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Lifestyle
31.03.2020

Zwischen Muttersein und Privatlehrerin

Auch zu Hause ruhig lernen können: Da helfen nur Ohrenschützer. (Bild: Daniela Jurt)
Als Mutter von drei Kindern in Lachen ist man in diesen Tagen gleich mehrfach gefordert – es gilt sowohl das Homeschooling der Kinder, die Arbeit und den Haushalt unter einen Hut zu bringen. Ein Erfahrungsbericht einer Lachner Mutter.

von Daniela Jurt

Es ist das eingetreten, was niemand je gedacht hätte. Die Schulen sind geschlossen, die Kinder müssen zu Hause bleiben und von dort aus lernen und arbeiten. Die Aufgaben der Schule sind auf verschiedenen Wegen bei uns angekommen. Unsere Kinder besuchen die  1., 3. und 5. Primarklasse. Das heisst, drei unterschiedliche Vorgaben und Lernziele. Für mich als Mutter die zentrale Frage: Wie bringe ich diese unterschiedlichen Bedürfnisse aneinander vorbei? Ich studiere die Stundenpläne, mache mir Gedanken, wer wann wo arbeiten kann, damit jedes der drei Kinder das optimale Lernumfeld hat und ich alle bestmöglichst unterstützen kann.

Mit gemischten Gefühlen

Eine weitere Aufgabe ist da noch zu lösen. Mein Mann arbeitet im Home-Office und braucht ebenfalls einen ruhigen Platz zum Arbeiten. Oberste Priorität für mich ist eine einigermassen geregelte Tagesstruktur. Die Schule gibt ungefähre Richt-linien vor. Nach diesen überlege ich mir einen für uns angepassten Tagesplan. 

Gut gewappnet, sehe ich den ersten Tagen mit gemischten Gefühlen entgegen. Einerseits denke ich: «Warum?» und «Ich möchte das nicht», anderseits denke ich: «Wir schaffen das schon, denke positiv.»

Schulweg und Lektionen

Es ist 7.30 Uhr, die Kinder müssen aufstehen, Morgenessen, Zähne putzen und betten – wie immer vor der Schule. Um 8.20 Uhr schicke ich sie los: Schulweg um den Nachbarsblock herum und wieder zurück nach Hause. Um 8.30 Uhr besprechen wir zusammen, wer welche Lektion wann macht und an welchem Platz. Um 9.15 Uhr gibt es eine kleine Pause. Danach geht es weiter. Um ca 10.15 Uhr gibt es eine grosse Pause. Diese wird, wie in der Schule, draussen verbracht.

Das kommt gut

Soweit läuft alles gut, ich beantworte Fragen, helfe beim PC starten, Programme anschauen, etc. Grundsätzlich arbeiten die Kinder selbstständig. Nach der Pause müssen die Grossen weiterarbeiten, bei der Jüngsten ist aus die Maus, sie will spielen. Doch wo? Im Wohnzimmer geht nicht, im Büro auch nicht, im Zimmer will sie nicht alleine spielen – allen gerecht zu werden, das wird wohl die grösste Herausforderung. Wir finden eine Lösung. Um 11.20 Uhr ist Schluss für den Morgen. 

Nun heisst es für mich vom «Klassenzimmer» ab in die Küche. Nach dem Mittagessen gibt es für alle, wie gewohnt, Zimmerstunde bis 13.15 Uhr. Um 13.20 Uhr schicke ich sie wieder auf den Schulweg, von 13.30 bis 14.15 Uhr müssen nochmals Arbeiten erledigt werden. Wir fügen noch ein gemeinsames Sportprogramm an. 

Dann ist der Homeschooling-Tag geschafft. Die Kinder haben es super gemacht. Sie spielen im Garten, ich erledige das Nötigste im Haushalt und habe immer noch stark gemischte Gefühle. Es liegt nun an mir zu lernen, in den nächsten Wochen meine Ansprüche zurückzustellen, während die Kinder arbeiten, und nicht das Gefühl zu haben, in dieser Zeit noch 1'000 Sachen erledigen zu wollen. «Dann kommt’s gut! – Oder doch nicht?», denke ich und verschlinge bereits die zweite Hälfte einer Tafel Schokolade. Diesen Vorrat werde ich sicher aufstocken müssen.

Das Wichtigste aber ist: Den Kindern hat das Homeschooling Spass gemacht, sie sind voll motiviert. Das gefällt mir. Ich hoffe, das hält an. Ihre Freunde fehlen ihnen, auch die Pausen mit den Anderen. Mir auch. Aber es kommt gut, solange dieser Ausnahmezustand nicht allzu lange andauert.

Daniela Jurt