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Leserbrief
Tuggen
14.09.2020
16.09.2020 08:44 Uhr

Postkauf: Leserbriefe

Gemeindepräsident René Knobel erachtet den Kauf der Postliegenschaft als Strategieentscheid. «Wenn wir jetzt nicht zuschlagen, tut es ein anderer.» Und damit verliere die Gemeinde die Möglichkeit, das Dorfbild weiter aufzuwerten. (Bild: Silvia Gisler)
Am 27. September wird in Tuggen unter anderem über den Kauf der Postliegenschaft abgestimmt. Das sind die Meinungen dazu in der March.

Kauf tatsächlich wichtig?


Es dürfte kaum einen anderen Käufer für die Parzelle des Postgebäudes in Tuggen geben, wenn er den Leitungskataster eingesehen hat – und schon gar nicht zu diesem überrissenen Preis. Meiner Ansicht nach kommt der Wunsch, diese Parzelle zu kaufen, nicht aus der Bevölkerung. Da stützt sich der Gemeinderat auf eine kaum aussagekräftige Umfrage.

An der Umfrage beteiligten sich ein paar wenige Bürger, von denen einige einen attraktiveren Dorfkern wünschen, was auch immer darunter zu verstehen ist, ohne sich zu überlegen, was das für Kosten auslöst. Ein paar wenige Bürger im Verhältnis zu rund 3'300 Einwohnern oder rund 1'600 Haushaltungen ist für mich in keiner Art und Weise ein ausgeprägter Wunsch der Bevölkerung. Auch wenn der Gemeinderat dies bei jeder Gelegenheit gebetsmühlenartig wiederholt.

Was die Aussage des «Bauexperten» zur Bebauung durch einen anderen Käufer betrifft, kann ich nur schmunzeln, es wurde in anderen Leserbriefen treffend kommentiert. Der Gemeinderat weiss offenbar noch nicht, was mit der Postliegenschaft geschehen soll, oder er will dem Bürger vorenthalten, was er an der Zürcherstrasse noch -alles vorhat. Auf diesem Grundstück mit der schlechten Form, ungünstigen Ein- und Ausfahrtsverhältnissen und mit sehr vielen Werkleitungen (Leitungsmekka laut «Bauexperte») ist der Quadratmeterpreis von 1'400 Franken viel zu hoch.

Einblick in den Leitungsplan wurde mir von der Gemeinde aus Datenschutzgründen nicht gewährt. Die Erstellung einer Hochbaute mit einer Tiefgarage ist wegen der Parzellenform und der Werkleitungen praktisch nicht möglich und schon gar nicht die Schaffung von genügend eigenen Parkplätzen. Was also bleibt? Ein paar Jahre Vermietung bis zum Abbruch des Gebäudes (Asbest) und rund ein Dutzend Gratis-Parkplätze für die benachbarten Liegenschaften. Etwas wenig für 1,295 Mio. Franken, finde ich.

Dass in einigen Köpfen die Idee herumgeistert, der Erwerb der Postliegenschaft KTN 615 sei das Tor zum Nachbargrundstück (Post-Park), gehört definitiv ins Reich der Fantastereien und Utopien. Wenn der Gemeinderat für dieses belastete (Werkleitungen) Grundstück 1'400 Franken pro Quadratmeter bezahlen will, wie viel ist er dann in Zukunft zu zahlen bereit, wenn es um Bauland für wirklich notwendige Bauten und Anlagen für die Gemeinde geht? Vielleicht 1'500, 1'800 Franken oder doch eher halb gratis, wie es mit der Genossame in der Vergangenheit gehandhabt werden konnte? – zum Beispiel 3'300 Quadratmeter mal 1'800 Franken gleich 5,94 Mio. Franken. Aus diesen Gründen gibt es ein klares Nein von mir für dieses Sachgeschäft.

Peter Janser, Tuggen

 

Die Gelegenheit beim Schopf packen


Die Gemeinde Tuggen ist ja schon seit geraumer Zeit an der Neugestaltung und Entwicklung des Dorfes und Zentrums von Tuggen. Im Rahmen einer Bevölkerungsumfrage zu diesem Thema, bei der der Rücklauf ausser-gewöhnlich hoch war, zeigt sich, dass die Tuggner Bevölkerung einerseits ein attraktiveres Dorf mit Einkaufsmöglichkeiten und Alterswohnungen möchte, und andererseits wünscht sie sich auch ein lukratives Zentrum mit Begegnungsraum.

