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Leserbrief
Leserbriefe
18.09.2022
19.09.2022 14:09 Uhr

Leserbriefe zur Abstimmung über die AHV-Reform

Signet AHV/IV
Signet AHV/IV Bild: toggenburg24/Web/freie Nutzung
Die Reform sieht neu ein Rentenalter von 65 Jahren für Frauen vor. Derzeit beträgt das Rentenalter 64 Jahre. Zusätzlich soll die Mehrwertsteuer erhöht werden.

In Form von Leserbriefen äussern unsere Leserinnen und Leser ihre Meinung. Sie argumentieren für oder gegen die Reform oder hinterfragen sie kritisch.

Gleich und berechtigt?
Am 25. September entscheiden wir darüber, ob das Rentenalter für Frauen auf 65 erhöht wird. Zeitgleich möchte man zur Finanzierung der AHV die Mehrwertsteuer um 0,4 Prozent erhöhen. Frauen und Männer sollen bezüglich AHV Alter gleich gestellt werden, um die angebliche Finanzierungslücke zu beheben. Mir ist die Gleichberechtigung ein wichtiges Anliegen. Wenn ich diese Vorlage aber genauer studiere, so fällt auf, dass die Voraussetzungen für diese Gleichstellung überhaupt noch nicht gegeben sind: Die Renten der Frauen liegen heute schon fast 40 Prozent unter jenen der Männer, weil sie weniger verdienen und sich mehr um Familie und Haushalt kümmern. Betroffen sind vor allem Frauen, die im Niedriglohnsegment arbeiten. Gleich ist eben nicht gleich.

Zusätzlich frage ich mich, warum wir im Wissen, dass die AHV über ein Kapital von 50 Milliarden Franken verfügt, wieder über eine solche Abbaureform abstimmen sollen. Deshalb stimme ich zweimal Nein zu den AHV-Vorlagen.

Verena Vanomsen, Freienbach

AHV hat kein Frauenproblem
Obwohl Männer mehr Geld zur Finanzierung der AHV beisteuern, erhalten Frauen im Schnitt leicht höhere AHV-Renten. Frauen werden benachteiligt, wenn sie die eigene Berufskarriere zugunsten derjenigen ihrer Männer zurückstellen. Die meist unbezahlte Betreuungsarbeit bleibt an den Müttern hängen. Somit können sie weniger Geld für den Ruhestand zur Seite legen. Für die vielen offenen Fragen hat unsere Gesellschaft als Ganzes ein Gleichstellungsproblem – mit der AHV hat dies nichts zu tun. Die Angleichung des Pensionsalters von Mann und Frau wird von den Gegnern geschickt und unfair gegenüber der nächsten Generation zur Gleichstellungsfrage hochstilisiert.

Ein Nein am 25. September löst kein einziges Gleichstellungsproblem und würde die AHV nur noch näher an den finanziellen Abgrund bringen. Nach dem Scheitern von drei Reformanläufen für die Altersvorsorge wäre eine weitere Ablehnung ein Armutszeugnis für die direkte Demokratie. Weil wir immer älter werden, ist Handlungsbedarf offensichtlich.

Bei der neuen Regelung ist nun ein Ausgleich in Form eines Rentenzuschlages für die ersten neun betroffenen Jahrgänge vorgesehen, der den Frauen zugute kommt. Mit einer vorgeschobenen Gleichstellungsdebatte riskieren die Gegner der AHV 21, dass die Jungen die Folgen unserer Reformunfähigkeit ausbaden müssen.

Deshalb stimme ich zweimal Ja zur AHV 21-Reform.

Willi Kälin, Kantonsrat FDP.Die Liberalen, Pfäffikon

Weniger gut Verdienende profitieren
Vor der Pensionierung macht man sich Gedanken, ob eine Frühpensionierung finanziell tragbar ist. Ich habe, auch aus finanziellen Überlegungen, gerne bis 65 gearbeitet. Wenn jetzt das Rentenalter für Frauen angehoben werden soll, profitieren vor allem die weniger gut Verdienenden: Sie ha-ben ein zusätzliches Jahresgehalt, eine höhere Pensionskasse und eventuell eine höhere AHV. Wie man unter die-sen Umständen gegen die Erhöhung des Rentenalters für Frauen sein kann, weiss ich nicht.

