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Sport
02.06.2021
03.06.2021 16:01 Uhr

Keine Faustball-WM in Rapperswil

Bitter: Die Coronapandemie bringt die Jonerin Celina Traxler um die Chance, eine WM im heimischen Grünfeld zu bestreiten. Pressebild Bild: zvg
Die diesjährige Faustball-Weltmeisterschaft der Frauen wird von Rapperswil-Jona nach Grieskirchen in Österreich verschoben.

Die Hoffnung war bis vor Kurzem spürbar, ebenso die Überzeugung. Aller Widrigkeiten im Zusammenhang mit der Coronapandemie zum Trotz trieben die Mitarbeitenden des lokalen Organisationskomitees die Planungen für die vom 13. bis 17. Juli angesetzte Faustball-Weltmeisterschaft der Frauen zielstrebig voran. Die finanzielle Situation präsentierte sich dank der Zusicherung von grosszügigen Sponsorengeldern überaus erfreulich. Hinzu stand im Grünfeld in Rapperswil-Jona eine Infrastruktur zur Verfügung, welche kaum Wünsche offenliess.

Selbst die Rekrutierung der vielen freiwilligen Helfer war praktisch abgeschlossen. «Wir spürten von allen Seiten einen sehr grossen Zuspruch», stellt Martin Grögli rückblickend fest. Der Präsident der Faustballabteilung des TSV Jona glaubte daher bis zuletzt an eine erfolgreiche Durchführung der Titelkämpfe. «Wir sahen die Möglichkeit, in dieser ausserordentlichen Zeit einen aussergewöhnlichen Anlass auf die Beine zu stellen.» 

Auflagen als zu grosse Hypothek

Nach umfangreichen Abklärungen, diversen Gesprächen mit und Einschätzungen durch die Amtsstellen sowie einer abschliessenden sachlichen Beurteilung mussten die Organisatoren nun aber doch kapitulieren. In Absprache mit der International Fistball Association (IFA) und den Verantwortlichen von Swiss Faustball entschied sich das OK knapp sechs Wochen vor dem geplanten Auftakt für eine Absage der WM im Grünfeld.

Die Unsicherheiten in Bezug auf die dannzumal gültigen behördlichen Vorschriften stellten ein zu grosses Risiko dar. «Für den finalen Schritt fehlte uns die Planungssicherheit. Daran hat sich auch durch die jüngsten Beschlüsse des Bundesrates nichts geändert, denn alle Lockerungsschritte, die den Juli betreffen, sind ja noch nicht in Stein gemeisselt», gibt Grögli zu bedenken und hebt insbesondere die aktuell geltenden Einreisevorschriften hervor, welche für einen Teil der gemeldeten 14 Faustball-Nationen eine zehntägige Quarantäne nach sich gezogen hätten. Ein Umstand, den die Organisatoren den betroffenen Landesauswahlen nicht zumuten wollten. Und ein Turnier ohne Topnationen wie Brasilien oder Argentinien war keine Option. «Wir bemühten uns, eine Sonderbewilligung zu erhalten. Da wir uns jedoch im Breitensport und nicht professionellen oder semiprofessionellen Bereich bewegen, gabs kein Entgegenkommen», so Grögli.

Ein weiteres Argument für die Absage war, dass am Anlass selbst unter gegebenen Umständen an eine stimmungsvolle Ambiance kaum zu denken gewesen wäre. «Eine WM in unserer Sportart lebt von den Emotionen sowie den Begegnungen zwischen den Spielerinnen, Funktionären und Schiedsrichtern aus den verschiedenen Ländern», sagt Grögli. «Die vorliegenden Schutzbestimmungen hätten einen ungezwungenen Austausch verhindert.»

Verschiebung keine Lösung

Unter Berücksichtigung aller vorliegenden Fakten und Umstände war die Absage die logische Konsequenz. «Die WM im Grünfeld abzusagen, tut weh, ist aber der richtige Entscheid», sagt Grögli. Einer, der sich nicht mehr weiter aufschieben liess – nicht zuletzt aus finanziellen Gründen. «Bisher konnten wir die Ausgaben sehr gering halten, unter 10'000 Franken. Nun wären aber grosse Posten angestanden.»

Selbstredend hatten die Joner auch die Möglichkeit einer Verschiebung oder Übernahme einer späteren WM geprüft – mit negativem Ergebnis. «Bei einer Verschiebung in den Herbst wären dieselben Unsicherheiten geblieben. 2022 komme wegen der World Games nicht infrage, 2023 wegen der Herren-WM. «Die nächste Möglichkeit hätte also 2024 dargestellt. Doch dann werden wohl keine Jonerinnen mehr im Nationalteam sein. Und unseren vier Nationalspielerinnen eine Heim-WM zu ermöglichen, war unsere Hauptmotivation dafür, den Anlass zu organisieren», betont Grögli.

Gestorben ist die diesjährige Frauen-WM durch die Absage der Joner indes nicht. Wie am Donnerstagabend bekannt wurde, wird sie nun vom 28. Juli bis 1. August im österreichischen Grieskirchen ausgetragen, zusammen mit der WM der U18-Juniorinnen und U18-Junioren sowie der EM der U21-Junioren.

Redaktion March24 und Höfe24