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Feusisberg
14.05.2022
10.05.2022 15:50 Uhr

Mehr als nur «Verchäuferlis spielen»

Die Gemeinderatsmitglieder Gabriela Schnelli, Martin Wipfli, Dieter Göldi und Joris van het Reve (v. l.) haben den Dorfladen Jakob in Feusisberg nicht nur übernommen, sondern helfen auch tatkräftig mit.
Die Gemeinderatsmitglieder Gabriela Schnelli, Martin Wipfli, Dieter Göldi und Joris van het Reve (v. l.) haben den Dorfladen Jakob in Feusisberg nicht nur übernommen, sondern helfen auch tatkräftig mit. Bild: Andreas Knobel
Das gabs wohl noch nie: Vier Feusisberger Gemeinderatsmitglieder haben als Privatleute den Dorfladen Jakob übernommen und helfen auch vor Ort mit.

«Dingdong-dingdong» – es herrscht ein reges Kommen im Dorfladen Jakob in Feusisberg. Es ist ein Samstagmorgen im Mai, und was für Aufsehen im Lokal sorgt: Es sind vier Gemeinderäte, welche den Laden schmeissen.

Gemütlich gemacht dort hat es sich an diesem Morgen Gemeindepräsident Martin Wipfli. Im Austausch mit der Feusisberger Bevölkerung lauscht er den neuesten Geschichten aus dem Dorf.

Vier Gemeinderäte im Einsatz

Einen engeren Zeitplan hat Dieter Göldi. Der Säckelmeister war schon um 6.30 Uhr auf den Beinen, um im Engrosmarkt den Einkauf für den Dorfladen zu besorgen. Nun macht er sich geschwind ans Einräumen, bevor familiäre Pflichten rufen.

Zu Hilfe kommt ihm Joris van het Reve – auch er ein Feusisberger Gemeinderat. An diesem Samstag hilft er nicht nur mit, sondern ist auch ständig wieder abgelenkt, weil Bekannte das Ladenlokal betreten.

Stammgäste im Dorfladen Jakob in Feusisberg: In solch illustren Runden aus der Dorfbevölkerung fühlt sich Gemeindepräsident Martin Wipfli am wohlsten. Bild: Andreas Knobel

Und schliesslich ist da noch Gabriela Schnelli. Sie bedient hinter der Theke, macht die Kasse, weist Rebecca Birchler ein, die erstmals im Laden steht, räumt ein und auf … Kein Zweifel, Schnelli macht das nicht zum ers-ten Mal. «Sie gseht d’Arbet», würde man in Mundart sagen. Eigentlich aber ist auch Gabriela Schnelli in erster Linie Feusisberger Gemeinderätin.

Soll wieder Institution werden

Über Jahrzehnte belieferte die Familie Winet mit ihrer Bäckerei an der Dorfstrasse 40 das Dorf mit Grundnahrungsmitteln. Nach dem Rückzug des Ehepaars Winet sollte das Einsiedler «Tulipan» den Betrieb weiterführen. Dazu kams aber aus gesundheitlichen Gründen nie.

Stattdessen sprangen «Lokalhelden» in die Bresche, sie sammelten über die entsprechende Crowdfunding-Plattform über 50 000 Franken. So konnte das fortan «Dorfladen Jakob» genannte Lokal gleich gegenüber der Kirche hübsch und freundlich saniert werden.

Für den täglichen Betrieb sorgte das nahe Alterszentrum am Etzel. Über ein Jahr lang funktionierte das recht gut. Dann aber hätten sich «organisatorische Mängel» eingeschlichen, wie Gemeindepräsident Wipfli in der Gemeindebroschüre schreibt.

  • Hat alles im Griff: Gemeinderätin Gabriela Schnelli (l.) mit Rebecca Birchler. Bild: Andreas Knobel
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  • Als Säckelmeister ist Dieter Göldi auch im Dorfladen für den Einkauf zuständig. Bild: Andreas Knobel
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Eine Taskforce handelte nun schnell und legte eine überraschende Lösung auf den Tisch. Es wurde nämlich mit dem Verein Dorfladen Jakob eine neue Trägerschaft und mit der Dorfladen Jakob GmbH eine neue Betriebsgesellschaft gegründet. Das Besondere daran: Die vier Gemeinderatsmitglieder, die an diesem Samstag Hand anlegten, bilden nicht nur den Vorstand, sie sind auch die Investoren.

Das heisst, sie haben privates Geld eingeschossen, die Gemeinde selber sei nicht involviert, beteuern sie. Klar, sie werden nun nicht täglich im Laden stehen, aber der Samstagmorgen sei für die persönliche Mithilfe gesetzt.

Mehr als nur ein Hobby

Hobbymässig lässt sich also so ein Betrieb nicht aufrechterhalten. Das ist sich das initiative Gemeinderats-Quartett sehr wohl bewusst. «Nein, das ist nicht nur Hobby, das ist ein Zukunftsprojekt », macht Gemeindepräsident Wipfli klar.

Wichtig sei, dass «sich die Bevölkerung wieder mit dem Dorfladen identifizieren kann», dass wirkliche Begegnungen stattfinden können. Dazu gehöre natürlich auch, dass möglichst viele lokale Anbieter integriert werden können.

Andreas Knobel, Redaktion March 24 & Höfe24