Nun ist die Post mit der Umgestaltung ihres Dienstleitungsangebotes und der Auflösung der Poststelle in Tuggen sowie der Absicht des Verkaufs der Liegenschaft der Entwicklung zuvorgekommen. Die Post gibt aber der Gemeinde Tuggen die Möglichkeit, das Gebäude und Grundstück für 1,3 Mio. Franken, also 100' 000 Franken unter dem offiziellen Schätzwert der Schwyzer Kantonalbank, zu erwerben, was, neben den höheren Mieteinnahmen als die Zinsaufwendung sein werden, schon per se ein gutes Geschäft ist.

Die Gelegenheit des Kaufes kommt nun vor dem Abschluss der Projektarbeit zur künftigen Zentrumsgestaltung. Dem zum Kauf offerierten Grundstück kommt in der Zukunfts-gestaltung eine grosse Rolle zu. Und sollte dem Zukunftsprojekt – entgegen den Umfragemeinungen – einmal der Segen durch den Bürger verwehrt sein, kann die Gemeinde Tuggen das Grundstück immer noch mit einem Gewinn verkaufen.

Es ist also nur naheliegend, dass die Gemeinde Tuggen die Gelegenheit beim Schopf packen und den Erwerb tätigen muss, so dass sie das Areal in die Planung und Ausgestaltung einbeziehen kann. Nutzt die Gemeinde Tuggen die Chance zum Erwerb des Gebäudes und Grundstücks nicht, ist die Chance und Möglichkeit ein für allemal verpasst. Liegt Ihnen die Entwicklung- und Zentrumsgestaltung von Tuggen auch am Herzen?

Mir liegt sehr viel an einer schönen, attraktiven und zukunftsorientierten Gemeinde Tuggen, darum werde ich ein Ja in die Urne legen.

Rolf Hinder, Tuggen

 

Zielorientiert und weitsichtig


Den Bürger am demokratischen Entscheidungsprozess jederzeit teilnehmen zu lassen und die Anliegen und Bedürfnisse der Einwohner unterstützen – dies sind einige Haupt-ziele, welche ein Gemeinderat in seinem Aufgabenbeschrieb hat. Genau dies läuft in Tuggen mit einigen Aktivitäten hervorragend. Es gab eine Bevölkerungsbefragung, zwei Mitwirkungsverfahren beim Erarbeiten des neuen Leitbildes sowie des neuen kommunalen Richtplanes. Im Zentrum von Tuggen soll der Verkehr siedlungs-verträglich abgewickelt und die Aufenthaltsqualität sowie die Attraktivität der Aussen- und Strassenräume gesteigert werden – auch dies sind konkrete mittelfristige Zielsetzungen des sehr gut vorausschauenden Gemeinderates.

Der Wunsch der Bevölkerung nach einem attraktiveren Dorfkern mit Begegnungsräumen ist aus der vom Gemeinderat erhobenen Bevölkerungsumfrage dokumentiert. Und nun geht der Gemeinderat mit dem Anliegen, die Post-Liegenschaft zu erwerben, in die Offensive und sieht sich aufgrund der vielen Inputs der Einwohner in diesem Vorgehen gestärkt. Die Anliegen der Tuggner in Bezug auf das aktivere Zusammenleben können mit diesem Kauf mit vielen Optionen bedient werden. Mit dem Erwerb der Post-Liegenschaft kann die Gemeinde Tuggen aktiv Einfluss auf die künftige Entwicklung ihres Dorfkerns nehmen. Der historische Dorfkern prägt die Gemeinde Tuggen und trägt wesentlich zu deren Charme und Attraktivität bei.

Daher ist es richtig, dass der Gemeinderat mit dieser Abstimmungsvorlage einen ersten Schritt in diese Richtung initialisiert und sich das Land mit der Liegenschaft sichert. Damit hat man mehr Gestaltungsmöglichkeiten für die zukünftige Zentrumsentwicklung. Es macht Sinn, die Aufwertung des historischen Dorfkerns und die Stärkung des Zentrums von Tuggen voranzutreiben und partnerschaftlich mit den bereits initialisierten Bauvorhaben der Stiftung Steinhaus und den privaten Unternehmern, welche das Löwengebäude sanieren, zusammenzuarbeiten und die Gesamtsituation im Auge zu behalten. Daher unterstütze ich die Weitsichtigkeit des Gemeinderates Tuggen und lege ein glasklares Ja in die Urne.

