Das Leben ihrer Kollegin riskiert
Ebenfalls mit ihrer Teamkollegin Nadine Grossniklaus erlebte die Einsiedlerin ihren gefährlichsten Moment in der abgeschiedenen Bergwelt von Grönland. Die beiden jungen Frauen waren Klettern in einer 700 Meter hohen Wand. Franziska Schönbächler hatte in der zehnten Seillänge einen Stein weggenommen, um einen «Friend» (Klemmgerät) zu setzen.
«Dieser war zwar perfekt, aber ich konnte den Stein, welcher so gross wie eine Honigmelone war, nicht mehr hinlegen. Weil wir die Wand in einem Tag klettern wollten, war der Druck da, schnelle Entscheidungen zu treffen.» Sie entschied sich, den Stein in eine andere Richtung als zum Stand ihrer Kollegin zu werfen. Gemäss ihren Einschätzungen hätte er in die hintere Verschneidung fallen sollen.
Er prallte jedoch auf der Kante ab und fiel direkt in die Verschneidung, wo ihre Kollegin sicherte. «Ich hatte Riesenangst um sie. Mit meiner Fehlentscheidung habe ich ihr Leben riskiert. Es waren wohl all unsere Schutzengel vor Ort.» Sie macht sich noch heute grosse Vorwürfe und weiss, dass sowas nie hätte passieren dürfen.
Von Mücken, Eisbären und Zwischenmenschlichem
Die vielen Mücken und Fliegen haben ihrer Motivation stark zugesetzt. «Du kannst dich nicht waschen, ohne von 20 Mücken gestochen zu werden, welche in jede exponierte Körperöffnung kriechen, wenn du ihnen nur eine Sekunde Gelegenheit dazu bietest», erinnert sich die Bergsteigerin an die unangenehmen Seiten des Abenteuers.
Auch Eisbären waren ein Thema: Die jungen Frauen haben sich in einem Dorf zur Sicherheit ein Gewehr gekauft, natürlich hatte keine von ihnen Erfahrung im Schiessen. «Spuren haben wir gefunden, aber zu Gesicht haben wir keinen Eisbären bekommen».
Auf der Heimfahrt erfuhren sie, dass ihr Basecamp auch als «Highway der Eisbären» bekannt sein. Diese werden auf Packeis von der Ostküste in den Süden geschwemmt und die Strömung treibt sie in den Fjord, wo sich die Schweizer Gruppe die ganze Zeit aufhielt.