Stefan Abt, Buttikon

AHV-Revision drängt, BVG-Revision offenbar nicht

Die aktuelle Diskussion um die AHV-Vorlage vom 25. September dreht sich um die Erhöhung des Rentenalters für die Frauen und die Erhöhung der Mehrwertsteuer zur Finanzierung der AHV. Dabei wird betont, dass die Finanzierung der AHV dringendst gesichert werden muss.

Weniger bekannt ist, dass mit der AHV-Revision ergänzend zur bereits heute bestehenden Möglichkeit einer Früh-Pensionierung neu die Teil-Pensionierung eingeführt werden soll. Männer und Frauen können sich damit zwischen 63 und 70 Jahren schrittweise zur Ruhe setzen und ihre Rente teilweise beziehen oder teilweise aufschieben.

Die Möglichkeit einer Teil-Pensionierung wird im Rahmen dieser Vorlage nicht nur für die AHV, sondern gleichzeitig auch für das BVG vorgesehen. Es findet also bereits mit der AHV-Revision eine Mini-BVG-Revision statt. Diese Flexibilisierung ist vor allem für die in Vollzeit Tätigen vorteilhaft und damit mehrheitlich für Männer. Die Sozial- und Gesundheitskommission des Ständerats (SGK-S)hat vor Kurzem die eigentliche BVG-Revision erneut zurückgestellt. Diese hätte eine Reduktion des Koordinationsabzugs gebracht. Damit hätten vor allem die oft nurteilzeitlich arbeitenden Frau-en von Gesetzes wegen einen grösseren Teil ihrer erarbeiteten Einkünfte versichern und ihre Renten verbessern können. Die gesetzliche Verbesserung für Frauen lässt also weiterhin auf sich warten sowie die ebenfalls drängende Sicherung der BVG-Renten. Zurück zur AHV-Revision: In den Abstimmungserläuterungen heisst es, dass die Kürzungen beim bereits heute möglichen Rentenvorbezug, also der Früh-Pensionierung, und die Zuschläge beim Rentenaufschub an die durchschnittliche Lebenserwartung angepasst und entsprechend gesenkt werden sollen. Dieser Punkt soll nach dem Willen des Parlaments im Jahr 2027 in Kraft treten. Mit anderen Worten soll ab 2027 die vorbezogene Rente erhöht und die aufgeschobene Rente reduziert werden, wobei wir heute noch nicht wissen um wieviel. Damit wird die Früh-Pensionierung attraktiver und vor allem denjenigen nützen, die während des Arbeitslebens Vermögen bilden konnten. Auch das sind mehrheitlich Männer. Die Angleichung des Rentenalters für die Frauen soll dazu beitragen, die AHV zu sichern. Mit der Sicherung der BVG-Renten kann man offenbar zuwarten. Oder wird es die BVG-Revision erst bei einem JA zur AHV-Revision geben? Übrigens, für die mehrheitlich von Frauen geleistete gratis Care-Arbeit gibt es (noch) kein Pensionsalter. Hoffentlich nutzt die SGK-S die Zeit für eine echte Nachbesserung zum Beispiel, dass die Care-Arbeit BVG-versichert werden kann.

Monique Schnell Luchsinger, Pfäffikon

Nein zum AHV-Abbau

In den letzten drei Jahren machte die AHV über sechs Milliarden Franken Gewinne und hat heute ein rekordhohes Eigenkapital. Sie wird schon lange zu Unrecht schlecht geredet, denn mit dem Erfolgsmodell der AHV lässt sich halt viel weniger Geld verdienen, als mit Pensionskassen und mit dritte Säule-Sparen. Die Erhöhung des Frau-en Rentenalters ist darum keineswegs nötig und auch nicht berechtigt.

Frauen leisten noch heute viel mehr unbezahlte Haushaltarbeit. Erst Recht die heute 50-jährigen Frauen, die vor zwanzig oder dreissig Jahren ihre Kinder hatten. Sie sind damals von der Gesellschaft schräg angeschaut worden, wenn sie gleich viel auswärts arbeiten gegangen wären, wie ihre Partner. Die Renten der Frauen sind darum heute einen Drittel tiefer als diejenige der Männer. Es ist darum mehr als gerechtfertigt, dass Frauen ein Jahr früher in Pension gehen dürfen.

Andreas Marty, alt-Kantonsrat, Einsiedeln

 

 

 

Redaktion March24 & Höfe24