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09.08.2022

Calfeisental: Voraussetzungen für Wolf-Abschuss nicht gegeben

Gestörtes Idyll: Die eigentlich heimelige Alp Brändlisberg im Calfeisental.
Gestörtes Idyll: Die eigentlich heimelige Alp Brändlisberg im Calfeisental. Bild: Bild Nadine Bantli
Der Wolf, der auf der Alp Brändlisberg ein Grossvieh gerissen hat, muss nicht mit einem Abschuss rechnen. Wie der Kanton St. Gallen mitteilt, seien die rechtlichen Voraussetzungen dafür nicht erfüllt.

Gleich dreimal haben im Calfeisental – beziehungsweise in der Gemeinde Pfäfers – in den letzten Wochen Wölfe nachgewiesenermassen Nutztiere gerissen. Neben dem toten Galtvieh auf der Alp Brändlisberg starben am 4. August auf der Alp Tersol vier Auen (Mutterschafe) und zwei Lämmer. Eine der Auen musste vor Ort von ihren Leiden erlöst werden. Am 7. Juli wurde zudem auf der Alp Schräa eine Ziege gerissen. Am Montag, 8. August, ist die Anwesenheit von Wölfen auch auf dem Gamserälpli (ebenfalls Gemeinde Pfäfers) nachgewiesen worden. Dort fanden sich Kotspuren. Hinzu kommt der Riss zweier Schafe am 30. Juli. Dieser fand in der benachbarten Gemeinde Mels auf der Alp Valtüsch statt. Sämtliche dieser Risse und Sichtungen werden vom Kanton St. Gallen auf Anfrage bestätigt.

«Hochemotionale Situation»

Der Zwischenfall auf der Alp Brändlisberg ist insofern speziell, als dass es sich dabei um den ersten bestätigten Riss eines Grossviehs im Kanton St. Gallen handelt. Die Alp umfasst eine Fläche von rund 230 Hektare und liegt an der rechten Flanke im Calfeisental hoch über der ehemaligen Walsersiedlung St. Martin und dem Stausee Gigerwald. Besitzerin ist die Ortsgemeinde Bad Ragaz. Zuständig für das Ressort Landwirtschaft und Alpwirtschaft ist Robert Danuser.

Auch er bestätigte gegenüber der Redaktion des "Sarganserländers" den Riss des Rindviehs auf der Alp Brändlisberg. Auf der Alp herrsche deswegen grosse Bestürzung. Die Situation sei sehr schwierig und die Verunsicherung bei den betroffenen Pächtern riesig. Diese könnten die Tiere nun wegen der latent drohenden Gefahr nicht mehr an exponierteren Stellen weiden lassen. Hinzu sei auf der Alp das Wasser teilweise knapp, was die Situation weiter verkompliziere. Kein Thema ist im Moment eine Abschussbewilligung für Wölfe im Calfeisental. «Die rechtlichen Voraussetzungen für einen Abschuss sind nicht erfüllt», sagt Dominik Thiel als Leiter des kantonalen Amtes für Natur, Jagd und Fischerei.

Dazu müssen entweder mindestens zehn Schafe oder Ziegen innerhalb von vier Monaten aus einer geschützten Herde oder mindestens zwei Stück Grossvieh durch einen einzelnen Wolf gerissen werden. Abschüsse in Jagdbanngebieten sind zudem nicht zulässig. Die Alp Brändlisberg liegt im Jagdbanngebiet Graue Hörner. Thiel: «Selbst wenn die Voraussetzungen für eine Abschussbewilligung erfüllt wären, dürfte das Tier nicht innerhalb dieses Gebietes gejagt werden.»

Geier als Sommergäste

Am Kadaver des Rindes auf der Alp Brändlisberg hatten sich zudem rund 30 Geier gütlich getan. Thiel sagte, dass es sich dabei um Gänsegeier gehandelt hatte. Deren Anwesenheit in der Region sei bekannt. Die Gänsegeier sind in der Schweiz nicht ansässig, halten sich während der Sommermonate seit wenigen Jahren aber vermehrt auch im nördlichen Mitteleuropa auf.

sardona24/rv/March24&Höfe24