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Kanton
03.07.2022
02.07.2022 11:36 Uhr

Das Bewusstsein ist da, aber der «Thrill» ist höher

Die «Weiterleiten»-Taste ist schnell gedrückt, nicht bei allen Inhalten ist dies jedoch gefahrlos.
Die «Weiterleiten»-Taste ist schnell gedrückt, nicht bei allen Inhalten ist dies jedoch gefahrlos. Bild: pixabay.com
Wie gross ist das Problem betreffend Sexting und illegaler Pornografie bei den Schwyzer Jugendlichen wirklich? Wir haben nachgefragt.

Vor Kurzem stand ein 22-Jähriger vor dem Bezirksgericht March.Er hatte sich unter anderem der Pornografie schuldig gemacht. Er hatte Videos, die verbotene sexuelle Handlungen mit Minderjährigen zeigen und die er per Whatsapp erhielt, weitergeleitet und gleichzeitig auf dem Familiencomputer die automatische Synchronisation der Chats eingerichtet.

Für diesen jungen Mann wäre eine entsprechende Prävention in der Schule oder vonseiten der Eltern sicher wertvoll gewesen. Wie ist die Situation diesbezüglich im Kanton Schwyz?

Online-Prävention und digitale Grenzüberschreitung

Die Kantonspolizei Schwyz ist im Bereich Online-Prävention präsent: jährlich flächendeckend auf dem ganzen Kantonsgebiet in den rund 90 Klassen der ersten Oberstufe. Dort wird unter anderem thematisiert, wie man sich vor Internet-Straftaten schützt. Pornografie wird ebenfalls behandelt.

Die Kapo präsentiert den Schülern 90 Minuten lang eine geballte Ladung an möglichen digitalen Grenzüberschreitungen. Das Ziel ist, aufzuzeigen, wie man sowohl Opfer- als auch Tätersituationen im Umgang mit dem Internet vermeiden kann.

Dies zu den Themen heimliche Filmaufnahmen, negative Chat-Inhalte, Internetbekanntschaften mit Fremden, Rassendiskriminierung und so weiter. «Dabei erklären wir die Negativsituationen anhand von Beispielen aus unserem Polizei- Alltag», sagt Pascal Simmen, Chef Prävention der Kantonspolizei Schwyz. Das Zeigen von Bildern sei dabei nicht notwendig. Die Schüler wüssten in der Regel genau, welche Bildinhalte angesprochen sind.

Nicht weiterschicken

Die Kantonspolizei gibt auch Verhaltensempfehlungen, falls man mit unerwünschten Bildern oder Nachrichten bombardiert wird. «Wenn ihr ein Bild in einem Chat erhaltet, könnt ihr nichts dafür. Ihr habt dieses nicht bestellt », sagt Simmen den Schülerinnen und Schülern. Aber: «Nicht weiterschicken und sofort aus dem Bilder-Ordner entfernen.»

Datenfunde werden gemeldet

Doch wie landen solche Fälle bei der Staatsanwaltschaft und später eventuell vor Gericht? «In den USA besteht für alle Provider die Pflicht, verdächtige Internetinhalte beim ‹National Center for Missing and Exploited Children› zu melden.

Es erfolgt anschliessend eine Meldung an die zuständige ausländische Polizeibehörde; in der Schweiz an die Bundeskriminalpolizei», erklärt die Leitende Staatsanwältin Franziska Steiner (2. Abteilung) auf Anfrage.

Die Bundeskriminalpolizei veranlasst anschliessend eine Verdachtsmeldung an das zuständige kantonale Polizeikorps. Dieses nimmt die Ermittlungen auf.

Im Rahmen des Strafverfahrens werden die digitalen Datenträger nach verbotener Pornografie durchsucht. Anschliessend wird ein Bericht oder ein Gutachten erstellt. Wie die Strafverfolgung im konkreten Fall aussehe, hänge stark vom Einzelfall ab.

Anders als der Präsident des Bezirksgerichts March, der aktuell eine Häufung von Fällen im Zusammenhang mit illegalen Handy-Inhalten feststellt, kann der Chef Prävention der Kantonspolizei Schwyz dies nicht bestätigen.

Wie regelt das die Sek 1?

Rick Bachmann, Rektor der Sek eins Höfe, führt nicht Buch. Er schätzt, dass es in der Sek eins Höfe jährlich etwa drei bis fünf Fälle von illegalen Inhalten auf Schüler-Handys gibt, die bis ins Rektorat gelangen.

«Diese werden dann mit der Schulleitung und je nach dem auch mit der Polizei abgesprochen.» Auch er betont, dass alles Einzelfälle sind und die Klärung in der Gruppe oder mit den Eltern sehr wichtig sei.

Die Reaktionen der jugendlichen Täter seien jeweils ähnlich: «Das Bewusstsein ist eigentlich da, aber im Moment war der Thrill höher.» Bachmann stellt jedoch eine zunehmende Sensibilisierung fest: Das Bewusstsein dafür, was erlaubt ist, und was nicht, sei höher als früher.

Persönliche Logins als Schutz

Ähnlich wird das Thema «Sexting/illegale Pornografie» an der Sek 1 March behandelt. Rektor Fredy Tischhauser sagt: «Glücklicherweise sind wir selten damit konfrontiert. Durchschnittlich gibt es einen bis zwei Fälle pro Schuljahr und Schulstandort (mit je rund 20 Klassen).» Innerhalb des letzten Schuljahres wurde die Polizei in einem einzigen Fall eingeschaltet.

Während des Unterrichts an der Sek 1 March melden sich die Schüler mit einem persönlichen Login an. «Dies bietet einen zuverlässigen Schutz vor der Konsumation oder der Weitergabe unerlaubter Inhalte oder Chats.»

Patrizia Baumgartner, Redaktion March24 & Höfe24