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Kanton
19.01.2021

«Jeder kann sich schützen»

Bild: Johanna Mächler
Regierungsrätin Petra Steimen war am Impfstart in Lachen und erklärt, wo der Kanton diesbezüglich steht.

Seit rund drei Wochen verändern sich die Corona-Fallzahlen wie gewünscht: «Die Entwicklung der Fallzahlen zeigt zurzeit nach unten, sowohl schweizweit wie im Kanton», sagt Gesundheitsdirektorin Petra Steimen im Interview. «Fallzahlen sind verlässliche Werte, ebenso die Zahlen der Hospitalisationen und die Zahl der Todesfälle.» Doch alle die Todesfälle, die offensichtlich im Zusammenhang von Corona erfolgt sind, seien «leider bedauerlich», fährt sie fort. «Bisher konnte man dem wenig entgegensetzen, ausser mit Corona-Massnahmen. Jetzt aber steht uns mit dem Impfstoff eine zweite Möglichkeit zur Verfügung, um uns zu schützen.»

Seit vergangenem Freitag befindet sich der Kanton Schwyz in der zweiten Phase der Impfstrategie. Das heisst, die erweiterte Öffentlichkeit hat Zugang zum Impfstoff, erst Personen über 75 Jahre, später werden es auch jüngere sein. In der dritten Phase werden auch Ärzte und Apotheken die Impfung verabreichen können. 

Petra Steimen

Geburtsdatum: 20. Mai 1966

Wohnort: Wollerau

Zivilstand: verheiratet, zwei erwachsene Kinder

Beruf: Regierungsrätin,
ehemals Primarlehrerin

Hobbys: Krimis lesen, Kochen, Jassen

Stärken: strukturiertes Arbeiten

Schwäche: sich Namen merken

mit Petra Steimen
sprach Johanna Mächler

Sie haben am vergangenen Freitag den Impfstart im Spital Lachen begleitet. Gibt es damit verknüpft eine Botschaft?

Das Ziel des Kantons Schwyz ist, möglichst viele gefährdete Personen so bald wie möglich zu impfen, damit diese vor einer Covid-19-Erkrankung geschützt werden können. Oder anders gesagt: Jeder kann sich durch die Impfung schützen und so zu seiner eigenen Sicherheit beitragen. Das beschränkende Element ist die Verfügbarkeit des Impfstoffs. Mit der Zulassung des Moderna-Impfstoffes hat sich die Situation verbessert, und wir konnten das Kontingent aufstocken. Die Impfstoffe bleiben aber weiterhin beschränkt verfügbar. Wir sind froh, dass wir am Freitag nun auch in den drei Impfzentren an den Spitalstandorten Lachen, Schwyz und Einsiedeln damit beginnen konnten, eine breitere Öffentlichkeit zu impfen.

Die Impfstrategie des Kantons ist aufgegleist. Ist die Umsetzung auf Kurs?

Das Impfen ist im Kanton Schwyz gut angelaufen. Wir starteten mit den Impfungen in den Pflegeheimen bereits am 23. Dezember. Die Erstimpfungen in den Pflegeheimen sind demnächst abgeschlossen. Gleichzeitig haben wir mit der Zweitimpfung in den Pflegeheimen angefangen. Die erste Phase nähert sich somit dem Ende. Nun konnten in einer zweiten Phase die drei Impfzentren an den Spitalstandorten ihren Betrieb aufnehmen. Somit können wir eine breitere Bevölkerung impfen: anfänglich Personen über 75 Jahre, danach Personen mit Vorerkrankungen. In einer dritten Phase können auch Arztpraxen und Apotheken die Impfung verabreichen. Mein Dank gilt hier auch den drei Spitälern, den Pflegeheimen und den mobilen Impfequipen der Rettungsdienste, die diesen frühen Start möglich gemacht haben.

Bleibt es dabei, dass Sie sich impfen lassen?

Ja, ich habe dies von Anfang an gesagt. Einerseits, weil ich mich selber schützen möchte und andererseits, weil ich meinen Beitrag zur Durchimpfung leisten will.

Wie stellt sich der Gesamtregierungsrat zu dieser Frage?

Jeder Regierungsrat entscheidet für sich selbst, ob er sich impfen lassen will oder nicht, so wie dies jede andere Person auch tun kann. 

Können Sie sagen, wie lange der Impfschutz anhält?

Da muss ich mich auf die Aussage der Wissenschaft verlassen, die besagt, dass man diese Frage nicht abschliessend beantworten kann. Die Langzeitstudien fehlen noch. Aber man spricht davon, dass dieser Impfschutz mindestens einige Monate andauert, etwa bis zu einem Jahr, doch dies ist nicht wissenschaftlich gesichert.

Offene Fragen und ungefähre Antworten bringen die Impfgegner auf den Plan. Was sagt man Leuten, die sich schwer tun mit dem Impfgedanken, welche die Covid-19-Impfung ablehnen?

