehen müssten.

Soldaten dürfen wieder in den Urlaub

Bis anhin durften die Soldaten an den Wochenenden nicht nach Hause. Man wollte kein Risiko eingehen, dass sich die Spitalsoldaten zu Hause mit dem Virus anstecken. Nun hat die Armee den Urlaubsstopp für Armeeangehörige im Assistenzdienst zur Bekämpfung des Coronavirus wieder aufgehoben. Individuelle Urlaube sind wieder möglich, wie Armeesprecher Daniel Reist bestätigte.

Eine Liste möglicher Urlaubsgründe sei erstellt worden. Sie diene den verantwortlichen Kommandanten als Hilfe für die Entscheidung. Der Armeeeinsatz sei aber dringend nötig, um das Gesundheitswesen zu entlasten und Menschenleben zu retten.

Die Armee reagierte damit auf Kritik des Schweizerischen Gewerbeverbandes (SGV), der sich über ungenügende Kommunikation beklagt hatte. Aufgrund des dringlichen Entscheids sei es der Armee nicht möglich gewesen, Arbeitgeber frühzeitig über die Verlängerung der Dienstzeiten zu informieren.

Das Spitalbataillon 

Die Schweiz hat insgesamt vier Spitalbataillone. Im Spitalbataillon 75 sind aktuell zwischen 350 und 500 Personen im Einsatz, es werden keine genaueren Angaben gemacht. Sie decken das Gebiet der Territorialdivision 4 ab, das heisst die Kantone Zürich, Schaffhausen, Glarus, Thurgau, St. Gallen sowie beide Appenzell.

Patrizia Baumgartner, March24 und Höfe24