Home Region Sport Agenda In-/Ausland Magazin
Kanton
09.06.2020

Lieber am Virus sterben

Dr. Daniel Burger, Präsident der Ärztegesellschaft Schwyz, setzt sich für die Selbstbestimmung von Heimbewohnern ein. (Bild: Anouk Arbenz)
Heimbewohnerinnen und -Bewohner sollten selber entscheiden dürfen, ob sie vor dem Coronavirus geschützt werden oder nicht, findet die Ärztegesellschaft Schwyz. Dies würde auch Druck von den Heimen nehmen.

Es ging relativ schnell: Bereits am 5. März wies das Amt für Gesundheit und Soziales des Kantons Schwyz die Alters- und Pflegeheime an, interne und externe Veran-staltungen zu streichen und Besu-cherinnen und Besucher konsequent zu registrieren. Am 16. März kam das absolute Besuchsverbot. Für die Heimbewohner bedeutete dies, dass sie ihre Angehörigen nicht mehr sehen durften und auch intern ihre Kontakte  einschränken mussten.

Schnell zu reagieren, um die in Bezug auf das Coronavirus gefährdetsten Bevölkerungsgruppen zu schützen, sei richtig, sagt Daniel Burger, Präsident der Ärztegesellschaft Schwyz. Nachdem das Besuchsverbot am 11. Mai wieder gelockert wurde, seien die Heimbewohner im Kanton Schwyz aber nach wie vor stark eingeschränkt. Weil die Regierung die Regelungen in Bezug auf die Lockerungsmassnahmen an die Institutionen und Heime delegiert und diese sich vor den Konsequenzen zu starker Lockerungen fürchteten, habe sich wenig getan. «Seit der Krise wuchs der Druck in den Heimen, Todesfälle unbedingt zu verhindern», beobachtet Burger.

Dabei gehöre der Tod in einer solchen Institution natürlich dazu: «Man darf in einem Alters- oder Pflegeheim sterben – ob mit oder ohne Covid-19», bringt Burger die Botschaft der Ärztegesellschaft auf den Punkt. Heimbewohner seien sich bewusst, dass sie sich am Ende ihres Lebenszyklus befänden. «Das wichtigste für viele von ihnen ist deshalb, dass sie den Rest ihres Lebens so führen können, wie sie es wünschen.»

Zwei Abteilungen schaffen

In einem Brief hat sich die Ärztegesellschaft nun an die Regierung gewandt. Sie schlägt vor, dass jeder Heimbewohner eine Patientenverfügung ausfüllt und das jeweilige Heim die Bewohner anhand ihrer Antworten in zwei Gruppen unterteilt: Solche, die das Risiko einer Infektion mit dem Virus eingehen wollen, in ihrer Lebensqualität aber nicht eingeschränkt werden wollen, und solche, die weiterhin absoluten Schutz wünschen.

«Die Heime brauchen jetzt eine Lösung», sagt Burger. «Und zwar eine Lösung, die auch noch in eins, zwei Jahren 'verhebet', denn wir werden noch lange mit dem Virus leben müssen.» 

Vorstoss eingereicht

In eine ähnliche Richtung geht der Vorstoss von Kantonsrat Antoine Chaix (SP), der in seiner Interpellation den Regierungsrat fragt, wie dieser gedenke, die Lockerung des Lockdowns in den Alters- und Pflegeheimen umzusetzen und ob entsprechende Ressourcen angedacht seien.

 

Interview mit Dr. Daniel Burger in den Print-Ausgaben «March-Anzeiger» und «Höfner Volksblatt» vom Dienstag, 9. Juni, zu lesen.

Noch kein Abo?

 

 

Anouk Arbenz, Redaktion March24/Höfe24