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Freienbach
17.05.2021
18.05.2021 11:45 Uhr

Energetische Behandlung: Was hat es damit auf sich?

Bild: Anouk Arbenz
Die Freienbacherin Susanna Koller kennt sich mit Energien aus. Die 59-Jährige ist überzeugt, dass wir alle mehr wahrnehmen würden, wenn wir achtsamer wären. Redaktorin Anouk Arbenz hat sich auf eine energetische Behandlung eingelassen und berichtet über ihre Erfahrungen.

Ich spüre: Hände an meinen Füssen. Mein linker Zeh, der pulsiert. Ich höre: beruhigende Pianomusik. Ich sehe: mich, wie ich im Meer treibe und durch ein Getreidefeld renne, dann Vögel um mich herum. Er spürt: Liebe. Er sieht: schwarze Löcher in meiner Bauchgegend und dunkle Figuren in meinem Kopf. Dann erscheint eine Waldfrau, die ihm hilft, mich auf Blumen zu betten. Er ist Andreas Baumann – ein Human-Energetiker. Energetische Behandlungen sollen dabei helfen, körperliche aber auch psychische Leiden zu heilen. Im Grundsatz geht es darum, den Körper von negativer Energie zu «reinigen».

  • Susanna Koller behandelt Kieferschmerzen mit positiver Energie. Bild: Anouk Arbenz
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  • Bild: Anouk Arbenz
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Es ist meine erste energetische Behandlung und ich bin kritisch, als ich vom Konzept höre. Als pragmatischem Menschen fällt es mir schwer, daran zu glauben, dass eine Heilung ganz ohne Arzt und Medikamente funktionieren soll. Um mehr über den Beruf und die Technik zu erfahren, spreche ich mit Susanna Koller aus Freienbach. Sie ist psychologisch-energetische Beraterin und hat sich durch Weiterbildungskurse zur Stressmanagerin, Achtsamkeitstrainerin, Hormonberaterin, Meditationsberaterin, zum Elterncoach und zur Entspannungstherapeutin ausbilden lassen. Davor war sie 15 Jahre als Tourismusfachfrau tätig. Seit 2008 ist Koller selbstständig.

Susanna Koller: «Achtsamkeit sollte man schon in der Schule lernen.» Bild: Carole Arbenz

«Jeder kann sich selber heilen»

Die Höfnerin ist überzeugt, dass einfach alles Energie ausstrahlt – jeder Gegenstand, jedes Wort, jeder Gedanke. Doch nicht jeder spüre diese Schwingungen. Die meisten von uns hätten verlernt, unsere Sinne zu schulen, unser drittes Auge einzusetzen. «Wir gehen nicht mehr achtsam durch die Welt und machen viele verschiedene Sachen gleichzeitig.» Sie glaubt aber, dass jeder lernen kann, seine Selbstheilung zu aktivieren. Und sie nimmt wahr, dass Interesse und Offenheit an und gegenüber spirituellen Themen heute grösser sind.

«Die jüngeren Generationen sind viel flexibler und feinfühliger als meine Generation.» Ihre Scheidung habe sie damals dazu gebracht, ihr Leben und ihren Beruf neu zu überdenken. «Das ist das Positive an Krisen, dass man sich plötzlich wichtige Fragen stellt.» Nach dem Besuch eines Kurses zum Thema psychologisch-energetische Lebensberatung wusste sie, dass dies ihr Weg ist.

  • Hängt im Behandlungszimmer: «Wohin du auch gehst, geh mit deinem ganzen Herzen.» Bild: Anouk Arbenz
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  • Chakren (singular: Chakra) sind im tantrischen Hinduismus und Buddhismus sowie im Yoga die subtilen Energiezentren zwischen dem physischen und dem feinstofflichen Körper des Menschen. Bild: zvg
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Warum flackert die Lampe?

«Die Psyche macht 90 Prozent eines körperlichen Leidens aus», sagt Koller. Deshalb sei besonders wichtig, dass man sich mit positiver Energie umgebe und auch positive Gedanken habe. Diese würden unser ganzes Leben beeinflussen «und früher oder später manifestieren sie sich in unserem Dasein». Susanna Koller meditiert jeden Tag und «reinigt» ihren Körper einmal pro Woche. Denn: «Auch ich bin nur ein Mensch und rege mich manchmal auf», sagt sie und lacht.

Auch Fremdenergien hätten einen Einfluss auf das eigene Leben. Einmal habe eine Schwarzmagierin ihre Finger im Spiel gehabt, als Susanna Koller einen Autounfall mit Totalschaden hatte und am gleichen Tag sämtliches Wasser im Gartenteich verschwunden war. Erst dachte sie, der Teich sei nicht mehr dicht. Doch dann regnete es und der Teich blieb von da an für immer voll. «Da habe ich gemerkt, wie mächtig Fremdenergien sind.»

