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Leserbrief
Leserbriefe
17.09.2022
12.09.2022 16:01 Uhr

Leserbriefe zur Abstimmung über die Verrechnungssteuerreform

Bild: shutterstock.com
Die Vorlage sieht vor, inländische Obligationen von der Verrechnungssteuer zu befreien. Details dazu im Video.

Worum es in der Initiative genau geht, wird im Video unten erklärt.

In Form von Leserbriefen äussern unsere Leserinnen und Leser ihre Meinung. Sie argumentieren für oder gegen die Reform oder hinterfragen sie kritisch.

Geld zurück in die Schweiz
Die Verrechnungssteuerreform hilft den Unternehmen und macht unseren Wirtschaftsstandort attraktiv. Und die Schweiz profitiert erst noch von höheren Einnahmen.

Die Gegner der Reform behaupten, dass nur grosse Unternehmen profitierten – und zwar auf Kosten von Bund, Kantonen und Gemeinden. Das ist aus zwei Gründen falsch. Erstens holen wir das ins Ausland abgewanderte Anleihengeschäft zurück in unser Land. Das schafft Mehreinnahmen und Wertschöpfung in der Schweiz statt in Luxemburg. Zweitens werden Bund, Kantone und Gemeinden direkt von günstigen Konditionen bei der Kapitalaufnahme profitieren. Mit der Reform könnten Bund, Kantone und Gemeinden so rund 60 bis 200 Millionen Franken pro Jahr an Zinskosten sparen. Und alles, was der Staat einspart, müssen wir Steuerzahler nicht zusätzlich abliefern.

Hermann Graf, Pfäffikon

 

Nur noch für Sie und mich?
Wir alle kennen Verrechnungssteuern. Diese werden bankseitig erhoben, werden jedoch zurückerstattet, wenn die entsprechenden Beträge in der Steuererklärung korrekt deklariert werden. So machen Sie das mit Ihren Bankeinlagen, und so mache ich das. Der Bundesrat schreibt dazu: «Die Steuer bezweckt in erster Linie die Eindämmung der Steuerhinterziehung.» Dieses einfache und nachvollziehbare Prinzip soll jetzt bei Ihnen und mir erhalten bleiben, für 200 Grosskonzerne jedoch abgeschafft werden. Damit entfällt für diese der Anreiz, bei den Steuern nicht zu schummeln. Das könnte zu Steuerausfällen von mehreren 100 Millionen Franken jährlich führen. Ich finde das ungerecht und stimme Nein zur Verrechnungssteuervorlage.

Guy Tomaschett, SP-Kantonsrat, Freienbach

Kleine Reform mit grossem Potenzial
Mit der Verrechnungssteuerreform besteht die Möglichkeit, eine aufwendige, bürokratische Hürde abzubauen. Bei der Kapitalaufnahme (Ausgabe von Obligationen) haben Unternehmen in der Schweiz schlechtere Bedingungen als im Ausland. Diese Ungleichheit wird durch die Reform abgeschafft. Die Reform betrifft nur einen kleinsten Teil der Verrechnungssteuer von rund sechs Prozent der Einnahmen. Es besteht aber das grosse Potenzial, mehr Finanzierungen von Unternehmen wieder in die Schweiz zurückzuholen. Heute werden Anleihen von Schweizer Unternehmen beispielsweise in Luxemburg im grossen Stil herausgegeben. Diese damit verbundenen Arbeitsplätze und verlorenen Steuern wollen wir wieder in der Schweiz. Deshalb lege ich am 25. September ein überzeugtes Ja zur Verrechnungssteuerreform in die Urne.

Urs Rhyner, FDP-Kantonsrat, Schindellegi

Nein zu neuem Schlupfloch
Die Abschaffung der Verrechnungssteuer ist eine Einladung für Steuerkriminelle. Für Grossanleger und Oligarchen würde es einfacher, bei den Steuern zu betrügen. Die Befürworter behaupten, die Vorlage helfe der Schweizer Wirtschaft. Fakt ist aber: Normale KMUs würden nicht von der Abschaffung profitieren, sondern lediglich rund 200 Konzerne. Auch Sie und ich müssten weiterhin Verrechnungssteuern bezahlen. Diese Ungleichbehandlung ist völlig unverständlich. Das Pro-Lager verbreitet auch bewusst falsche Zahlen und redet die finanziellen Folgen der Vorlage klein. Fakt ist jedoch: Die Ausfälle werden massiv, denn mit den steigenden Zinsen steigen auch die Verrechnungssteuern. Gemäss Angaben des Bundes dürften durch die Abschaffung dem Staat jedes Jahr bis zu 800 Millionen Franken fehlen. Mindestens 480 Millionen Franken davon würden direkt ins Ausland in die Taschen von Grossanlegern und Steuerkriminellen abfliessen. Die Kosten trägt die Bevölkerung. Die Betrüger werden belohnt, die normale Bevölkerung bezahlt die Ausfälle. Darum sage ich Nein zur Verrechnungssteuer- Vorlage.

Andreas Marty, SP-Kantonsrat, Arth/Einsiedeln

Redaktion March24 & Höfe24