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Gesundheit
31.10.2022

Neue App für soziale Wahrnehmung entwickelt

Prof. Dr. Hennric Jokeit (r.) und sein Team haben eine innovative App entwickelt, um Menschen mit Störungen der sozialen Wahrnehmung zu helfen.
Prof. Dr. Hennric Jokeit (r.) und sein Team haben eine innovative App entwickelt, um Menschen mit Störungen der sozialen Wahrnehmung zu helfen. Bild: zVg / Paolo Dutto
Wer seine soziale Umwelt nicht richtig wahrnehmen kann, findet sich nur schwer in der Gesellschaft zurecht. Mit der App «Cosimo» will das Schweizerische Epilepsie-Zentrum Betroffenen helfen.

Hennric Jokeit, Leiter des Instituts für Neuropsychologische Diagnostik am Schweizerischen Epilepsie-Zentrum, und seine wissenschaftliche Mitarbeiterin Rebecca Johannessen haben eine App entwickelt, mit der schnell und zuverlässig getestet werden kann, ob die Wahrnehmung von Emotionen gestört ist.

Solche Störungen sind angeborene oder durch Krankheit oder Unfall verursachte Fehlfunktionen des Gehirns und können die Lebensqualität Betroffener, aber auch ihrer Angehörigen wesentlich beeinträchtigen. Sozialkompetenz und Empathie werden in unserer komplexen und sozial instabilen Welt immer wichtiger. Mobbing, Beziehungsprobleme und Streitigkeiten im Beruf prägen oft unseren Alltag. Eine Ursache dafür kann auch das Unvermögen sein, soziale Signale richtig lesen zu können. Mögliche Folgen sind Missverständnisse und Konflikte mit negativen Konsequenzen für die Lebensqualität aller Beteiligten.

Die Störung sozialer Wahrnehmung kann durch Hirnschädigungen wie Hirnschlag oder traumatische Hirnverletzung, Epilepsie, multiple Sklerose, Parkinson, Drogenmissbrauch, aber auch durch Depression und Schizophrenie ausgelöst werden. Die Erforschung solcher Wahrnehmungsdefizite bei neurologischen und psychiatrischen Patientinnen und Patienten steckt noch in den Kinderschuhen, weil sie nicht die grosse Mehrzahl der Patientinnen und Patienten betrifft. Anders als bei Menschen mit autistischen Störungen, wo diese Defizite heute gut erforscht sind. Jokeit und sein Team möchten hier eine wichtige diagnostische Lücke schliessen und die Ursachen und Folgen dieser häufig übersehenen Defizite in der sozialen Wahrnehmung besser verstehen.

App analysiert Reaktionen

Die App «Cosimo» zeigt kurze Videosequenzen, in welchen jeweils zwei Personen miteinander interagieren. Einer der beiden Personen soll das richtige Attribut aus drei vorgeschlagenen zugewiesen werden, z.B. aus den Auswahlmöglichkeiten «nervös», «liebevoll», «entspannt». Die Teilnehmenden sollen jeweils mit einem Klick auf den Bildschirm den passenden Begriff zuordnen.

Die App steht zurzeit für Testanwendungen auf deutsch, englisch, spanisch und norwegisch zur Verfügung. Ein Tool für Therapiezwecke befindet sich in Planung. Die App, die auch ethnische und sexuelle Diversität berücksichtigt, wird ständig weiterentwickelt.

cosimo-project.com

Hennric Jokeit

Prof. Dr. Hennric Jokeit ist Leiter des Instituts für Neuropsychologische Diagnostik und Bildgebung an der Klinik Lengg www.kliniklengg.ch, dem grössten Kompetenzzentrum für Epilepsie und andere anfallsartige Erkrankungen der Schweiz. Die Klinik wird getragen von der Schweizerischen Epilepsie-Stiftung in Zürich.

Schweizerische Epilepsie-Stiftung

Die Schweizerische Epilepsie-Stiftung (EPI) www.swissepi.ch ist ein eigener Mikrokosmos mitten in Zürich und erbringt mit ihren Betrieben auf gemeinnütziger Basis Dienstleistungen im Gesundheits-, Sozial- und Bildungswesen.

Im Zentrum der Stiftung stehen seit der Gründung 1'886 Menschen mit Epilepsie oder anderen neurologischen Erkrankungen. Die Stiftung setzt sich für deren Integration in der Gesellschaft ein. Das Areal ist zudem ein öffentlicher Begegnungsort und zertifizierter Naherholungsraum. Ein Restaurant, eine Gärtnerei mit Laden, eine Kirche, eine Bibliothek und eine Apotheke ergänzen das breite Angebot der EPI. Rund 1'000 Mitarbeitende sind für die EPI im Einsatz.

PD, Schweizerisches Epilepsie-Zentrum