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Vorderthal
23.08.2020

Vom Wägital auf den Pazifik

Ende August startet das Ehepaar Cabalzar mit einem befreundeten Paar seine Segelreise – ohne Enddatum. Dass die beiden irgendwann wieder zurück ins Wägital kommen, steht aber schon fest.
  • Aufgewachsen in Sargans, haben Andrea und Martin Cabalzar im Wägital ihre zweite Heimat gefunden. Für ihre Segelreise verlassen sie diese für unbestimmte Zeit.
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  • Von diesem Haus im Wägital, in dem sie acht Jahre lang gewohnt haben, müssen sich die beiden bald schweren Herzens trennen.
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Wellen statt Berge: Nachdem Andrea und Martin Cabalzar nach ihrer letzten Segelreise im Mittelmeer und im Atlantik acht Jahre im Wägital «sesshaft» waren, zieht es das abenteuerlustige Ehepaar wieder in die Ferne.

Doch in das Wägital haben sich die beiden etwas verliebt: «Das Wägital liegt uns sehr am Herzen. Nirgendswo haben wir länger gelebt als hier. Im Wägital erlebt man ‹Natur pur› und trotzdem ist man nah am Zürichsee», schwärmt Martin Cabalzar. Von den Vorderthalern seien sie bei ihrem Zuzug gut empfangen worden. Andrea hat die letzten Jahre als Primarschullehrerin in Vorderthal gearbeitet, Martin arbeitet als Informatiker und Software-Entwickler häufig von zu Hause aus. Trotz ihrer Liebe für die neue Heimat war für die beiden immer klar, dass sie ihre Reise mit dem Segelschiff irgendwann fortsetzen möchten. Dieses liegt nämlich seit ihrer letzten Reise im Hafen von Antigua.

An Orte segeln, die noch niemand gesehen hat

Ein Motorschaden hatte die beiden damals gezwungen, ihre Reise auf der karibischen Insel zu beenden. Den neuen Motor einzubauen, nahm ein ganzes Jahr in Anspruch. Bei dieser Gelegenheit unterzogen die beiden ihr fast 50-jähriges Schiff «Charon» einer umfassenden Renovation.

Den Namen erhielt das knapp 13,3 Meter lange und 3,20 Meter breite Schiff von seinem ursprünglichen Besitzer, der es nach dem aus der griechischen Mythologie bekannten Fährmann Charon benannte.

So richtig los geht es mit dem Segeln erst im November, wenn die Hurricane-Saison vorbei ist. Davor gibt es für das Ehepaar noch vieles zu organisieren und vorzubereiten. Martin Cabalzar schliesst derzeit die Zusatzausbildung zum Amateurfunker ab, um auf dem Pazifik auf allen Kanälen funken zu können. Zudem wird die Fertigstellung des Innenausbaus noch viel Zeit in Anspruch nehmen. Anders als beim letzten Mal werden die beiden diesmal nicht alleine segeln: Ein befreundetes Ehepaar aus der Ostschweiz wird sie auf der Pazifik-Reise begleiten. «Es muss jemand 24 Stunden pro Tag das Schiff überwachen», sagt Martin. 

Den Pazifischen Ozean zu besegeln ist kein Zuckerschlecken. Der Stille oder Grosse Ozean, wie er auch genannt wird, erhielt seinen Namen vom portugiesischen Seefahrer Magellan, der auf diesem mehrfach Flauten erlebte. Seine Ausmasse sind beeindruckend. Sämtliche Landflächen dieser Erde hätten in seinem inneren Bereich Platz. Bei dieser Weite kann es sein, dass man wochenlang niemandem begegnet. Die tiefste Stelle des Pazifiks liegt im Marianengraben und geht über 11  000 Meter in die Tiefe

«Dort gibt es Orte, die noch nie jemand gesehen hat, weil man nur mit dem Schiff hinkommt», wie Andrea und Martin Cabalzar begeistert erzählen.

Reise-Videos für Familie, Freunde und andere Segler

Immer wieder Fremde an einem neuen Ort zu sein, scheint sie nicht zu verunsichern – im Gegenteil: Für sie macht das Kennenlernen fremder Kulturen und Menschen den Reiz des Reisens aus. Man müsse flexibel sein. «Man kann nicht sagen: Heute gehen wir dorthin. Das kann man im Vornherein nicht wissen.»

«Mit dem Segeln ist für uns eine neue Welt aufgegangen», sagt Andrea. «Es kamen so viele neue Themenbereiche dazu – die Navigation, die Meteorologie, die Sternenkunde, handwerkliches und technisches Wissen.» Wenn etwas kaputtgeht, können es die beiden selber reparieren. «Wir kennen jede Schraube im Boot», sagt Martin und lacht. «Das gibt uns Vertrauen.» 

In die Vorbereitungsarbeit gehört auch die Planung eines Youtube-Channels, den die beiden während ihrer Reise regelmässig mit Videos bestücken möchten. Wiederum eine neue Welt für sie, welche sie mutig betreten möchten. «Videos entsprechen mehr der Realität und leben mehr als Bilder», finden die beiden.


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Anouk Arbenz, March24