Sidonia Bräuchi, Präsidentin FDP Tuggen

 

Eine klare Falschaussage des Präsidenten


Zum Artikel «‹Wichtiger Kauf für die Entwicklung des Kerns›» vom 2. September

In diesem Artikel wird von Gemeindepräsident René Knobel und Gemeinde-rat Dani Schönenberger den Bürgern von Tuggen der Kauf der Postliegenschaft schmackhaft gemacht. Der 1,3 Millionen-Kaufpreis sei ein «Häppchen» (notabene 1408 Fr.-/m2 mit Altbausubstanz, überrissen). Für die weitere Zentrumsgestaltung sei dieser Kauf wichtig. Eine Ideenskizze, wie dieser Teil des Zentrums gestaltet werden könnte und deren Kostenfolge, liegt nicht vor. Dies ist aus unserer Sicht jedoch zwingend, damit sollen der Bevölkerung von Tuggen die möglichen künftigen Investitionen aufgezeigt werden.

Anhand der voraussichtlichen Gesamtinvestition kann und soll der Stimmbürger schliesslich mit einem Ja oder Nein entscheiden. Das Argument von Gemeindepräsident Knobel – «wird aber das Grundstück an einen Dritten verkauft, so könnte das bestehende sechs Meter hohe Postgebäude mit einem 16 Meter hohen Neubau ersetzt werden» – stimmt so nicht. Im Baureglement Art 34, Kernzone, Abs 3 steht unter anderem: «Beim Neu- und Wiederaufbau von Gebäuden ist die Massstäblichkeit vorhandener Bausubstanz zu beachten … Es besteht kein Anspruch auf Ausnützung der max. Bauhöhe …» Eine klare Falschaussage des Gemeindepräsidenten. Kauf auf Vorrat und dann schauen wir weiter, was wir machen, ist politisch und wirtschaftlich nicht vertretbar. Ein solches Vorgehen weisen wir zurück und werden ein Nein in die Urne legen.         

Helmut Mettler und Marlise Maurer Mettler, Tuggen

 

Teuerster Landerwerb Tuggens


Zum Artikel «‹Wichtiger Kauf für die Entwicklung des Kerns›» vom 2. September

Da legt sich der Gemeinderat kräftig ins Zeug, um den Kauf der Postliegenschaft in Tuggen der Stimmbürgerschaft als zwingend, dringlich und attraktiv anzupreisen. Um am 27. September eine Zustimmung zu erreichen, werden sämtliche Register gezogen.

Von Vorzugsangebot seitens der Post ist die Rede, von attraktiven Gestaltungs-möglichkeiten für einen künftigen Dorfkern, ja gar von Mehreinnahmen von fast 18 '000 Franken jährlich. Die Postliegenschaft als eierlegende Wollmilchsau?

Interessant sind auch die Aussagen von Gemeinderat und Bauexperte Dani Schönenberger. Sollte die Liegenschaft durch Dritte erworben werden, könnte darauf ein 16 Meter hoher Neubau errichtet werden. Ein leiser Wink mit dem Zaunpfahl, aber nur an all jene, die das Baureglement nur oberflächlich zu Rate ziehen. Und im Untergrund ein Mischwasserkanal (der Gemeinde), der bei möglichem Bedarf einfacher angepasst werden könnte.

Zurück auf den Boden der Realität. Fakt ist, dass mit einem Quadratmeterpreis von 1'400 Franken nicht wirklich von einem fairen Angebot gesprochen werden kann. Der Kauf der Postliegenschaft mit einer über 50-jährigen Altbaute für 1,295 Mio. Fr. wäre der teuerste Landerwerb, den die Gemeinde Tuggen je getätigt hätte. Dass die Post AG kein uneigennütziger Geschäftspartner ist, sollte inzwischen hinlänglich bekannt sein (Poststellen-Abbau, Postauto-Skandal).

Fakt ist auch, dass die fragliche Liegenschaft eine sehr ungünstige Form aufweist (dreimal so lang wie breit) und daher bei Dritten eher auf wenig Interesse stossen dürfte. Fast makellos hingegen sind die im Grundbuch eingetragenen Rechte und Lasten. Durchleitungsrechte zugunsten der Gemeinde sind nämlich keine eingetragen. Könnte das der eigentliche Grund für das Kaufinteresse des Gemeinderates sein?

Mein Nein zu diesem Geschäft ist sicher. 

Hermann Pfister, Tuggen

Anouk Arbenz, Redaktion March24 und Höfe24