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Region
20.07.2020

Auf abenteuerlichen Wegen

Vom Rossberg aus sieht man nicht nur auf den Zürichsee, sondern auch auf den Etzel. (Bilder Bianca Bamert)
Diesen Sommer erkunden wir die heimische Region. In der Sommerserie «Rund um die Höfe» stellen wir deshalb Rundwege des Landschaftsentwicklungskonzepts (LEK) Höfe vor. Teil 3: der Rundweg Schindellegi-West.

von Bianca Bamert*

Schon mehrmals habe ich meinen beiden Jungs versprochen, dass wir mal den Rossberg erwandern, den wir auf vergangenen Touren  immer wieder von verschiedenen Seiten gesehen hatten.

Von Indianern und Stieren
Im Dorf Schindellegi beginnt der Aufstieg, zuerst auf einem schmalen Asphal­tsträsschen. Der Bahnübergang über die SOB hat keine Barriere, was ich für einen kleinen Vortrag zur sicheren Begehung von Bahnübergängen nutze. Meine Buben hören zu, sind aber in Gedanken schon Indianer – das sind sie meist auf Wanderungen – die am liebsten ein Ohr auf die Schienen legen würden, um den herannahenden Zug zu hören.

Auf der ersten Anhöhe erwartet uns eine wunderschöne, extensiv genutzte Wiese mit einer Vielzahl an Blumen und Gräsern. Der Aufstieg wird nun steil. Mein Kleiner will in den Tragrucksack. Okay, so wird die Wanderung für mich zum wirklichen Sport. Bald erreichen wir ein Gatter mit einem Schild «Achtung Stier».

Meine beiden mutigen Indianer sind für einen Sprint über die Wiese; denn der Stier auf dem Schild sieht ziemlich ­böse aus, finden sie. Jetzt sind wir auf dem Kiessträsschen zum Rossberg. Zum Glück finden die Indianer Hufspuren, so verkürzt sich der eher langweilige Abschnitt.

Am Schluss führt der Wanderweg abseits der Strasse in gerader Linie auf den Rossberg, zuerst durch ein Wäldchen, wo wir uns mit Holzstecken eindecken, direkt bis vors Restaurant. Ich bin schweissgebadet mit meinen 15 ­Kilo auf dem Rücken. Bis zur neuen Gruobi der Gemeinde Wollerau schaffen wir es aber noch.

Wir haben sie für unser Picknick ganz für uns alleine. Der Etzel sieht herzig aus von hier, Zürich am Ende des Sees wie eine Grossstadt mit der sichtbaren Skyline. Als wir die vielen Gäste auf der Terrasse des Restaurants Rossberg ­sehen, entscheiden wir uns gegen ein Glacé – beziehungsweise fälle ich diesen Entscheid allein im Stillen.

  • Die eingezeichnete Wanderroute.
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  • Die noch ziemlich neue Gruobi lädt zur Rast und zum Picknicken.
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  • Der letzte Aufstieg zum Rossberg.
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Ein Wanderweg für Abenteurer
Nun geht es an den Abstieg Richtung Wollerau, zuerst auf dem Fahrsträsschen, dann zweigt der Wanderweg in den Wald ab. Und hier kommen meine Jungs so richtig auf ihre Kosten. Der Weg ist ein einziges Abenteuer mit  Stufen, morschen Brücken, steilen  Passagen und schmalen Stellen. Der Wald ist ursprünglich, dunkel, voll von Totholz, Lianen und kleinen Bächen. Der perfekte Wanderweg für zwei abenteuerlustige Buben.

Der Abstieg endet abrupt bei der Scheerenbrugg. Weit unten im Tobel fliesst die Sihl. Das Geländer der ­Brücke dünkt mich etwas niedrig und ich ­halte die Jungs je an einer Hand. Nun heisst es durchhalten. Denn der letzte Teil führt auf schönen, aber wenig abenteuerlichen und uns bekannten Wegen durchs Naturschutzgebiet ob dem Freyenweiher und dem Quartier Aesch zurück nach Schindellegi.

Es ist auf unserem Rundweg Schindellegi-West inzwischen Nachmittag geworden, die ­Sonne brennt, der ­einzige Schatten kommt von der Hecke entlang des Wanderwegs hinauf nach Schindellegi. Die letzten Schritte durch das Dorf ziehe ich den grossen Indianer an seinem ­Stecken, der kleine ­Indianer ist längst wieder auf meinem Rücken. Das Glacé geniessen wir dafür umso mehr – ob ­Indianer oder nicht.

* Bianca Bamert ist Mitglied der LEK-Kommission, sie war mit ihren zwei sechs- und dreijährigen
Buben unterwegs.

20 Höfner Rundwege zu entdecken

Das LEK (Land­schafts­entwicklungs­konzept) Höfe ist ein Projekt der Gemeinden Feusisberg, Freienbach und Wollerau sowie des Bezirks Höfe. Es will die Höfner Land­schaft nachhaltig nutzen und gestalterisch aufwerten. Davon profitieren alle, die Menschen, die Pflanzen und Tiere.

In den letzten Jahren hat das LEK 20 Rundwege durch die Höfner Landschaft erstellt. Diese Spaziergänge führen durch Kulturlandschaften, Siedlungen und Wälder, vorbei an Fliessgewässern, Hecken und Seen.

In diesem Sommer machen sich verschiedene Höfnerinnen und Höfner auf den Weg und berichten in einer losen Serie aus ihrer speziellen Sicht von ihren Erlebnissen. Alle Rundwege sind im Internet mit Detailbeschrieb, GPS-Daten und vielen Infos auf www.lek-hoefe.ch zu finden. (red)

Redaktion MarchHöfe24
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