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Wangen
09.07.2020

«Menschen mit Behinderung bringen andere Perspektive»

Procap-Präsident Urs Vogt freut sich, dass die Geschäftsstelle Pfäffikon kürzlich ins ehemalige Gemeindehaus Brüel umziehen konnte. (Bild: Heidi Peruzzo)
Procap ist eine Selbsthilfeorganisation für Menschen mit Handicap. Als Präsident der Sektion March-Höfe arbeitet Urs Vogt aus Wangen ehrenamtlich daran, den Mitgliedern eine vollständige und uneingeschränkte Teilhabe am Leben zu ermöglichen.

Procap ist ein Verband von und für Menschen mit Behinderung. Auch Urs Vogt, Präsident der Sektion March-Höfe, besitzt ein Handicap, er hat eine Klumphand. Trotz einiger Hindernisse in seinem Leben liess er sich nicht unterkriegen und ist heute verheiratet, Vater von zwei Kindern und Besitzer eines Eigenheims.

Wie viele dieser Mitglieder unterstützt ihr aktuell?

Rund 200 Mitglieder werden ständig in sozialversicherungsrechtlichen Fragen durch unsere Beratungsstelle und den Rechtsdienst unterstützt und vertreten. Das heisst, wenn Probleme mit Versicherungen auftauchen, können die Mitglieder sich an uns wenden. Manchmal genügt auch ein erklärendes Gespräch. Zudem bieten wir niederschwellige Unterstützung bei Fragen zum Alltag im Zusammenhang mit einer Behinderung an.

Welche gesellschaftliche Unterstützung bietet ihr euren Mitgliedern?

Unsere Angebote wie Ausflüge und Grillplausch werden rege genutzt und tragen zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben bei. In regulären Zeiten besuchen rund 25 Personen unsere wöchentlichen Turn- und Schwimmstunden, etwa 15 Personen nehmen an den Höcks teil.

Wie seid ihr mit dem Behindertenheim Höfli in Wangen verbunden?

Die Sektion Procap March-Höfe See Gaster ist die Trägerorganisation des Behindertenwohnheims Höfli. Ich bin der Vizepräsident der Betriebskommission Höfli.

Procap ist ein Verband von und für Menschen mit Behinderung: Heisst das, dass alle Angestellten eine Behinderung haben?

Nein, nicht alle unsere Angestellten sind handicapiert. Im Vorstand, welcher unter anderem für die Strategie zuständig ist, haben Menschen mit Behinderungen aber die Mehrheit.

War die deformierte Hand für Sie ein Hindernis in Ihrem bisherigen Leben?

In gewissen Belangen schon. Ich wollte nach der Schule an die Kanti nach Pfäffikon. Ich wurde nicht aufgenommen – wegen meiner Behinderung.

«Ich wollte nach der Schule an die Kanti nach Pfäffikon. Ich wurde nicht aufgenommen – wegen meiner Behinderung.»
Urs Vogt, Präsident Procap Sektion March-Höfe

Was wäre Ihr Traumberuf gewesen?

Ich wäre sehr gerne Physiotherapeut geworden. Von diesem Berufswunsch wurde mir jedoch abgeraten, was ich eher nachvollziehen konnte als die Abweisung seitens der Kantonsschule. Ich habe mich für eine Ausbildung als Fachmann für Medizinisch-Technische Radiologie entschieden. Diesen Beruf übe ich noch heute aus und er befriedigt mich sehr.

Hat Ihre Behinderung Sie auch charakterlich geprägt?

Ja, ganz sicher. Ich wollte immer beweisen, dass ich alles genau so gut kann wie «normale» Menschen. Heute bin ich trotz Behinderung verheiratet, Vater von zwei Kindern, habe ein Eigenheim und bin in meinem Beruf für 15 Personen verantwortlich. Mein Ehrgeiz brachte mich stets vorwärts, auch wenn sich das manchmal als Boomerang erwies.

Wurden Ihre Fähigkeiten wegen der Klumphand schon falsch eingeschätzt?

Ja. Hier ein Beispiel: Ich war zu Besuch im «Höfli». Ein Besucher von auswärts fragte mich, ob ich auch da wohne. Als ich ihm erzählte, dass ich ein eigenes Haus habe, eine Familie mit Kindern und einen guten Job, wollte er mir das nicht abnehmen.

Was können uns behinderte Menschengeben?

Ihre Lebensfreude! Nach einem Besuch im «Höfli» staune ich immer wieder, wie gut die meisten der Bewohner mit ihrem Schicksal umgehen. Da kommen mir manchmal meine kleinen Probleme ganz nichtig vor. Menschen mit Behinderung können uns eine andere Perspektive aufzeigen.

Vollständiges Interview in der Dienstagsausgabe des «March-Anzeiger» und des «Höfner Volksblatt» zu lesen.

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Heidi Peruzzo, Redaktion March24/Höfe24