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Gesundheit
23.10.2022

Wie kann man bei Bewusstlosigkeit helfen?

Steht der Atem still, muss sofort gehandelt werden
Steht der Atem still, muss sofort gehandelt werden Bild: arztsuche24.at
Steht der Atem still, bloss nicht zögern! Wer die Herzdruckmassage wagt, rettet sehr wahrscheinlich ein Leben. Wann diese Erste Hilfe angebracht und notwendig ist, und was dabei zu beachten ist, wird nachfolgend erklärt.

Stellen Sie sich folgende Situation vor: Ein paar Meter vor Ihnen auf dem Gehweg oder einem Parkplatz liegt ein älterer Mann. Rasch nähern Sie sich und sprechen ihn laut an, aber er antwortet nicht. Selbst als Sie ihn an seinem Arm anfassen, bleibt eine Reaktion aus.

Ursachen für Bewusstlosigkeit vielfältig

Der Mann ist bewusstlos. In diesem Zustand reagieren Menschen weder auf Ansprache noch auf Berührungen oder Schmerzreize. Eine Bewusstlosigkeit kann vorübergehend sein, etwa im Fall einer Ohnmacht, oder länger anhalten. Die Ursachen sind vielfältig. Eine verringerte Durchblutung des Gehirns aufgrund eines Schlaganfalls kann verantwortlich sein.

Andere Ursachen können Blutdruckprobleme oder Herzerkrankungen sein. Auch Blutzuckerentgleisungen bei Menschen mit Diabetes. Dazu kommen Schädel-Hirn-Verletzungen, Krampfanfälle, die Einnahme von Drogen oder Kohlenmonoxidvergiftungen.

Schluck- und Hustenreflexe ausgeschaltet

Wer bewusstlos ist, kann schnell ersticken: Weil Schluck- und Hustenreflexe ausgeschaltet sind, gelangen Blut oder Erbrochenes leichter in die Atemwege. Ausserdem kann eine erschlaffte Zunge im Hals nach hinten rutschen und den Eingang zur Luftröhre verschliessen.

Und es besteht die Gefahr eines Kreislaufstillstands: Tausende Menschen sind pro Jahr ausserhalb eines Krankenhauses betroffen, nur rund zehn Prozent von ihnen überleben. Hauptauslöser sind Herzerkrankungen. Damit zählt der Herz-Kreislauf-Stillstand in der Schweiz zu den häufigsten Todesursachen.

Wie kann man helfen?

Helferinnen und Helfer sollten zunächst überprüfen, ob die betroffene Person tatsächlich bewusstlos ist: sie laut ansprechen und zum Beispiel vorsichtig an den Schultern rütteln. Ausserdem ist so schnell wie möglich der Notruf 112 anzurufen – bitten Sie, sofern anwesend, Personen in der Nähe dafür konkret um Hilfe. Dann muss kontrolliert werden, ob die Atemwege des oder der Bewusstlosen frei sind und er oder sie richtig atmet. Dazu hebt die helfende Person mit einer Hand das Kinn des Betroffenen an und neigt den Kopf nach hinten.

Dann hält man sein Ohr über Mund und Nase des Betroffenen und kontrolliert über zehn Sekunden lang, ob sich der Brustkorb hebt und senkt, Atemgeräusche zu hören sind oder ein Luftstrom an der Wange fühlbar ist. Bei regelmäßiger Atmung kann die betroffene Person in eine stabile Seitenlage gebracht werden, um die Atemwege frei zu halten.

Wie funktioniert die Wiederbelebung?

Wenn der bewusstlose Mensch nicht atmet, ist davon auszugehen, dass sein Herz nicht mehr richtig schlägt. Er sollte schnellstmöglich wiederbelebt werden. In dieser Situation sollten Laien nicht zögern, sondern unbedingt aktiv werden: Mit einer Reanimation verdoppeln oder verdreifachen Helfende die Überlebenschancen der Betroffenen.

Die Wiederbelebung startet mit 30 Herzdruckmassagen, am besten auf einem harten Untergrund. Dazu kniet man seitlich neben der bewusstlosen Person, auf Höhe des Brustkorbs. Mit einer Hand tastet man nach dem knöchernen Brustbein in der Mitte des Brustkorbs und legt den Handballen auf das untere Drittel des Knochens. Die zweite Hand greift in die erste Hand hinein. Nun wird der Brustkorb fünf bis sechs Zentimeter tief eingedrückt. Die eigenen Arme bleiben dabei durchgestreckt: Die Kraft kommt aus dem Oberkörper, der sich von oben herunterbeugt.

Herzdruckmassagen und Atemspenden

Bei dem Drück-Tempo kann man sich am bekannten Hit »Stayin' alive« der Bee Gees orientieren; angepeilt werden sollte eine Geschwindigkeit von 100 bis 120 Drückern pro Minute. Nach 30 Herzdruckmassagen folgen zwei Atemspenden: Bei der Mund-zu-Mund-Beatmung hält man die Nase des Empfängers zu, umschliesst dessen Mund mit den eigenen Lippen und atmet rund eine Sekunde lang aus.

Die Atemspende funktioniert, wenn der Brustkorb sich leicht anhebt. Fängt der Betroffene danach von selbst an zu atmen, ist das ein Zeichen dafür, dass sein Kreislauf wieder allein arbeitet. Dann kann die Reanimation beendet werden. Sonst wird die Herzdruckmassage zügig fortgesetzt. Diesen 30 zu 2-Rhythmus behält man so lange bei, bis ein Notfallteam eingetroffen ist oder die Person wieder bei Bewusstsein ist, normal atmet, hustet und schluckt.

Automatisierter Defibrillator

Falls mehrere Helfende anwesend sind, sollten sie sich alle zwei Minuten abwechseln. Ist ein automatisierter Defibrillator (AED) in der Nähe (erkennbar an einem grünen Hinweisschild mit Herz-Symbol), kann eine zweite Person das Gerät dazu holen. Die Reanimation soll aber nicht unterbrochen werden. Vor der Bedienung braucht man nicht zurückzuscheuen: Der AED erklärt über Zeichnungen und Sprachkommandos, was wann zu tun ist.

Wenn Rettungskräfte eingetroffen sind, fahren diese zunächst mit den Wiederbelebungsmassnahmen fort, um den Kreislauf zu reaktivieren. Ist der oder die Betroffene stabil genug, geht die Fahrt zügig ins Krankenhaus. Nach erfolgreicher Reanimation wird der oder die Patientin intensivmedizinisch überwacht. Dann begeben sich die Mediziner auf Ursachensuche, um eine spezifische Weiterbehandlung starten zu können.

rheintal24/gmh/uh/spektrum/March24&Höfe24