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Vorderthal
18.07.2020

Vor zehn Jahren «kam» der Hang

Im Vorderthaler Trepsental rutschte vor zehn Jahren ein Gebiet von rund 19 Hektaren Wald- und Weidboden ab. Man hatte Angst vor einer Stauung des Bachs. Der Hang stabilisierte sich im Jahr 2011 wieder und ist heute mit Pioniervegetation eingewachsen.

Mitten im Trepsental, das teilweise zu Vorderthaler und zu Schübelbachner Gemeindegebiet gehört, beim Vorder Saalwald, hinter der Mutzenweid, trifft man auf eine grössere Hangrutschung. Schon bis hier ist man einer abenteuerlichen Strasse gefolgt, nun beginnt es erst richtig. Durch die Rutschung geht es auf- und abwärts, nach innen und nach aussen.

Gefahr sollte von der Rutschung momentan keine mehr ausgehen, um sie ist es seit neun Jahren wieder ruhig. Im Herbst vor zehn Jahren entdeckte der damalige Förster Kurt Ruhstaller die Erd- und Waldbewegung. Es hatte 2010 aussergewöhnlich viel geregnet. Dies brachte den geologisch «Flysch» genannten, tonhaltigen Boden auf der Molasse in Bewegung. Dass der Boden zur Vernässung neigte, trug das ihre dazu bei, dass der Hang «kam».

Auf der Boulevard-Seite berichtete der March-Anzeiger am 11. Oktober 2010 über das Ereignis. Es gelte ernst, heisst es im Artikel, der Erdrutsch sei selten gross. Die Kantonspolizei Schwyz verfasste am 18. Oktober eine Medienmitteilung. Das Befahren und Begehen des Gebietes sei lebensgefährlich und verboten. Am 19. Oktober zog unsere Zeitung nach, indem sie nochmals auf die Gefahren hinwies.

Stauungen des Bachs befürchtet

Insgesamt 2 Mio. Kubikmeter Erde verteilt auf rund 19 Hektaren Wald- und Weidboden umfasste die Rutschung. Ein Fahr- und Gehverbot für das Trepsensträsschen, das auf 400 Metern verschüttet war, wurde erlassen, ein technischer Stab und ein Stab für Bevölkerungsschutz gebildet. Am Anfang überwachte man den «Schlipf» permanent, später täglich, weil man befürchtete, dass er den Bach zu einem bis zu 15 Meter tiefen See stauen könnte. Dieser hätte dann irgendwann ausbrechen können. Siebnen wäre in Gefahr gewesen. Es gab auch tatsächlich kleinere Stauungen, aber dabei blieb es. Man entfernte Baumstämme aus dem Bachbett per Motorsäge und Helikopter und begann schliesslich im Frühjahr 2011 das Rutschgebiet aufzuräumen.

Bäume waren umgeknickt wie Zündhölzer, andere standen schief und drohten umzukippen. Eine Glarner Spezialfirma führte die Holzerarbeiten mit Hilfe von sechs Holzerseilbahnen aus. Die Stämme wurden zu einem Platz bei der Mutzenweid geseilt. Peter Schilliger, Förster des Wägitals, erinnert sich: «Ich hatte soeben als Revierförster angefangen, als es geschah. Beim Aufräumen konnten die Forstarbeiter kaum auf den Boden treten, sie balancierten meistens auf den Bäumen.» Es konnten unter extremen Bedingungen 5000 Kubikmeter Rundholz genutzt werden.

Viehweg statt Strasse

Sein Vorgänger Kurt Ruhstaller, der die Rutschung entdeckt hatte und die Kontrollen ausführte, koordinierte auch die Arbeiten. So wurde nach den Holzerarbeiten ein Viehtriebweg erstellt, der eher ein Notweg war als eine Strasse. Er konnte nur mit Raupenfahrzeugen oder einfachen Transportern befahren werden, dies ist einem Brief des damaligen Technischen Leiters des Krisenstabs, Hermann Reichstetter, zu entnehmen.

Auch die Flurgenossenschaft Trepsen schaltete sich in diesem Grossereignis ein. Sie empfahl den Alpbesitzern und Alppächtern für die Organisation der Alpsaison die landwirtschaftliche Beratungsstelle anzurufen. Und sie bot selbst Unterstützung an, wie aus einer Orientierung an die Mitglieder von 2011 zu entnehmen ist.

Heute wieder bewachsen

Das Jahr 2011 wurde ein trockeneres Jahr und das Wasser konnte durch vertikale Risse ablaufen. Der Erdrutsch beruhigte sich wieder. Heute ist es im Gebiet der Hauptrutschung immer noch ruhig. Erlen, die damals gepflanzt wurden, weil sie fast als einzige in diesem «Pfludi» wachsen können, erobern sich den oberen Teil der abgeholzten Fläche zurück. Im unteren, weniger betroffenen Teil wachsen auch Fichten oder Buchen und an den Rändern kann man junge Tännchen ausmachen.

Die Ruhe kann jedoch täuschen. In benachbarten Hängen sieht es ähnlich aus wie im Hauptrutsch vor zehn Jahren, einfach kleinräumiger. In den 1960er-Jahren gab es im Unteren Spitzwald bereits eine grosse Rutschung. Der Boden im Trepsental ist also aktiv. Genau genommen folgt er mit Hilfe des Wassers der Schwerkraft.

Eine technische Lösung für den «Schlipf», beispielsweise eine Entwässerung, wurde ausgeschlossen – gut, ist er selbst zum Stillstand gekommen.

  • So sieht die teils eingewachsene Rutschung heute aus.
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  • Die Zerstörungskraft des Erdrutsches 2010 war verheerend.
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Urs Attinger, March24