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Digital
25.03.2020

Informatiker ist dem Bund voraus

Wie viele Corona-Infizierte gibt es in der Schweiz? Wie viele Tote? Immer wieder tauchen unterschiedliche Zahlen auf. Das will ein Berner Informatiker nun ändern: Er sammelt alle kantonalen Daten zentral, automatisch und schnell.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) meldete am Dienstagmittag 8836 Corona-Erkrankte und 86 Tote. In vielen Schweizer Medien wurde aber von 9921 Fällen und 131 Toten berichtet. Doch auf welcher Quelle basieren diese Zahlen? Sie stammen von der Webseite corona-data.ch. Hinter der Seite steckt der Berner Informatiker Daniel Probst: Innerhalb eines Nachmittags soll er die Webseite auf die Beine gestellt haben. Nun beweist er jeden Tag, dass er schneller und eventuell sogar genauer als das BAG ist.

Auch heute, 25. März 2020, hat Corona-Data bereits am Morgen 10'247 Fälle registriert. Das BAG meldet um 12:15 Uhr noch keine neuen Zahlen.

Der 34-jährige Chem-Informatiker zählt nicht nur die ganzen Fälle der Kantone und trägt sie zusammen, sondern visualisiert auch weltweite Daten mittels Karten und Statistiken und stellt sie in Relation zueinander. Die Idee kam Probst vor zwei Wochen. «Als ich gemerkt habe, dass es auf den kantonalen Webseiten aktuellere Zahlen gibt als beim Bundesamt für Gesundheit, habe ich ein Programm geschrieben, mit dem sich die Daten zeitnah an einem Ort sammeln und darstellen lassen», sagt er zum BLICK.

Die Webseite präsentiert bestimmte Daten auch in Diagramm-Form.

Bund ist skeptisch

An der Pressekonferenz wurde Daniel Koch vom BAG von Journalisten auf die Webseite angesprochen und gefragt, weshalb sich die Zahlen so unterscheiden. «Ich kenne diese Plattform nicht und ich weiss auch nicht, wie sie diese Zahlen erheben. Es besteht immer eine Gefahr, dass es zu Doppelerfassungen kommt», sagt Koch. Daniel Probst erklärt gegenüber dem BLICK, dass er sich ausschliesslich auf die Daten der Kantone beruft.

Der 34-Jährige ist Doktorand an der Universität Bern im Bereich der Pharma-Grundlagenforschung und hat über zehn Jahre als Programmierer gearbeitet. Daten-Analyse gehört also zu seinem Alltag. Probst verbringt täglich etwa eine Stunde damit, die Seite zu aktualisieren. Er plant bereits das nächste Projekt: Dabei soll es um die Auslastung von Spitalbetten gehen.

StGallen24 / MIK