Home Region Sport Agenda In-/Ausland Magazin
Vorderthal
02.10.2022
02.09.2022 15:18 Uhr

Als Gestein und Schlamm das Wägital unter sich begrub

Die Wägitalstrasse war mit bis zu 6 Meter hohen Geröllbergen bedeckt.
Die Wägitalstrasse war mit bis zu 6 Meter hohen Geröllbergen bedeckt. Bild: March-Anzeiger
1969 ereignete sich im Wägital ein gewaltiger Erdrutsch, der vier Todesopfer forderte und Vorderthal sowie Innerthal für Wochen teilisolierte.

Vollbremse – gerade noch rechtzeitig. Vor dem Auto, das von Siebnen herkommend gerade den Eingang des Wägitals passiert hatte, ging ein Strom aus Schlamm und grobem Gesteinsmaterial nieder. Ein Felsbrocken versperrt den beiden Autoinsassen den Weg.

Einer der beiden Männer steigt aus, um das Gestein wegzuschaffen – Minuten später ist er tot, denn: Kaum steht der Märchler auf der Strasse, gerät der Berg abermals heftig ins Rutschen und zieht den Mann in die Tiefe.

Sein Kollege im Auto muss alles mitansehen. Panisch blickt er sich um, und entdeckt ein weiteres Auto. Es ist auf der Fahrt talauswärts und wird beim Erdrutsch ebenfalls vollständig von der Strasse und in die Tiefe gerissen. Für die Schockstarre bleibt keine Zeit, er stürzt aus dem Auto – und kann sich retten.

150'000 Kubikmeter Erde

Das Beschriebene ereignete sich ebenfalls am 30. Tag eines Monats – und zwar am 30. März 1969. An diesem Tag ereignete sich im Wägital der in Erinnerung gebliebene Bergsturz, der vier Menschen das Leben kostete und das Tal für Wochen teilisolierte.

Auf einer Länge von 180 bis 200 Metern wurde die Wägitalstrasse mit rund 150'000 Kubikmetern Erde verschüttet, hiess es zwei Tage darauf im «March-Anzeiger».

Am Tag respektive in der Nacht des Bergsturzes waren den Rettungsmannschaften die Hände gebunden. Durch die ständige Bewegung des Hanges, seien mehrere Massen nachgerutscht.

Mann aus der March und dreiköpfige Familie gestorben

Am nächsten Morgen wird in Erfahrung gebracht, um wen es sich bei den weiteren drei Opfern handelt: Es ist eine junge Familie – Vater, Mutter und Kind. Der Mann hatte sich in Vorderthal als Lehrer beworben und hätte seine Arbeit nach Ostern angetreten.

Der 25-Jährige kann nach fünfstündiger Suche aus dem verschütteten Auto mit St. Galler Kennzeichen geborgen werden. Die Frau und das Kind hätten sich nicht mehr im Fahrzeug befunden.

Gegen Abend des 31. März wird die Suche eingestellt, da wieder mehrere kleine Rutsche den Hang runtergegangen seien.

Wägitalstrasse längere Zeit nicht befahrbar

In einer Medienkonferenz in Siebnen erklärt ein Experte, dass das Dorf Siebnen nicht ganz ausser Gefahr sei und durch die gestauten Wassermassen der Wägitaleraa bedroht werden könnte.

Durch den Erdrutsch wurde die Wägitalstrasse vollständig unbefahrbar. Im Bericht des «March-Anzeigers» ist von drei Monaten die Rede. Die einzig verbleibende Strasse, die von Einsiedeln über Willerzell und Sattelegg führte, war damals noch eingeschneit. Mit deren Öffnung sei aber sofort begonnen worden.

Seitens der Automobilabteilung der PTT hiess es, dass der Postautoverkehr zwischen Siebnen und Vorderthal/Innerthal über die Sattelegg aufrechterhalten werde. Die Route führte von Siebnen nach Einsiedeln über die Sattelegg nach Vorderthal.

Erika Unternährer, Redaktion March24 & Höfe 24