Wir wohnen ja in einem freien Land, in dem jede und jeder entscheiden kann, ob sie oder er eine Impfung will oder nicht. Man darf ja auch die Meinung frei kundtun. Man kann sich austauchen, möglichst in einem guten, konstruktiven Rahmen. Was ich aber schon sehr schwierig finde, ist, wenn die Diskussion aggressiv wird, oder wenn Leute verunglimpft werden. 

Wie gehen Sie persönlich mit Kritik um, die auf Ihre Person und Ihre Fähigkeiten oder auf die Arbeit in Ihrem Departement abzielt?

Für konstruktive, aufbauende Kritik bin ich jederzeit offen. Als Exekutivpolitikerin kommt man aber immer an einen Punkt, wo man entscheiden muss. Dann muss man seinen Weg gehen und seine Überzeugung leben. In der Regierung tauschen wir uns aus und fällen dann die Entscheide. Ein Entscheid beinhaltet immer ein Abwägen der verschiedenen Interessen. Für einige Leute gehen die Entscheide zu weit, für andere zu wenig weit; für einige geht es zu schnell, für andere zu wenig schnell – das ist immer so. Entscheide zu fällen, bedeutet oft, einen Kompromiss zu machen. Dies ist jeweils eine Gratwanderung – doch ich bin der festen Überzeugung, dass dem Regierungsrat die Gratwanderung bisher recht gut gelungen ist. 

Es gibt momentan viele Corona-Besserwisser. Gelangen diese Nachrichten auch zu Ihnen?

Es ist tatsächlich so, dass meine Mailbox häufig sehr gut gefüllt ist mit Informationen, Fragestellungen und Bemerkungen zu jeder Facette der Pandemie. Das war schon im März der Fall, im Herbst dann wieder und jetzt im Winter in Bezug auf das Impfen. Und in vielen Fällen habe ich Verständnis für diese Anliegen. Das Thema beschäftigt die Menschen sowie die Politik enorm – und dies jeden Tag. Es ist deshalb wichtig, dass wir innerhalb der Regierung eine gute Zusammenarbeit haben und uns auch über den Kanton hinaus eng austauschen können, zum Beispiel mit den anderen Kantonen oder mit dem Bundesamt für Gesundheit. In diese Diskussion sind zudem viele Fachleute einbezogen. Wir haben innerkantonal ein Gremium, in dem die ganze Gesundheitsbranche vertreten ist. Dieser Austausch ist für uns wichtig und sinnvoll. Diesbezüglich ist es unser oberstes Ziel, die Gesundheit der Schwyzer Bevölkerung zu schützen und dass das Gesundheitswesen nicht überlastet wird.

So kommen dann Entscheide zustande, die nach aussen kommuniziert und vertreten werden. 

Genau. In diese Entscheide müssen auch viele wirtschaftliche, soziale und gesellschaftliche Aspekte einfliessen.

Der Bund hat letzte Woche erneut verschärfte Massnahmen angeordnet. Wie kam das in der Regierung an?

Wir haben schon damit gerechnet, dass die bestehenden Massnahmen verlängert werden. Auch die Regelung bezügliche der Härtefälle kam nicht überraschend. Wirklich neu waren die Verschärfungen. Aber die Verantwortlichen haben klar erklärt, dass diese mit dem mutierten Virus zusammenhängen und dass man schlicht nicht weiss, was dieses Virus noch mit sich bringen wird. Generell kann man sagen, dass die weitere Pandemie-Entwicklung stark von diesem mutierten Virus abhängen wird. Und natürlich wird auch das rasche und möglichst flächendeckende Impfen für die weitere Pandemie-Entwicklung entscheidend sein.

Wie zeigt sich die Auslastung der kantonalen Spitäler aktuell?

In den Spitälern ist die Situation insbesondere im Bereich der Intensivpflegeplätze und der Isolationsstationen angespannt, doch darf man von einer langsamen, tendenziellen Entspannung reden. Dabei stehen die innerkantonalen Spitäler im Fokus, aber auch die Spitäler auf unserer Spitalliste sind relevant, unter anderem jene in Zürich und Luzern. 

Die Fallzahlen in unserem Kanton sind tendenziell eher rückläufig …

Die Entwicklung der Fallzahlen zeigt zurzeit nach unten, sowohl schweizweit wie im Kanton. Fallzahlen sind verlässliche Werte, ebenso die Zahlen der Hospitalisationen und die Zahl der Todesfälle. All die Todesfälle, die offensichtlich im Zusammenhang von Corona erfolgt sind, sind leider bedauerlich. Bisher konnte man dem wenig entgegensetzen, ausser mit Corona-Massnahmen. Jetzt aber steht uns mit dem Impfstoff eine zweite Möglichkeit zur Verfügung, um uns zu schützen.

Und was denken Sie, Frau Landammann, wann kann man sich wieder umarmen?

Jene Menschen, die zusammenleben, dürfen sich ja umarmen. Wann dies in einem erweiterten Kreis möglich sein wird, darüber kann wohl noch niemand eine Prognose machen. Aber wir bleiben zuversichtlich, dass diese Zeit wieder kommt.

Johanna Mächler, March24 & Höfe 24