Home Region In-/Ausland Sport Agenda Magazin
Freienbach
13.02.2020
13.02.2020 17:50 Uhr

Stop, ich gah’s go säge!

Fünf Referentinnen prägten die Fachtagung «Sexualerziehung bei Kleinkindern» der Fachstelle für Gesundheit und Prävention des Kantons Schwyz in Pfäffikon. Die Besucher hingen ihnen von der Präventionsfachfrau bis zur Sexualpädagogin an den Lippen.

Wir haben Roland Demel, Programmleiter sexuelle Gesundheit folgende Fragen gestellt: 

- Wie entscheidet man sich bei solch einem wichtigen und breitgefächerten Thema für ein Programm?

- Zu Beginn der Tagung hiess es, dass es einen Bedarf gibt, der aber noch nicht allen bewusst ist. Was meint man damit?

- Wie lauten die drei Kernpunkte, die man von dieser Tagung mitnehmen sollte?

"Es gibt einen Bedarf - der noch nicht allen Beteiligten bewusst ist". Mit diesen Worten eröffnete Freddy Businger, Stellenleiter der Fachstelle für Gesundheit und Prävention des Kantons Schwyz, die Fachtagung «Sexualerziehung bei Kleinkindern». Im Schulhaus Römerrain fanden mehr als 60 Pädagogen Platz, die sich für ebendiese Thematik interessieren. 

Kinder stellen früh Fragen

Dass die Themen Sexualität und Kleinkinder zusammen auf den Tisch gebracht werden, mag manche Eltern verunsichern. Aber Kinder beginnen relativ früh, ihren Körper - neugierig wie sie sind - zu erkunden und stellen dementsprechend Fragen. «Oft gibt es keine bewusste sexuelle Begleitung. Eltern sind manchmal völlig überrascht, wenn ihre Kinder Doktorspiele machen und sie mit diesbezüglichen Fragen konfrontieren», erzählt Roland Demel aus seinen Recherchen. Er ist Programmleiter sexuelle Gesundheit bei der oben genannten Fachstelle und hat sie inhaltlich gestaltet.

So lernt man Vertrauen

Erster Punkt auf dem Plan: Theorie. «Der Mensch ist ein sexuelles Wesen - von der Geburt bis zum Tod», klärte Prisca Walliser, Dozentin für Sexualpädagogik. 

Wichtig sei vor allem, dass sich kindliche «Sexualität» grundlegend von der erwachsenen unterscheidet, «Kinder schreiben ihr eine andere Bedeutung zu», erklärte Walliser. Ausserdem seien sie mit kindlicher Neugier sehr unbefangen und «ohne Absicht» auf der Suche nach Wohlbefinden.

Doktorspiele?

Ein für die Besucher weiterer spannender Aspekt war die Thematik der Doktorspiele - denn im Kindergarten kann es durchaus vorkommen, dass Kinder ihre Körper vergleichen oder Rollenspiele durchführen. «Doktorspiele sind normal - aber nicht alle Kinder wollen oder tun dies», relativierte Walliser. 

Regeln sollte es aber trotzdem geben. Diese beinhalten zum Beispiel, dass die Kinder etwa im gleichen Alter sind, es niemandem weh tun darf und keine Gegenstände involviert werden dürfen.

Kinder sind keine «Täter»

Auch bei Übergriffen unter Kindern  müsse man aufpassen - zum Beispiel dann, wenn man Kinder als «Täter» stigmatisiert. Kinder würden jedoch nicht systematisch vorgehen - deshalb sollte in einem solchen Fall von einem «übergriffigen Kind» die Rede sein. 

Bei solchen Vorfällen müsse man nach den Gründen des übergriffigen Kindes suchen - denn Auffälligkeiten hätten meist einen «guten Grund» - hinter Übergrifflichkeiten könnten sich dementsprechend Schutzmechanismen verstecken oder auf entwicklungslogische Hintergründe hinweisen. 

Von der Theorie in die Praxis

Und wie sieht es in der Praxis aus? Ruth Niederreiter-Frei befasst sich in ihrer Arbeit bei Adebar, der Fachstelle für sexuelle Gesundheit und Familiengründung Graubünden, auch mit Sexualpädagogik im Kindergarten auseinander. 

Grundsätzlich sieht es so aus, dass Niederreiter-Frei die Kindergärten für vier Lektionen mit vorbereiteten Übungen und Spielen besucht. Im vorhinein spricht man diesen Besuch mit den Eltern ab. Ganz simple Fragen wie «Wo ist man nackt?» formen diese Unterrichtseinheiten und lassen es den Kindern zu, über ihre Wahrnehmungen und Gefühle zu sprechen. Meistens müsse man auch keine Fragen beantworten, sagt die Sexualpädagogin. «Meistens antworten sich die Kinder untereinander.»

Das Gespräch gesucht

Zwischendurch riefen die Referentinnen die Anwesenden dazu auf, untereinander Erfahrungen auszutauschen, wobei man einige Lacher zu Hören bekam. Die Zeit reichte leider kaum aus, alle bestehenden Fragen miteinander zu diskutieren - aber die Besucher nutzen die Pause intensiv, um das Gespräch mit den Expertinnen zu suchen und ihnen spezifischen Fragen zu stellen. 

Ein noch ausführlicher Beitrag zum Thema erscheint am Freitag, 14. Februar, im March-Anzeiger und Höfner Volksblatt.

Salome Brenner