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Geld & Energie
27.08.2022
26.08.2022 13:11 Uhr

CEO der EW Höfe rät zum sofortigen Energiesparen

Es lohnt sich, jetzt schon so wenig Strom wie möglich zu verbrauchen.
Es lohnt sich, jetzt schon so wenig Strom wie möglich zu verbrauchen. Bild: Adobe Stock
Die Unsicherheit rund um eine Strommangellage wird grösser. Wir haben mit Arne Kähler, CEO der EW Höfe AG, über individuelle Massnahmen gesprochen.

Wird es diesen Winter genug Strom haben oder müssen wir mit Einschränkungen rechnen?

Es müssten schon viele verschiedene Faktoren gleichzeitig eintreten, damit eine Strommangellage eintritt. Das wären etwa ein sehr kalter Winter bei gleichzeitig tiefem Füllstand der Speicherseen, ein gleichzeitiger Ausfall mehrerer Kernkraftwerke in der Schweiz und eingeschränkte Stromimportmöglichkeiten aus dem Ausland. Es wird auf allen Ebenen intensiv an Lösungen gearbeitet, um die Versorgungssicherheit vor allem im Winter zu stärken.

Wird gar der Strom abgestellt?

Falls es zu einer Mangellage kommt, entscheidet der Bundesrat über die Bewirtschaftungsmassnahmen, welche von der Strombranche, denUnternehmen und der Bevölkerung umzusetzen sind. Im besten Fall gelingt es mit freiwilligen Spar-Appellen und Verbrauchseinschränkungen, eine Mangellage zu vermeiden. Sollte dies nicht gelingen, greifen Kontingentierung von Grossverbrauchern (Stromkonsum um eine bestimmte Menge in einem gewissen Zeitraum reduzieren). Reicht auch dieses nicht, muss der Bundesrat zum äussersten Mittel greifen – den rollierenden Netzabschaltungen. Welche Massnahmen erforderlich sind, entscheidet der Bundesrat immer abhängig von der jeweiligen Krisensituation und dem abgeschätzten Einsparbedarf.

Arne Kähler, CEO der EW Höfe AG, rät zum Energiesparen, ohne in Alarmismus zu verfallen. Bild: EW Höfe

Wir müssen uns also nicht mit Kerzen und Brennholz eindecken, wie es der Elcom-Chef ankündigte?

Noch befinden wir uns im Normalzustand. Es wäre falsch, jetzt in Alarmismus zu verfallen. Das bedeutet aber nicht, dass wir die Situation nicht ernst nehmen sollten. Ich empfehle generell die Haltung eines persönlichen Notvorrats von Wasser, Lebensmitteln und Ähnlichem. Je nach individueller Lebenssituation kann eine stromlose Kochgelegenheit, eine Taschenlampe, auch Ersatzbrennmaterial helfen. Das BWL (Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung) gibt auf seiner Webseite sehr gute Tipps.

Was kann die Gesellschaft, die Wirtschaft, ja jeder Einzelne, jede Einzelne tun?

Wir alle können schon heute einen Beitrag leisten, indem wir kurzfristig weniger Strom und Gas brauchen. Jede Kilowattstunde zählt – nicht nur die produzierte, sondern auch die eingesparte.

Hat hier jemand eine Entwicklung verschlafen? Wer wäre für die Versorgungssicherheit zuständig?

Die Versorgungssicherheit ist prioritär und dringlich – und die Winterversorgung ist dabei der Knackpunkt. Für die Umsetzung der energie- und klimapolitischen Ziele braucht es einen massiven Ausbau der erneuerbaren Energien in der Schweiz, mit Fokus auf die Winterproduktion. Damit dies gelingt, müssen von der Politik die Planungssicherheit und die Investitions-bedingungen für erneuerbare Energien verbessert werden. Die Strombranche weist seit Jahren auf diese Probleme hin. Als EW Höfe haben wir bereits vor Jahren entschieden, unsere lokale Stromproduktion auszubauen und unseren eigenen Beitrag zur Versorgungssicherheit zu leisten. Mit der Fertigstellung des Holzheizkraftwerks in Galgenen, das Stromproduktion und Fernwärme für bis zu 9'000 Haushalte liefert, haben wir in diesem Jahr einen wichtigen Meilenstein erreicht.

Wird sich in einem Jahr alles wieder ausgleichen oder müssen wir in Zukunft mit einer Strommangellage leben?

Ohne eine Veränderung der geopolitischen Lage bleibt das Risiko einer Mangellage auch in den nächsten Jahren bestehen.

Strompreise in den Höfen steigen, aber nicht existenziell

Zwischen 3 und 25 Prozent mehr müssen die Höfnerinnen und Höfner nächstes Jahr für den Strom bezahlen. Günstiger kommen nun ausgerechnet jene, die die bis anhin teurere einheimische regionale Energie orderten. Durch Effizienzmassnahmen und den Ausbau der Produktionsmengen könne dieser Preis für 2023 sogar um 8 Prozent gesenkt werden. Wer auf den nun plötzlich attraktiveren regionalen Strom umsteigen möchte, kann ab 3. Oktober ausschliesslich über das Online-Kundenportal  ewh.ch/neues-kundenportal den Produktwechsel vornehmen. 

Strompreis im Bezirk March steigt um 15 Rappen pro kWh

Wie die Energie March Netze AG, die für neun Märchler Elektrizitätswerke den Stromeinkauf besorgt, mitteilt, steigen die Kosten für eine Kilowattstunde Strom um 15 Rappen pro kWh. 

Auf eine Vier-Zimmerwohnung gerechnet mit einem Durchschnittsverbrauch von 4500 kWh pro Jahr, verteuert sich der Jahresbedarf für diese Wohneinheit um satte 675 Franken auf total 1525 Franken. Die Stromrechnung kann noch höher ausfallen. Das hängt davon ab, wie viel das jeweilige EW auf den Strompreis aufschlägt, erlaubt sind maximal 60 Franken. 

Die Stromkosten sind im Übrigen zweigeteilt, Verbraucher bezahlen für den bezogenen Strom und für die Netznutzung. Früher war das Verhältnis hier 40 (Strom) zu 60 Prozent (Netz). Aufgrund der höheren Strompreise dürfte das Verhältnis künftig 50/50 sein. Ihre neuen Strompreise müssen die Elektrizitätswerke bis 1. September kommunizieren.

Die kleinen Wasserkraftwerke an Sihl und Krebsbach wie auf dem Bild das Kraftwerk Bäch sind mehr als nur Nostalgie. Sie liefern dem EW Höfe zusammen mit den Solaranlagen inzwischen 35 Prozent der Energiemenge – und dies günstiger als beim eingekauften Strom. Bild: zvg
Andreas Knobel, Redaktion March24 & Höfe24