Solche Fremdenergien spürt sie auch bei meiner Schwester, als sich diese auf ihren Behandlungstisch legt. Sie hustet – scheinbar ein Zeichen, dass da was nicht gut ist. «Mein Körper ist mein Kompass», sagt sie später dazu. Ich schaue zu und muss mein Staunen unterdrücken, als für einen Moment die Lampe im Behandlungsraum wie wild flackert. Koller hält beide Hände – die Handflächen nach oben – über den Körper meiner Schwester und macht kreisende Bewegungen, bis sie die schlechte Energie «ergreifen» kann. Zwischendurch hält sie kurz inne, die Augen immer geschlossen. Die schlechte Energie «wirft» sie dann in einen Kessel mit Salzwasser. «So stelle ich sicher, dass die schlechte Energie nicht auf mich oder den Raum übergeht», erklärt sie.

«Die jüngeren Generationen sind viel flexibler und feinfühliger als meine Generation.»
Susanna Koller

«Ich sehe mich als Kanal»

Für eine energetische Behandlung verbindet sich Susanna Koller mit dem «Göttlichen». Wie schon Andreas Baumann sagt sie: «Ich sehe mich als Kanal.» Oft würden ihr Heilige, Geistführer, spirituelle Lehrer oder Schutzengel bei der Arbeit helfen. Das sei oftmals tief berührend. Bisher habe sie noch jedem helfen können, doch es sei wichtig, dass danach weiter auf sich achtgegeben werde. Lebensfreude, Dankbarkeit und Freundlichkeit seien ganz wichtige Energiespender. «Eigentlich müsste man das schon in der Schule lernen, finde ich.»

Meine Schwester fühlt sich nach der Behandlung gut, wie sie sagt. Und auch Wochen später hat sie das Gefühl, mehr Energie als vorher zu haben. Auch ich ziehe ein positives Fazit, auch wenn die Beschwerden in der Zwischenzeit wieder da sind. Auch psychische Probleme und Muster können über Energiearbeit aufgelöst werden. So hat Susanna Koller etwa einer 55-jährigen Arbeitslosen helfen können. Gleich nach der Behandlung habe diese zwei Jobangebote erhalten. Es gebe aber natürlich auch Leute, die kritisch seien und Vorurteile hätten. Auch ihr Vater könne nicht viel damit anfangen. «Das ist okay», sagt Koller. «Ich habe kein Problem damit, wenn man mich belächelt.»

Webseite von Susanna Koller: www.vitaliberty.ch 

Susanna Koller machte sich 2008 selbständig. Bild: Carole Arbenz

Auch Häuser reinigen

Auch Räume können mit schlechter Energie belastet sein. Koller arbeitet seit rund acht Jahren mit drei Immobilienhändlern zusammen. Lässt sich eine Wohnung oder ein Haus schlecht verkaufen, rufen sie die Beraterin zurHilfe, die sich die Räumlichkeiten anschaut. «Meistens sitzt eine verstorbene Seele im Haus. Manchmal sind es auch schlechte Energien auf Gegenständen.» Chinesische Zinnfiguren, vom Geschäftspartner geschenkt bekommen, mit dem man jetzt verstritten ist, können laut Koller Grund genug sein, dass ein Haus sich nicht verkaufen lässt. Machmal höre sie auch Geräusche. «Der Immobilienhändler glaubt nicht an sowas, aber er weiss, dass es funktioniert», sagt die sympathische 59-Jährige und lacht herzlich.

 

Sieben Energiezentren – Chakras

Chakren (singular: Chakra) sind im tantrischen Hinduismus und Buddhismus sowie im Yoga die subtilen Energiezentren zwischen dem physischen und dem feinstofflichen Körper des Menschen. Diese seien durch Energiekanäle verbunden. Sieben der Chakren – die Hauptenergiezentren – werden entlang der Wirbelsäule des Körpers lokalisiert. Der Zustand der Chakren soll auf die zugehörigen Organe ebenso wie auf Emotionen, Psyche und Charakter wirken. Vereinfacht gesagt, nimmt ein Chakra Energien von aussen auf und führt diese dem menschlichen Energiesystem zu. Blockierte Chakren behindern den Energiefluss im Körper und können emotionale und geistige Krankheiten und Probleme hervorrufen. Kämpft man etwa gegen Arthritis, stimmt etwas beim Wurzelchakra nicht. Laut der Chakra-Lehre lösen bestimmte Emotionen und Erfahrungen solche Blockierungen aus.

Anouk Arbenz, Redaktion March24 & Höfe24